Wacholder, Juniperus communis L.

Cupressaceae, Zypressengewächse

Der Juniperus communis-Baum ist ein immergrüner kleiner Baum oder Strauch mit nadelartigen, stacheligen Blättern, die Bäume sind getrenntgeschlechtlich, die blühenden Zapfen der weiblichen Bäume werden zu grünen Beeren, die sich im 2. oder 3. Jahr blauschwarz färben und dann als reif gelten. Es gibt circa 60 Wacholderarten, medizinisch und kulinarisch werden jedoch nur die Beeren des Juniperus communis genutzt.
Im englischsprachigen Raum und bei kleineren deutschen Ätherisch-Öl-Firmen wird oft gemogelt: das Öl der „Zeder“ ist oft ein Juniperus-Öl. Als „cedar“ werden viele in Amerika beheimatete zedernartige Bäume bezeichnet, vor allem Juniperus virginana und Juniperus mexicana. Denken Sie an die Zäune und Trennelemente für den Garten, sie sind oft aus der „red cedar“, aus einem dieser beiden Wacholderbäume. Deren ätherisches Öl erinnert im Duft an den Duft des Atlaszeder-Öles, enthält aber ganz andere Inhaltsstoffe und wirkt demzufolge anders. Dann gibt es auch noch den Juniperus sabina, dessen Öl wegen des Inhaltsstoffes Sabinylacetat stark toxisch und abortiv wirkt. In frühen Zeiten der Aromatherapie wurde dieses gefährliche Öl auch schon mal als „Zedern-Öl“ verkauft; und so fiel das milde Öl der Atlas-Zeder in Frankreich unter die Verschreibungspflicht – seitdem wird oft davor gewarnt. Zudem wurde (und wird möglicherweise noch immer) Wacholderöl sehr oft mit dem billigeren Terpentinöl gestreckt, das bei nicht sachgemäßem Gebrauch gesundheitliche Probleme verursachen kann. Es wird aus Harzen von Kiefernbäumen destilliert, oft aus der Meerkiefer Pinus maritima.

Das ätherische Öl, das ausschließlich aus den Früchten hergestellt wird, hat einen höheren Gehalt am Monoterpenalkohol Terpineol-4 als das Öl aus Früchten und Zweigen, d.h. es ist milder und stärker harntreibend (und teurer).

Das ätherische Öl des „normalen“ Wacholders Juniperus communis wirkt laut Robert Tisserand (in „Essential Oil Safety“) bei normaler Anwendung nicht sonderlich nierenreizend, ganz anders als die regelmäßige Einnahme von Wacholderbeeren. Ein wasserlöslicher Inhaltsstoff, der nierenreizend und stark aquaretisch (wassertreibend) wirkt geht bei der Destillation nicht in das ätherische Öl über. Das vielmehr darin befindliche leicht aquaretisch wirksame Terpineol-4 (bis zu 10 Prozent) ist in dreifacher Menge in Teebaumöl enthalten (bis zu 35 Prozent), welches als völlig nierenverträglich gilt.
Einer der führenden Experten in der deutschsprachigen Phytotherapie, der Pharmakologe Prof. Dr. Heinz Schilcher hat 1994 die angebliche Nierentoxizität, die von Semon 1849 behauptet wurde, untersucht. Schilcher kommt zu dem Ergebnis, dass das Problem an der Verunreinigung mit Terpentin lag. Bei ätherischen Ölen mit hohem Terpineol-4-Gehalt und niedrigem Pinen-Gehalt konnte er die Unschädlichkeit von Wacholderöl hinsichtlich der Nierenfunktionen nachweisen.

Dieses frisch duftende Öl ist durch seine leicht entgiftende Eigenschaft ein wichtiger Begleiter bei entschlackenden Frühjahreskuren und in Anti-Cellulite-Massageölen; sensible Menschen spüren auch eine psychisch reinigende und schützende Wirkung. Und nochmal: Das ätherische Wacholderbeerenöl wirkt nicht abtreibend. Wenngleich es wie alle mehr oder weniger anregenden Öle nur äußerlich und bei entsprechender Indikation verwendet werden sollte.
Aus den schwarzen bitter schmeckenden Beeren wird übrigens der französische Aperitif Gin hergestellt, der seinen Namen von der Pflanze (= Genévrier oder Genièvre) hat.

Wacholder_Beere

Der Steckbrief für das ätherische Öl:

Botanischer Name: Juniperus communis (Gemeiner Wacholder)

Pflanzenfamilie: Cupressaceae (Zypressengewächse)

Verwandt mit: „Amerikanische Zeder“/Virginiawacholder, J. virginiana; Berg- oder Zwergwacholder, J. communis L. var. montana; Sadebaum, J. sabina L.; Zedernwacholder, J. oxycedrus; Thuja oder Lebensbaum, Thuja occidentalis; Zypresse, Cupressus sempervirens

Note: Kopfnote

Pflanzenteile: aus Zweigen und/oder Beeren

Art der Gewinnung: Wasserdampfdestillation von Zweigen und Beeren: Wacholder-Öl; Wasserdampfdestillation nur der Früchte: Wacholderbeeren-Öl

Ölgehalt: 50-200 kg Beeren ergeben 1 Liter

Vorkommen: In der ganzen nördlichen Hemisphäre, wächst auf kreide- und kalkhaltigen Böden, in schwedischen, koreanischen, kanadischen Wäldern, ungarischen und schottischen Bergland, Frankreich, Italien

Farbe des Öls: farblos bis gelblich oder schwach grünlich, dünnflüssig

Duft: erinnert pur an Terpentin, ist aber verdünnt und in Mischungen sehr angenehm, eher herbfrisch, holzig

Heilwirkung allgemein: antiseptisch, aquaretisch, reinigend, entgiftend, tonisierend, stimulierend, adstringierend, kräftigend (zur Rekonvaleszenz), appetitanregend, magenstärkend, schweißtreibend, karminativ, Schutz vor Infektionen

Heilwirkung geistig/seelisch: reinigt und entgiftet auch geistig/seelisch, z.B. bei Arbeit mit Menschen und Problemen, die als belastend empfunden werden, klärt die Gefühlswelt, Überdosierung kann Alpträume erzeugen

Indikationen: Im Bereich des Urogenitaltraktes, z.B. bei Blasenentzündung, Harnsteine, Harnverhaltung (bei Männern meist mit Prostatavergrößerung, hier können geringe Mengen des Öles Harndrang fördern, größere Mengen eher hemmen), spärlich oder ausbleibende Regelblutung, Hämorrhoiden, Krampfadern, Akne, Rheuma, Gicht, Arthritis, Cellulite, unterstützend bei Fastenkuren

Haut- und Haarpflege: fettige Haut, (nässende) Ekzeme, Dermatitis, bei allen langsam heilenden Hauterkrankungen, Akne, Couperose

Kontraindikationen: Da Wacholderbeeren nierenreizend wirken und daher nicht über längere Zeit und nicht in größeren Dosen eingenommen werden sollen, ging man früher sicherheitshalber mit dem ätherischen Öl ähnlich um, bei Erkrankungen der Niere wurde vom Einsatz des Öles abgeraten. Auch riet man vom Gebrauch in der Schwangerschaft ab. Tisserand und Balacs widerlegen diese Vorsichtsmaßnahmen, da Wacholder-Öl von den Inhaltsstoffen her nicht nierenreizend sein kann. Vielmehr gibt es bestimmte Stoffe in den Beeren, die zu Nierenschädigungen führen können, diese gehen jedoch nicht in das destillierte Öl über. Zudem wird auf eine frühere Verwechslung mit Juniperus sabina hingewiesen (s.o.), dessen Öl toxisch und abortiv wirken kann.Überdosierung kann bei sensiblen Menschen Benommenheit und Alpträume verursachen. Sollte nicht von Kindern angewendet werden.

Fälschung: wird oft mit Terpentin verfälscht !

Und nun zur praktischen Erfahrung mit diesem Frühlings-Öl:
Schöne entschlackende Anticellulite-Massagemischung für „Problemzonen“:

20 ml Mandel- oder Aprikosenkern-Öl
20 ml Centella-Mazerat (regeneriert den Kollagen-Stoffwechsel)
10 ml Avocado-Öl (dringt besonders gut in tiefe Hautschichten ein, macht die Haut zart)


dazu folgende ätherische Öle geben:

10 Tropfen Grapefruit
8 Tropfen Wacholderbeeren
5 Tropfen Atlas-Zeder
5 Tropfen Rosengeranie

Übung | Wenn Sie öfters Probleme damit haben, nicht rechtzeitig „NEIN“ sagen zu können, sich schlecht von den Forderungen und Problemen Ihrer Mitmenschen und Ihrer Umwelt abgrenzen können, probieren Sie mal Folgendes:geben Sie vor belastenden Situationen einen oder zwei Tropfen Wacholderbeeren-Öl pur auf Ihre Handflächen, verreiben und erwärmen Sie es mit schnellen Bewegungen, formen Sie beide Hände zu einem „Gefäß“ und atmen Sie das Öl mehrmals tief ein. Den Rest streichen Sie mit Aufwärtsbewegungen bis zu Ihren Ellenbogen auf die Unterarme. Besonders hilfreich ist diese Anwendung für Menschen in heilenden und helfenden Berufen, wenn sie sich die Sorgen der anderen zu sehr zu eigen machen. Dann machen Sie diese Übung drei Wochen lang vor Dienstantritt und beobachten Sie Ihre Wahrnehmung und Ihr Verhalten den Patienten gegenüber. Am besten ist, Sie schreiben jeden Tag ein paar Zeilen zu ihrer Befindlichkeit auf.


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