Cistrose, Cistus ladanifer L.

Cistaceae, Cistrosengewächse

Die Cistrose ist weder mit der Rose noch mit der winterlichen Christrose verwandt, auch wenn die Blüten der rosablühenden Art denen der Heckenrose extrem ähneln. Cistrosen gibt es sehr viele unterschiedliche, in Mallorca beispielsweise kann man viele Farbschattierungen nebeneinander erleben. Für die Duftstoffgewinnung nimmt man hauptsächlich Cistus ladanifer, sie hat cremefarbene Blütenblätter jeweils mit einem dunkelpurpurfarbenen Tupfer am Ansatz. Einige Sorten sind in Deutschland im milden Weinbauklima winterhart, doch den knalligen Duft können sie im deutschen Sommer nur annähernd entfalten (Samen können Sie beispielsweise bei
"Kräuterzauber" bestellen). Cistrose ist ein Kind der Hitze und Trockenheit.

In Portugal kann man ganze Landschaftsstriche erriechen, hier ist die flimmernde, heiße Luft von dem Duft der klebrigen Blätter dieses knochig und hager wirkenden Strauches geschwängert. Die Blüten dagegen wirken extrem zart und vergänglich, ja zerknittert, sie duften kaum.
Schafe und Ziegen durchstreifen die karge Landschaft, am Schaffell bleiben die Harzklümpchen hängen, von den Tieren werden diese dann "geerntet". Dieses sehr schwer duftende ätherische Öl, das sowohl etwas Süßes und etwas Erdiges in sich verbirgt, ist ein Entweder/oder-Öl. Entweder man mag es oder eben nicht. Viele Menschen lehnen es bei den ersten Begegnungen ab. Es scheint so, als ob erst "fortgeschrittene Nasen" (und Psychen?) diesen Duft zu schätzen lernen.

Cistrose1

Das Öl wirkt ganz stark antiviral und wird deshalb in Frankreich bei Kinderkrankheiten eingesetzt (Windpocken, Röteln, Keuchhusten.). Die Wirkung auf Multiple Sklerose soll auch sehr ermutigend sein (laut Dr. Daniel Pénoel). Es wirkt ausgleichend auf den Parasympatikus und hilft so bei vegetativer Dystonie.
Aufregend ist der Einsatz bei Schnittwunden: Pénoel nennt Cistrose "die aromatische Naht". Man kann fast zusehen, wie schlimme Wunden verheilen, auch bei Kindern ab 3 Jahren kann man es lokal anwenden. Ich habe es in mehreren Fällen beobachten können. Der extremste Fall war eine schlimm hergerichtete Dammschnittnaht nach einer schwierigen Entbindung, hier schien nichts Konventionelles zu helfen. Starke Schmerzmittel mussten trotz Stillen genommen werden. Bis die Mischung aus Calendula-Öl mit 10% Lavendel fein und Cistrose mehrmals täglich eingerieben wurde. Es war für die betroffene Frau ein mittleres Wunder.
Zudem ist Cistrose es ein wichtiges Öl in der Psycho-Aromatherapie, da es alte Bewusstseinsinhalte zu lösen vermag. Deshalb sollte es erst nach längerer Erfahrung mit ätherischen Ölen angewandt werden. Aber das ergibt sich ja meistens von selbst...

Dazu eine persönliche Erfahrung aus meinem ersten Jahr mit ätherischen Ölen. Ich hatte gerade gelernt, Cremes selbst herzustellen und "parfumierte" mein erstes Antifalten-Wunder -Werk mit meinem geliebten Cistrosen-Öl (damals hieß es bei Primavera noch "Ciströschen"). Stolz berichtete ich am Telefon einer Freundin, dass dieses ätherische Öl auch meine Neigung zu Stauungen im Gesicht sichtbar verbessert hätte. Im Laufe des längeren Gespräches stellte sich dann heraus, dass ich "in letzter Zeit" aber gar nicht so gut drauf gewesen war. Ich konnte es mir aber jedoch nicht erklären, lief doch alles bestens. Plötzlich fragte mich diese Freundin, die sich auch etwas mit den Öle auskannte, seit wann ich die Creme benutze. "Seit 10 Tagen etwa". "Ach, und seit 10 Tagen hängst du durch??!!!" Ich stellte einen Zusammenhang fest. Cistrose kann im Unterbewusstsein rütteln, ohne dass konkrete Inhalte hochkommen müssen.
Ähnliches ist mit mit Jasmin-Absolue passiert, aber darüber an anderer Stelle mehr.

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Bei der Destillation gibt es zwei Formen: das "unechte" Cistrosenöl entsteht bei der Destillation der Harzklümpchen und das "echte" Cistrosenöl wird aus den mit Harz gesättigten (“lackierten”) Blättern und Zweigen destilliert. Es gibt auch ein Labdanum-Absolue, wie der Hexan-Extrakt aus dem Harz heißt.

Übung | Nehmen Sie sich fünf bis 10 Minuten Zeit. Legen Sie Papier und Stift oder Ihr Aroma-Tagebuch bereit. Geben Sie einen Tropfen ätherisches Cistrosenöl auf ein Papiertaschentuch oder Ähnliches und schnuppern Sie kurz daran.

Was ist Ihre erste Assoziation? Ganz spontan sein. An was denken Sie, welche Bilder Stimmungen, Töne, Gefühle kommen? Vielleicht auch Ekel, Abscheu, Angst. Vermerken Sie es möglichst ohne Wertung. Schreiben Sie es auf. Nun schnuppern Sie etwas länger, vielleicht 20 bis 30 Sekunden, atmen Sie tief ein.

Lassen Sie eine Farbe vor Ihrem geistigen Auge entstehen, vielleicht sehen Sie auch eine Struktur oder Form. Bitte notieren oder sogar skizzieren.

Vielleicht kommt Ihnen stattdessen oder zusätzlich eine Melodie, eine Stimme, ein Geräusch in den Sinn oder Sie nehmen ein starkes körperliches Gefühl wahr. Halten Sie es in Ihren Notizen fest.

Wiederholen Sie diese Übung dreimal, jeweils einmal pro Woche.

Stellen Sie fest, ob Sie unterschiedlich reagieren. Verändert sich die Wirkung?



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