Wirkstoff-Öle sind fette Öle, die man einem Massage-Öl oder einer Salbe/Creme zugibt, weil sie über heilende und/oder pflegende Eigenschaften verfügen. Pur genommen wären sie zu intensiv (Hagebuttenkern, Lorbeerfrucht, Schwarzkümmel) oder zu teuer (Shea-Butter, Nachtkerzensamen, Boretschsamen, Johannisbeersamen). Oder sie färben zu sehr (Sanddorn-Öl) oder riechen zu aufdringlich (Calophyllum-Öl, Neem-Öl, Avocado-Öl).

Hier finden Sie einige Beispiele, mehr dazu lesen Sie in
Fachbuch “Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe” oder im Ratgeber "Aromatherapie" von Irisiana, beide von Eliane Zimmermann.

Andirobasamen Carapa guianensis, Meliaceae

Amazonien/brasilianischer Urwald
hellgelb entzündungshemmend schmerzlindernd epithelisierend insektenvertreibend bei rheumatischen Erkrankungen bei Cellulite bei Akne

Argane Argania spinosa, Sapotaceae

Marokko
nussiger Duft entzündungshemmend bei Akne und leichten Verbrennungen bei Neurodermitis bei allergischen Hauterkrankungen innerlich Cholesterin senkend

Boretschsamen Borago officinalis, Boraginaceae

Ein Unkraut macht Karriere, das kann man von diesem Öl sagen. Sein ungewöhnlich hoher Gamma-Linolensäuregehalt (bis zu 27%) macht es zu einem stark hautregenerierenden Mittel, die Haut wird elastischer. Es hat, innerlich eingenommen, eine hormonell und psychisch ausgleichende Wirkung (extrem wirksam bei PMS) und stärkt zudem das Immunsystem. Es wirkt antikoagulierend, weswegen man es bei Thrombosegefahr geben kann. Die Pflanze, die sich in unseren Breiten sehr stark ausbreiten kann, war früher nur als Gurkengewürzkraut bekannt. Pyrrolizidinalkaloide sollten aus dem Öl entfernt sein, da diese leberschädigend sein können. Durch den hohen Gehalt an der dreifach ungesättigten Gamma-Linolensäure wird es sehr schnell ranzig, deshalb sollte es für jede Anwendung frisch aus der Gelatinekapsel benutzt werden.

Calophyllumöl Calophyllum inophyllum L., Clusiaceae

Dieses bräunlich-grüne Öl mit einem stark nussigen Aroma stammt aus den Früchten eines kleinen Baumes, der rund um den Indischen Ozean und auch an Pazifischen Küsten heimisch ist. Der Kern der kugeligen Früchte enthält 40-60% Fett, bei der Pressung gehen 14-20% Harze in das Öl über. Somit stellt es eine Besonderheit unter den Ölen dar und ist — zumindest in den Ursprungsländern — ein Allheilmittel.

Calophyllum

Äußerlich angewendet hat es einen guten Einfluss auf Narbengewebe, es stimuliert die Phagozytose (Tätigkeit der Fresszellen des Immunsystems) und pflegt Krampfadern. Es hat sich bei Akne und entzündlichen Hauterkrankungen bewährt. Es beugt Haarausfall vor und verleiht den Haaren einen seidigen Glanz. Bei der sehr schmerzhaften Gürtelrose, die durch ein
Virus verursacht wird, ist dieses Öl allein oder auch kombiniert mit antiviralen ätherischen Ölen (z.B. Ravensara, Melisse, Cistrose) ein ungewöhnlich guter Helfer.


Hagebutte Rosa rubinginosa, Rosaceae

Diese zierliche rankende Rosenart wächst wild in Chile, wo sie manchmal als Unkraut betrachtet wird. Das fette Öl aus ihren Hagebutten stellte sich jedoch als Besonderheit heraus: Es enthält etwa 44% Linolsäure und etwa 35% Alphalinolensäure, zwei wichtige Fettsäuren, die beim Aufbau der Prostaglandine im menschlichen Körper beteiligt sind. Spuren der Transretinolsäure, eine sehr aktive Form von Vitamin A, bewirken eine ungewöhnlich gute Heilung auch von schweren Hautkrankheiten. Die Wirkung auf die Regenerationsfähigkeit der Haut ist bereits erforscht worden. In Studien zeigte sich, daß selbst ältere, wulstige und dunkle Narben mit dem Öl sehr positiv beeinflußt werden können. Die Haut nahm eine natürlichere Färbung an, die Fläche der Narben verkleinerte sich, sie wurden glatter, die Haut wurde deutlich elastischer. Für diesen Zweck wurde das Öl bei Neuoperierten zweimal täglich aufgetragen, sobald die Fäden der Operationsnarben gezogen worden sind. Bei Patienten, wo mehrere Operationen nötig waren (z.B. Hauttransplantationen), waren die Narben und die drumherum liegende Haut wesentlich widerstandsfähiger als bei Personen, die das Öl nicht anwendeten. Bei vorzeitig gealterter Haut, z.B. nach zu langer Sonneneinwirkung, konnte man die rasche Faltenbildung eindämmen und sogar oberflächliche Fältchen glätten. Pigmentflecken wurden heller, die Haut wirkte insgesamt frischer. In dieser Studie wurde einmal wöchentlich die Haut der freiwilligen Testpersonen kontrolliert, nach vier Monaten waren die Resultate unübersehbar.
Bei Menschen mit
Couperose, Akne und Psoriasis wurden signifikante Verbesserungen beobachtet, selbst heftigste Verbrennungen heilten schneller als üblich ab. Diese erfreulichen Resultate erklärt man mit einer verbesserten Kollagensynthese und mit einer verstärkten Durchblutung der Mikrogefäße der Haut. Das Öl ist sehr gut verträglich, allergische Reaktionen sind sehr selten. Doch es muss sehr schnell verbraucht werden, da es ist nur sehr kurz haltbar ist, beim Verderben entsteht ein unangenehmer traniger Geruch.

Kukuinnuss, Aleurites mollucana, Euphorbiaceae

Dieses sehr seltene Öl stammt von einem Nussbaum, der in der Südsee beheimatet ist. Es ist sehr vitaminreich (A, B und E) und fördert die Regeneration der Haut. Seine bindegewebestärkende Eigenschaft macht es zum interessanten Massageöl gegen Schwangerschaftsstreifen und Cellulite. In Hawaii wurden Blüten Nüsse und Rinde dieses laubabwerfenden Baumes gegen allgemeine Erschöpfungszustände, Asthma, Schmerzen, Geschwüre und Verstopfung angewendet. Blüten und polierten Nüssen zierten Blumenkränze, aus der Rinde und dem herben Saft der Früchte wurden Färbemittel für Trommeln und Kanuanstriche hergestellt. Aus den gerösteten, zerquetschten und gesalzenen Nüssen wurde das Gewürz Inanoma hergestellt. 1959 wurde der dort genannte Tung-Baum zum Staatsbaum von Hawaii erklärt.

Sanddorn, Hippophae rhamnoides L., Elaeagnaceae

Dieses orangefarbene, intensiv duftende Öl stammt aus dem kaltgepressten Fruchtfleisch der Sanddorn“beere“, die botanisch gesehen eine Frucht ist. Der anspruchslose Strauch wächst auf den sandigen Böden Ost-Europas, insbesondere der Ostsee-Küste, der Ex-UDSSR und Chinas. Wenn früher die russischen Kosmonauten ins All flogen, nahmen sie, um Strahlenschäden vorzubeugen, Sanddorn-Öl mit auf die Reise.

Sanddornbeeren

Diese Eigenschaft des Strahlenschutzes wurde intensiv erforscht und stellt heute ein wichtiges Anwendungsgebiet dieses besonderen Öles dar: Es stärkt und regeneriert die Haut vor und bei Radiotherapien (beispielsweise bei Tumoren), die Strahlung wird besser vertragen. Ich habe auf
meinem Blog (klick!) mehrfach darüber geschrieben und Rezepte sowie Bestellmöglichkeiten aufgelistet. Zudem wirkt das Öl schmerzlindernd und wirkt vermutlich sogar der weiteren Tumorbildung entgegen, wie die Internationale Forschungsgemeinschaft für Pflanzenheilstoffe in Berlin (IFP) feststellte: Die Carotinoide im Öl binden schädliche Peroxy-, Hydroperoxy- und Hydroxyradikale (aggressive Sauerstoffverbindungen, die u.a. Krebs auslösen können). Es werden Furanverbindungen der Radikalenfänger gebildet, die sich in Polyencarbonylverbindungen und kurzkettige, flüchtige Verbindungen umwandeln. Durch seinen hohen Gehalt an Provitamin A und Vitamin E wird dieses Öl im Baltikum traditionell als Schönheitsmittel verwendet. Besonders trockene und reife Haut profitiert davon, doch auch rissige Haut wird wieder weich und glatt. Bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten sollte dieses Öl nicht fehlen. Insbesondere bei Gastritis zeigt das Öl gute Ergebnisse, da es bei Einnahme den Magen mit einem feinen schützenden Film überzieht. Wenn man den Duft mag und es mit einem anderen fetten Öl vermischt, bekommt man eine leicht tönende Gesichtspflege mit Lichtschutzfaktor 3, bei schwachen Verdünnungen ist auf Wäscheschutz achten, das Öl färbt sehr stark. Haupt-Fettsäuren und Vitamine: 30-35% Palmitoleinsäure 30-35% Palmitinsäure 25-28% Ölsäure 37,8 mg/100 g Carotinoide, Tocopherole 330 mg/100 g (Vitamin E).


Sheabutter, Vitellaria paradoxa C. F. Gaertn., Sapotaceae

Dieses aus Burkina Faso stammende butterartige weiße Fett wird dort seit Jahrhunderten als Schönheits- und als Nahrungsmittel verwendet, auch als Lichtquelle in Form von Kerzen und zur Massage Neugeborener spielt es dort eine wichtige Rolle. Man nennt es auch Karitébutter oder Galam-Butter. Die vier Zentimeter großen, pflaumenartigen Nüsse des bis zu 15 Meter hohen Baumes enthalten bis zu 50% dieses Fettes. Das Besondere an dieser recht geruchsneutralen weißen Masse ist ihr hoher Anteil an Unverseifbarem (siehe bei Avocadoöl). In der Sheabutter ist es bis zu 11 Prozent davon enthalten (Avocadoöl bis zu 6 Prozent, Sesamöl bis zu 1,5 Prozent, Olivenöl bis zu 1,2 Prozent), weshalb sie eine ideale Beigabe zu jeder Fette-Öle-Mischung ist. Somit stellt das Unverseifbare in der Shea-Butter eine ungewöhnlich wirksame natürliche Substanz zum Geschmeidigmachen der Haut dar. In Pflegeprodukten schätzt man die feuchtigkeitsbindende Wirkung auf die Oberhaut. Bei der Behandlung von Narben beobachtete man eine Zunahme der Elastizität des Gewebes. Dieses Unverseifbare kann man deshalb auch in isolierter Form erwerben.

Shea-Nuesse

Als Zugabe zu fetten Ölen lässt man sie schonend schmelzen, beispielsweise auf der Heizung, und gibt sie dann dem Öl zu. Wenn man sie zu gut 50 Prozent zugibt, erhält man eine vorzügliche Salbe und erleichtert die Handhabung des Öles, da dieses nun eine festere Konsistenz hat. Diese eignet sich für Lippenbalsam, Nasen- und Brustsalbe und Anti-Schwangerschaftstreifen-Creme.
Sheabutter beschleunigt Heilungsprozesse (enthält Allantoin), schützt den Feuchtigkeitshaushalt der Haut und ist ausgezeichnet verträglich. Naturbelassene und dennoch preiswerte Sheabutter (“unrefined”), die leicht gelblich ist noch einen zarten Eigenduft hat, können Sie bestellen bei Franz Thome. Er bezieht diese direkt aus Ghana, um dort einkommensschwache Familien zu unterstützen.

Hervorragend recherchierte Hintergründe über diese Nuss und über andere fette Pflanzenöle finden sie auf der großartigen Website von Heike Käser
Olionatura.


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