Allergien und Reizungen mit ätherischen Öle
| Hohe Qualität und die richtige Lagerung entscheiden oft über die Verträglichkeit

2005 – Neue Kennzeichnungspflicht für Kosmetika. Kosmetika, Parfüms und Waschmittel müssen seit 2005 mit den Namen von 26 angeblichen duftenden Allergenen auf den jeweiligen Etiketten (INCI) versehen werden: “Sensibilisierung durch Hautkontakt“ und „Berührung mit der Haut vermeiden“. Sobald also bestimmte Mengen an natürlichem Rosenöl, Lavendelöl oder Neroliöl in einem Produkt sind, sieht es für den ungeschulten Verbraucher so aus, als würden sich „giftige“ Chemikalien im Produkt befinden. Bei der entsprechenden Gesetzesgebung wurde kein Unterschied zwischen synthetischen und natürlichen Riechstoffen gemacht. Zwischen Januar 2003 und 31. Dezember 2004 wurde in einer ausgiebigen Studie an 21.325 Ekzempatienten jedoch festgestellt, dass nur sieben dieser Stoffe wirklich starkes Allergie-Potenzial haben. Die Politik hat diese Erkenntnisse bislang ignoriert und so sind die Hersteller immer noch gezwungen, diese 26 Duftstoffe zu deklarieren, sofern sie eine bestimmte Menge überschreiten. Dieses Gesetzeskorsett erreichte auch, dass nun seltenere und noch nicht auf ihre Verträglichkeit untersuchte Riechstoffe zur Beduftung eingesetzt wurden und dass sogar Pflanzen so gezüchtet wurden, dass sie weniger der angeblich reizenden Stoffe enthalten.

Potente Allergene
Baummoos-Extrakt
Eichenmoos-Extrakt
Farnesol
Hydroxycitronellal (synthetischer Maiglöckchenduft)
Isoeugenol
Lyral (synthetischer Maiglöckchenduft)
Zimtaldehyd

Moderate Allergene
alpha-Amyl-Zimtalkohol
Benzylcinnamat
Citral
Citronellol
Cumarin
Eugenol
Geraniol
Lilial (synthetischer Fliederduft)
Zimtalkohol

Seltene Allergene
Benzylalkohol
Linalool
Methylheptincarbonat
alpha-Amyl-Zimtaldehyd
alpha-Hexyl-Zimtaldehyd
Benzylsalicylat
gamma-Methylionon
Benzylbenzoat
Anisalkohol

Quelle: Erich Schmitt, Potenzielle Allergen. in Forum Essenzia 31 | 2007

Unruhefaktor Teebaumöl

In den letzten Jahren erschienen immer wieder Artikel in der Publikumspresse, dass ätherische Öle mehr Schaden anrichten würden als dass sie heilen würden. Insbesondere Teebaum-Öl (Melaleuca alternifolia) ist in die Schusslinie der Kritiker gekommen, da Dermatologen zunehmende Reizungen durch dieses an sich babymilde Öl behandeln mussten. Zunächst suchte man die Schuld an unreinen Ölen, die für Schleuderpreise bei Discountern angeboten werden. Denn es gibt sehr viele Arten von Melaleuca, die jedoch fast alle deutlich mehr potenziell hautreizendes 1,8-Cineol enthalten als das gut untersuchte Öl von Melaleuca alternifolia. Zudem ist der Bedarf an diesem Öl im Laufe der letzten fünfzehn Jahre so gestiegen, dass wild gepantscht und verlängert wird. Es ist zum heimlichen Heilmittel geworden, stark gefördert durch die Boulevard-Presse, die es als Wundermittel gegen jedes und alles anpreist. Deklariert ist es auf den Fläschchen der seriösen Anbieter nur als Duftstoff zur Wohnraumaromatisierung oder allenfalls zur Aromapflege. Doch wer mag schon diesen strengen Duft in der Duftlampe oder als Naturparfum? Also wird das Öl beispielsweise oft von Frauen eingesetzt, die an Vaginalinfektionen leiden, auch wunde Babypopos bekommen es oft zu spüren. Jedoch fast nirgendwo steht, dass man bei Anwendungen auf empfindlicher Haut und erst recht auf Schleimhäuten unbedingt frisches Öl verwenden muss. Denn im ätherischen öl von Melaleuca alternifolia entsteht durch Oxidationsprozesse sehr schnell (bei ungünstiger Lagerung innerhalb von wenigen Tagen) hyperämisierendes Ascaridol, welches zu extremen Reizungen führen kann. Man weiß, dass es (zumindest in isolierter Form) mit organischen Säuren reagiert. Und gerade der gesunde Vaginalbereich sollte im leicht sauren Bereich sein. Verschlimmerungen sind also vorprogrammiert. Man kann die Peroxidzahl in ätherischen Ölen, genau wie seit Jahren bereits bei fetten Ölen praktiziert, messen: Er sollte unbedingt unter 20 sein, am hautfreundlichsten verhält sich das Öl beim Wert 5 und darunter. Da das ätherische Öl von Melaleuca alternifolia so anfällig für Oxidationsprozesse ist, sollte es also immer nur nach sorgfältigen Kontrollen auf den Markt kommen und mit dem Hinweis versehen sein, dass die angebrochene Flasche nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit aufweist. Denn die ungünstige Lagerung – womöglich in offenen Fläschchen – in hellen, feuchten Badezimmern lässt die Peroxidzahl rapide ansteigen.

Quellen: I. Merfort „Kontaktallergene“ in Zeitschrift für Phytotherapie 1/2003B. Hausen & al, „Allergiepflanzen“, 1997D. Wabner in „International Journal of Aromatherapy“ Vol. 12, Nr. 3 2002

Belastete Kamillenprodukte

Bei der recht häufig zu beobachtenden “Allergie” gegen Kamillenprodukte oder Korbblütler allgemein handelt es sich, laut Expertenmeinung, fast immer um eine Reaktion auf die bei den Kamillen reichlich eingesetzten Pestizide. Auch können Pestizide in Zitrusessenzen oder im Träger-Öl reizend oder allergisierend wirken. Reaktionen mit Chemikalien in der Kleidung oder mit Synthetikfasern können in seltenen Fällen nach der Massage auftreten.

Hautreizung durch Temperatur-Steigerung. Badewannen-Freaks kennen das: Nur wenige Tropfen des Lieblings-Öles können die Haut zum unangenehmen Kribbeln bringen. Je wärmer also die haut bzw. die sie umgebende Temeperatur ist, desto eher dringen ätherische Öl in diese ein und können Reizungen verursachen. Besonders prädestiniert für diese – nicht zwangsläufig allergische – Reaktion sind ätherische Öle mit einem hohen Anteil an Monoterpenen wie alle extrahierten Zitrus-Öle (außer Bergamotte) und Nadel-Öle. Verstärkt wird dieser unangenehme Effekt noch durch Öle, die über ein Jahr alt sind.

Öle-Mischungen. Selbst hergestellte Mischungen für therapeutische Zwecke sollten im Privatbereich nicht länger als ein Jahr verwendet werden, da sich in den Öle-Mixturen neue Verbindungen bilden können (was ja in der Parfümerie durch “Lagern” erwünscht wird). Diese können mit der Zeit, wenn nicht vom Profi hergestellt und ständig überprüft, haut- oder sonstwie reizend wirken.Also immer nur für den kurzfristigen Bedarf mixen und relativ zügig aufgebrauchen.

Hintergrund

Wie bei einigen anderen nachgewiesenermaßen bestens wirksamen Naturmedikamenten (beispielsweise Johanniskraut- und Kava Kava-Präparate) geraten ätherische Öle zunehmend in die Schusslinie übereifriger Mediziner. Auch von Politikern werden immer wieder warnende Stimmen laut, dass sie eine Gefahrenquelle für den Menschen darstellten: Sie seien zu hautreizend (Teebaum), sie gefährdeten die Arbeit der Leber (Rose), sie wirkten zu schleimlösend (Eukalyptus), sie enthielten gefährliche Substanzen (Bergamotte). Es wird sogar vor krebsauslösenden Faktoren gewarnt, dabei jedoch meistens kein Unterschied zwischen synthetischen Laborprodukten und natürlichen ätherischen Ölen gemacht. Es wird dabei übersehen, dass ätherische Öle Substanzen sind, die den Menschen seit vielen Jahrtausenden in Nahrung und Körperpflege begleiten, da sie sich in den meisten Früchten und Gewürzen befinden und auch in Kräutern und Gräsern, die schon immer verzehrt wurden.

Toxikologische Tests werden zudem meistens an Tieren vorgenommen, denen man oft so genannte naturidentische ätherische Öle in völlig unnatürlichen Mengen verfüttert oder in übertriebenen Konzentrationen auf die rasierte und damit gereizte Haut aufträgt. Und das über lange Zeiträume nonstop, wie es vermutlich kein Mensch machen würde. Oder man überschüttet menschliche Zellkulturen in der Petrischale mit Duftstoffen und scheint zu vergessen, dass der Mensch nicht aus wenigen Arten von nebeneinander her lebenden Zellen besteht, sondern aus einem wunderbaren Zusammenspiel von verschiedenen Prinzipien.

Die Bemühungen eines in Aromatherapie erfahrenen deutschen Wissenschaftlers, die Unschädlichkeit von Rosenöl nach Auftragen auf die Haut von gesunden Menschen nach modernen wissenschaftlichen Kriterien zu erforschen und zu belegen, wurden wiederum als unethisch abgelehnt. Das erscheint für Laien unverständlich, da man lediglich die in Rosencremes üblichen Verdünnungen von Rosenöl auftragen wollte und dann anhand von mehrfachen Kontrollen der Blut- und Leberwerte die Unbedenklichkeit dieses alten Heilmittels nachweisen wollte.

Chemiker, die sich mit der Synthese von organischen Stoffen auskennen wissen, dass eine als naturidentisch bezeichnete Substanz meistens nur zu 93 bis 97 Prozent dem natürlichen Vorbild entspricht, sonst wäre sie viel zu aufwändig herzustellen und damit zu teuer. Doch was steckt in den verbleibenden drei bis sieben Prozent? Dieser besteht aus chlorierten Trägersubstanzen, deren Verhalten im menschlichen Körper nicht geklärt ist, die nicht für jedermann verträglich sind. Zudem werden beim Nachahmen der Natur meistens nicht die chiralen Gesetzmäßigkeiten von Duftmolekülen beachtet: Sie bestehen oft aus linksdrehenden und rechtsdrehenden Anteilen, wie man es auch vom Joghurt kennt. Die Natur verteilt diese Anteile unterschiedlich, der Chemiker gibt sie der Einfachheit halber 1:1 in seinen Duft. Doch das kann bei Langzeitanwendungen negative Folgen für die Gesundheit von Mensch und Tier haben. Was obendrein erst langsam in das Bewusstsein der Forscher dringt, ist zudem die Rolle der vielen winzigen Begleitsubstanzen, die sich neben den mengenmäßig hauptsächlich vorkommenden Molekülen in einem ätherischen Öl oder in sonstigen natürlichen Produkten befinden. Bei Vitamin C ist dieses Phänomen bereits bekannt: Naturheilkundlich orientierte Ärzte wissen, dass natürliches Vitamin C mehr ist als Ascorbinsäure aus dem Labor.

Die aktuellen in Europa geltenden Arzneibücher sind diesbezüglich noch nicht auf dem Laufenden: Im „Deutschen Arzneibuch“ (DAB) und auch im „Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) werden ein gutes Dutzend standardisierte ätherische Öle beschrieben und für therapeutische Zwecke zugelassen. Standardisiert bedeutet für Naturprodukte jedoch oft, dass sie „nachgebessert“ werden müssen, da die Natur sich nicht Jahr für Jahr auf Einheitsgeschmäcker und –gerüche einlässt. Sonnenstunden, Regenmenge, Wind, Insekten und auch der hegende und pflegende Mensch hinterlassen unterschiedliche Spuren an jeder Ernte. Diese gilt es für die Arzneibücher auszuradieren, so dass sich Apotheker auf stets gleich bleibende Qualität verlassen können und keine aufwändigen Tests vornehmen müssen. Da kein Wert auf pflanzen- und ressourcenschonende Anbau- und Produktionsverfahren gelegt wird, „scheint es, als ob in den Arzneibüchern die Welt noch in Ordnung sei und keinerlei Umweltprobleme existierten“, wie Ingeborg Stadelmann in ihrem Buch „Bewährte Aromamischungen“ schreibt.

Es ist gar erlaubt, den Apothekenkunden „Melissenöl“ zu verkaufen, das aus Cymbopogon citratus, also Citronella, destilliert wurde, es heißt dann „Oleum melissae indicae DAB“, doch welcher Kunde ist schon so fit in Latein, Geografie und Biochemie, dass er den erheblichen Unterschied zwischen den beiden Ölen erkennt? Auch ist der Verkauf von synthetischem Rosenwasser für Speisezwecke erlaubt, welches jedoch völlig andere Inhaltsstoffe aufweist als echtes Rosenhydrolat.

Das Umweltbundesamt nahm vor einiger Zeit auch offiziell Stellung zum immer mehr verbreiteten Gebrauch von Duftstoffen: Die Tendenz war eher negativ, vor allem Kinder solle man vor Riechsubstanzen schützen. Auch hier wurde nicht klar zwischen synthetischen und natürlichen Molekülen differenziert. Der bekannteste Riechforscher im deutschsprachigen Raum, Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt, entkräftete die meisten negativen Behauptungen sehr sachlich und konnte wissenschaftlich begründen, dass die ausgesprochenen Warnungen differenzierter betrachtet werden müssten und für natürliche Duftstoffe so nicht gelten. Zudem wies er darauf hin, dass gerade Kinder behutsam an natürliche Düfte geführt werden sollten, da sie sonst in der Welt der Überflutung mit Düften nicht lernen können, wie echte Dinge duften. Sie bekommen beispielsweise in den Milchmahlzeiten der großen Babynahrungskonzerne von Klein an synthetisches Vanillin aufgetischt, so dass mittlerweile tatsächlich viele Menschen enttäuscht sind, wenn sie echte Vanille riechen.