Warum "kontrolliert biologischer Anbau"?

Im Katalog einer der ersten Ätherisch-Öl-Firmen im deutschsprachigen Bereich (Farfalla) steht der treffende Satz: „Warum Bio? Die Natur hat nie etwas anderes vorgesehen.“ Bei Pflanzen aus „
kontrolliert biologischem Anbau“ wird darum auf den Einsatz von Pflanzengiften verzichtet. Es darf mit natürlichen Spritzmitteln aus Kräutern, Ölen und Mineralien gearbeitet werden. Das so genannte Unkraut, also die in der Nähe wachsenden und unerwünschten Wildkräuter, werden nicht chemisch ausgerottet, sondern aufwändig von Hand gejätet, es wird statt synthetisch mit Kompost gedüngt und Fruchtfolgewechsel praktiziert.

Insektizide und andere Pestizide stellen nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit der damit befassten Landwirte dar sowie für den davon konsumierenden Menschen (und Tiere sowie Insekten), sondern sie verändern auch den Stoffwechsel der behandelten Pflanze. Diese reagiert mit Abwehrmechanismen, die sogar das Aussehen ihrer kleinsten Strukturen beeinflussen. Sie kann auch als Reaktion die Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe umstrukturieren, andere therapeutische Eigenschaften entwickeln oder eventuell sogar zum vermehrten Auftreten von bis dato relativ seltenen Allergien beitragen.
Im Farfalla-Katalog steht weiter: „Es ist weder logisch noch fair, dass Bio-Produkte durch Abgaben verteuert werden, um die ganzen Kontrollen zu finanzieren. Eigentlich sollten solche Produkte belastet werden, die nicht naturgemäß, sprich biologisch produziert werden. Warum? Weil die Natur nie etwas anderes vorgesehen hat.“


Bio bedeutet mehr als „ohne Gift“:

| weniger/kaum Giftbelastung auf dem Produkt (Regen und Wind bringen Gifte auch auf Biopflanzen)

| keine genmanipulierten Pflanzen (Regen und Wind können auch hier ihr Übriges tun)

| keine Belastung der Landwirte und ArbeiterInnen mit Agrargiften

| oft faire Bezahlung und soziale Absicherung der Produzenten und Arbeiter

| Schonung des Bodens und der Umwelt

| umweltfreundliche Herstellungsmethoden, Müllentsorgung und Verpackungen

| Verringerung des Allergiepotenzials des Produktes

| vollständige Nachvollziehbarkeit der Herkunft und Wege des Produktes

| keine Beimischung von synthetischen Substanzen


Die Aufschrift „aus kontrolliert biologischem Anbau“ garantiert jedoch nicht zwangsläufig ein hervorragendes, schadstofffreies Öl. Erntemethoden (Dieseltraktor), Weiterverarbeitung (zu hoher Druck, zu hohe Destillationstemperaturen) und Lagerung (zu hell und zu warm) sowie andere Faktoren entscheiden mit über die Qualität eines ätherischen Öles. Auch können durch Regen, Wind, Grundwasser und auch durch Insekten Umweltgifte als auch genmanipulierte Samen auf ein ökologisch bewirtschaftetes Feld gelangen.
Bei Pflanzen, die mit so hohem Aufwand angebaut werden, entstehen manchmal Lieferengpässe, wenn also eine Ölefirma bestimmte Öle über eine bestimmte Zeit nicht liefern kann, ist das eher ein gutes Zeichen.

Erzeuger, die Produkte aus kontrolliert biologischen Anbau produzieren und auch Ölefirmen, die beispielsweise ätherische Öle an Endverbraucher verkaufen und eines der Bio-Siegel verwenden möchten, müssen sich regelmäßige Kontrollen von anerkannten Verbänden gefallen lassen. Die Prüfungen und das Führen des jeweiligen Siegels auf Preislisten und Etiketten kosten erhebliche Geldsummen, die von kleinen Abfüllern selten aufgebracht werden können. Die Kosten für diese Zertifizierungen gegenüber Billigölen aus dem Supermarkt tragen auch die Endverbraucher, dafür können sich in den meisten Fällen auf hervorragende und verträgliche Ware verlassen.


Bio-Siegel für ätherische Öle und Herstellerfirmen

AB
Agriculture Biologique
höchstmögliche Bio-Qualität
nur für Öle aus der EU
AFNOR Association Francaise de Normation
Normierung von industriellen Produkten und Firmen jeder Art (Abläufe, Geschwindigkeit, Größe, Gewicht, Etikettierung, Zusammensetzung etc), kein direkter Zusammenhang mit und keine Garantie für Bio-Qualität, keine Vergabe von Siegeln
BDIH
Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel
„Arbeitsgruppe für kontrollierte Naturkosmetik“
strenge Qualitätsrichtlinien für Naturkosmetik, die für die Mitglieder bindend sind
Bio Suisse
Öle mit dem Knospenlabel erfüllen einen der höchsten Biostandards der Welt
Demeter
Demeter-Bund
höchstmögliche Bio-Qualität mit Berücksichtigung von Jahreszeiten und Mondrhythmen
Fair Trade
Internationales Siegel, das Erzeugern von landwirtschaftlichen Produkten (Kaffee, Tee, ätherische Öle etc) eine faire Bezahlung für ihre Arbeit garantiert
Fairwild
neues Siegel von Forum Essenzia für ökologisch und sozial fairen Handel
IFOAM
International Federation of Organic Agriculture Movement
Dachverband internationaler Organisationen der biologischen Landwirtschaft, in Europa über 300 Mitglieder, weltweit Mitglieder aus 100 Ländern, Zentrale in Deutschland
ISO
International Standardization Organisation
Normierung von industriellen Produkten und Firmen jeder Art (Abläufe, Geschwindigkeit, Größe, Gewicht, Zusammensetzung etc), kein Zusammenhang mit und keine Garantie für Bio-Qualität
Nature & Progrès
höchstmögliche Bio-Qualität, Frankreich

Pflanzen aus
Wildsammlung sind sehr widerstandsfähig, da sie alle Naturwidrigkeiten und ohne menschliche Hilfe überlebt haben. Sie werden sozusagen nicht verhätschelt durch Düngen, fleißiges Jäten, verlässliches Gießen usw. Sie ergeben oft ein in Duft und Wirkung kräftiges Öl. Selbstverständlich sollten sie in abgelegenen Gegenden geerntet werden, also nicht etwa in der Nähe einer Autobahn oder eines Kernkraftwerkes.
Es sollte jedoch nicht gewildert werden und nur nachwachsende Pflanzen gesammelt werden. Leider wird das in armen Schwellenländern oft nicht beachtet, tropische Dufthölzer und Harze verhelfen der armen Bevölkerung oft zu einem bescheidenen Einkommen.

Mittlerweile gelten etliche Öle liefernde Baumarten aus Wildbeständen laut
CITES (Convention on International Trade in Endangered Species) als stark gefährdet bzw. dezimiert:

Santalum album, Ostindisches Sandelholz (Indien) [Abb. links © Waltraud Reischer]

Amyris balsamifera, Westindisches Sandelholz (Karibik)

alle
Aniba-Arten, Rosenholz (Südamerika) [Abb. Mitte © Sigrun Scherneck]


Cedrus atlantica, Atlas-Zeder (Nordafrika)

Aquilaria malaccensis (früher A. agallocha), Oud/Adlerholz in Laos, Vietnam, Kambodscha etc. wird vermutlich noch zu unserer Lebenszeit ausgerottet sein [Abb. rechts]




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