Fette Öle — nicht nur in der Aroma-Massage

Die
Massage als besonders gut geeignete Form der Aromapflege und der Gesundheitsvorsorge wird in fast jedem Buch zum Thema ätherische Öle beschrieben. Dass wir als Trägersubstanz bei der Massage fette Öle nehmen, ist allgemein bekannt. Übersehen wird jedoch oft, dass die pflanzlichen Basisöle auch wertvolle Wirksubstanzen in sich bergen, die man je nach Hautbild und Allgemeinbefinden differenziert einsetzen kann. Nur in wenigen Büchern finden wir zu diesem Thema mehr als ein paar Zeilen zu dem jeweiligem Öl. Bei über hundert Büchern zur Aromatherapie und Naturkosmetik stellt sich das als ein noch auf die Forschung wartendes Thema dar. Wie und warum können sowohl fette als auch ätherische Öle die Haut überhaupt passieren? Beide bestehen aus fettlöslichen (lipophilen) Molekülen, auch die Zellwände (nicht nur der Haut) bestehen aus ungesättigten Fettsäuren. Die Öle können per Diffusion von der obersten Hautschicht, durch die Schweißdrüsen- und Talgdrüsenausgänge in die tieferen Hautschichten eindringen. Sodann kommen sie über die kleinsten Blutkapillaren in den Blutstrom. Dieser Prozess variiert allerdings stark je nach behandelter Hautregion, nach der Wärme von Haut und Öl und der Anzahl ungesättigter Fettsäuren des Trägeröles.

Dass wir als Menschen, die mit naturbelassenen und reinen ätherischen Ölen arbeiten, auch die Trägersubstanzen sorgfältig auswählen, versteht sich von selbst. Es ist allerdings auch wichtig, sich mit der ursprünglichen Pflanze, deren Eigenschaften und Vorlieben, vertraut zu machen. Nur so können wir das geeignete Öl bewusst einsetzen und auch seine heilsame Kraft würdigen.
Wir unterscheiden für die Massage dreierlei Gruppen von pflanzlichen Ölen:

das Basis-Öl (klick!), also der Hauptbestandteil einer Massage-Öl-Mischung

das Wirkstoff-Öl (klick!), es wird 5 bis 10%ig beigegeben je nach Indikation

das Mazerat (klick!), das entweder auch zugegeben wird oder pur verwendet wird.

Ein wunderbares Buch zu diesem umfassenden und wichtigen Themengebiet hat Ruth von Braunschweig geschrieben:
Pflanzenöle - Qualität, Anwendung und Wirkung (klick!). Warum entstehen in einer Pflanze überhaupt diese fetten Substanzen? Wenn wir uns die Herkunftsländer vieler Öle anschauen, sehen wir, daß dort oft oder sogar fast immer die Sonne scheint. Die ölhaltigsten Pflanzen der Welt gedeihen relativ nah am Äquator bzw. zwischen den beiden Wendekreisen besonders gut: die Ölpalme und die Erdnusspflanze finden wir vor allem in Afrika. Olivenbäume wachsen in Griechenland, Spanien und Italien; aus Nord- und Südamerika bekommen wir das Sojaöl und das Saflor- oder Distelöl. Kalifornien bzw. Mexico beliefert uns mit Avocadoöl und Jojobaöl. Das Sesam- und das Kokosöl kommen aus Südostasien. Aber auch in unseren Breiten bekommen wir ein gutes Öl: das Sonnenblumenöl wird vor allem in Deutschland und in Russland gewonnen, Haselnussöl ist auch deutscher Herkunft, hervorragendes Kürbiskernöl kommt aus Österreich. Das Fett in den Samen und Früchten ist der natürliche Schutz der jeweiligen Pflanze gegen zu hohe Temperaturen. Sie benötigt wiederum Sonnenenergie, um mittels der Photosynthese organische Stoffe wie Eiweiß, Kohlenhydrate und eben Fette herzustellen.
Verfolgt man die Geschichte der Anwendung von pflanzlichen Ölen, reicht man rasch an die Ursprünge der Menschheit. Dort begegnet uns der Ölbaum sowohl als Lieferant eines Grundnahrungsmittels als auch als Medizin, als Hautpflegemittel, als Opfergabe für die Götter und als Lampenbrennstoff. Im Jahr 500 vor unserer Zeitrechnung stand das Roden eines Ölbaumes, selbst des eigenen, unter Todesstrafe.
Safloröl (Distelöl) wurde im alten Ägypten als Rauchopfer und Inhalationsöl verwendet Die Azteken massierten ihre Säuglinge in einem Einweihungsritual mit Jojobaöl. Das Pfirsichkernöl war im alten China eine Kostbarkeit, das der Seele half, aus der Dunkelheit zu entrinnen. Die innerliche und äußerliche Anwendung von Sesamöl hat in Indien eine alte Tradition.

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Die Gewinnung von pflanzlichen fetten Ölen

Pflanzliche Öle werden aus Samen, Nüssen und auch manchmal Früchten (Avocado, Sanddorn) gewonnen. Die hochwertigen Sorten werden durch mechanische Pressung gewonnen. Dazu quetschen Stempel- oder Schneckenpressen die zerkleinerten (und teilweise vorerhitzten) Früchte und Samen aus. Bei dem mechanischen Druck entstehen kontinuierlich steigende Temperaturen im Pressgut (bis 60 Grad). Deshalb werden die Öle heutzutage nicht mehr "kaltgepresst" genannt, sondern "nativ". In dem zurückbleibenden Pressgut ist anschließend noch Öl (ca. 10-15%) enthalten, dieses wird dann mit Lösungsmitteln extrahiert.
Dazu nimmt man flüchtige und in Verbindung mit Sauerstoff hochexplosive Stoffe wie z.B. Hexan. Samenbrei und Lösungsmittel werden vermischt, dabei geht das Öl eine innige Verbindung mit dem Lösungsmittel ein. Das Öl wird herausgeschwemmt und wird durch eine anschließende Destillation von diesem getrennt. Dabei können Rückstände im Öl verbleiben, es werden auch geschmacklich nicht erwünschte Substanzen wie Bitter- und Schleimstoffe gelöst. Um es genießbar zu machen, muss es nun raffiniert werden. Das "Öl" wird nun mit Hilfe von Wasser vom Lecithin und von Schleimstoffen befreit, dann entsäuert man es mit einer Lauge (löst die freien Fettsäuren), es wird nun nochmals mit Soda entschleimt, mit Bleicherde geblichen und mit Wasserdampf (bei 240-270 Grad) desodoriert (Geschmacks-/Geruchstoffe entfernt). Nun kann man es gegebenenfalls mit Betacarotin oder künstlichen Farbstoffen färben und ihm (künstliche) Vitamine zusetzen. Diese Öle sind — wie der Verbraucher es wünscht — geschmacksneutral und sehr lange haltbar.
Man kann Olivenöl durch zentrifugieren gewinnen. Dazu werden die Oliven im Mixer zerkleinert, mit viel lauwarmem Wasser aufgeschwemmt und anschließend zentrifugiert. Bei diesem Verfahren lösen sich keine Gerb- und Bitterstoffe, es entsteht ein ganz mildes, hochwertiges Öl.
Es versteht sich von selbst, dass wir zur aromatherapeutischen Behandlung von Menschen nur beste natürliche pflanzliche Öle verwenden sollten. Und da gerade fette Substanzen sich sehr schnell mit verschiedenen hochgiftigen Stoffen anzureichern vermögen, sollten die Trägeröle — wenn irgend möglich — aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, da diese in tiefe Hautschichten eindringen können. Sie nähren und pflegen zudem die Haut.
Aus Erdöl hergestellte Öle (z.B. Babyöl und Vaseline) sollten zur Aroma-Massage nicht verwendet werden, sie bilden einen relativ undurchlässigen Film auf der Haut. Allenfalls nehmen wir sie zum "Abdichten der Haut", wie vor Schmutzarbeiten oder gelegentlich am wunden Babypopo, der vor dem Windelinhalt geschützt werden soll. Raffinierte pflanzliche Öle enthalten kaum noch die lebensnotwendigen zwei- und mehrfach ungesättigten (oder essentiellen) Fettsäuren.

Oelherstellung
Haltbarkeit der Träger-Öle

Fette Pflanzenöle sind eine leicht verderbliche Ware, und je mehr ungesättigte Fettsäuren ein Öl enthält, desto eher reagiert es mit Sauerstoff, d.h. es wird ranzig. Man sollte deshalb immer nur die Mengen einkaufen, die man in etwa einem halben Jahr verbrauchen kann, auch wenn manche Öle wie das Olivenöl, das Avocadoöl und das Sesamöl uns bis zu anderthalb Jahren behilflich sein können. Wichtig ist es, das Öl aus einer halbleeren Flasche in die nächstkleinere umzufüllen, so dass das Öl möglichst wenig Sauerstoff in seiner direkten Umgebung vorfindet. Man kann die angebrochenen Gefäße auch mit Glaskugeln "auffüllen", so dass durch die Verdrängung der Flascheninhalt steigt und die Sauerstoffsäule möglichst klein wird. Die Öle mit viel Gamma-Linolensäure sollte man ausschließlich aus Kapseln verwenden, ohne Sauerstoff halten auch diese sich über ein Jahr. Zur inneren Einnahme sind sie somit wohlportioniert, zur Massage genügt es, eine Kapsel mit einer Nadel anzustechen und der Ölemischung beizugeben. Es versteht sich von selbst, dass Öle in dunklen Gefäßen und möglichst kühl aufbewahrt werden (Kühlschrank oder Keller). Olivenöl, Avocadoöl, Calophyllumöl und Jojobaöl werden bei kühlen Temperaturen flockig oder fest, dies beeinträchtigt die Qualität jedoch nicht. Ranzige Öle, in denen sich Trans-Fettsäuren gebildet haben, schaden nicht nur innerlich eingenommen, sie können auch bei äußerer Anwendung sogenannte "Freie Radikale" auf der Haut bilden. Diese Stoffe stören und schädigen das Stoffwechselgeschehen.

Menge und Mischungen

Wer viel massiert, kann sich Träger-Öle-Mischungen auf Vorrat zubereiten, etwa eine eher leichte, tonisierende Mixtur aus je einem Teil Haselnußöl, Traubenkernöl und Jojobaöl und eine nährende Rezeptur aus Mandelöl mit je 5% Weizenkeimöl, Macadamiaöl und Avocadoöl. Die für einen Kunden/Klienten ausgewählten ätherischen Öle kommen erst vor der Massage in das Trägeröl. Als Anhaltspunkt gilt: >>> etwa 10 ml Trägeröl für eine Ganzkörpermassage einer durchschnittlich proportionierten Frau, etwa 15 ml für die Ganzkörpermassage eines durchschnittlich großen Mannes. Je nach Hautbeschaffenheit und Behaarung können diese Werte stark schwanken. Auch ist das Empfinden der massierenden Person sehr unterschiedlich, manche arbeiten eher "trocken", manche benötigen eine starke Gleitfähigkeit. Nach der ersten Behandlung, oder sogar bereits im ersten telefonischen Vorgespräch, sollte man seinen Klienten empfehlen, gut waschbare Kleidung anzuziehen, da immer Ölreste im Stoff verbleiben. Die fein verteilten Partikel werden im Gewebe schnell ranzig, dieser Geruch ist bei Feinwäsche kaum noch zu entfernen. Für die benutzten Handtücher und Laken der Praxis empfehle ich für den Fall von Fettgerüchen und Ölflecken das Wasch-Ergänzungsmittel der Hobbythek Enzym F für die Wäsche. Außerdem sollte man im Falle von seltenen Massagen die Tücher nicht ansammeln lassen, sondern möglichst schnell waschen.


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