Mit der hier vorgestellten 99-jährigen Dame haben wir eine „unfreiwillige“ Doppelblindstudie gemacht! Sie weiß rein gar nichts über die ätherischen Öle, die sowohl in ihrer fußpflegenden Mischung sind und und auch in ihrer Zosterbehandlung. Auch die Pflegerinnen und ihre Töchter kennen sich nicht sonderlich mit Aromatherapie aus, wissen also nicht, was in den jeweiligten Produkten drin ist.

Nun kam die Tochter, die hier im Ort wohnt, und bestellte noch eine große Portion Fuß- und Beinsalbe, da sich die Haut der alten Mutter selbst nach Bekunden der Ärztin ungewöhnlich gut regeneriert hat. Und man habe beobachtet, dass die Seniorin zur Zeit noch aufmerksamer, wacher, interessierter an allem sei, als sie ohnehin meistens sei. Ob das an den Ölen liegen könne.

Ja, habe ich dann erklärt, das sei ein bekanntes Phänomen und es sei jammerschade, dass ätherische Öle nur schleppend in den Pflegealltag von Senioreneinrichtungen einzögen. Denn einige Forscher und Forscherinnen haben die Wirkung der Öle auf den Wachheitszustand des Gehirns bereits untersucht und auch die Behebung von Schlafstörungen wurde schon dokumentiert.

Was spricht dagegen, betagten Menschen Duftanwendungen zukommen zu lassen? Hetze? Faulheit? Falsche Sparsamkeit? Geiz? Denn an einer Abneigung gegenüber guten Düften liegt es selten, oft freuen sie sich sogar ungemein über feine Gerüche. Und wenn die Senioren entspannter, friedlicher und glücklicher sind, haben die gehetzten und sparenden Pflegenden auch viel davon. Hier einige Studien:

  • Mit dem Einreiben von verdünntem Melissenöl konnte in einer placebokontrollierten Studie an 72 Menschen mit schwerer Demenz konnte gezeigt werden, dass bei 60% der Patienten nach vier Wochen dieser Anwendung auf Gesicht und Arme eine 30-ig-%ige Verbesserung der Unruhezustände verzeichnet werden konnte [Ballard, C.G.; O’Brien, J.T.; Reichelt, K., Perry, E.K.: Aromatherapy as a safe and effective treatment for the management of agitation in severe dementia: the results of a double-blind, placebo-controlled trial with Melissa. in J Clin Psychiatry. 63/7, Juli 2002].
  • In einer kleineren placebokontrollierten Studie an dementen Senioren konnte gezeigt werden, dass 60% der Teilnehmer durch eine Raumbeduftung mit Lavendelöl deutlich weniger unruhig als zuvor waren [Holmes, Clive; Hopkins,Vivienne; Hensford, Christine; MacLaughlin, Vanessa; Wilkinson, David; Rosenvinge, Henry: Lavender oil as a treatment for agitated behaviour in severe dementia: a placebo controlled study. in International Journal of Geriatric Psychiatry 17/4 GB-West Sussex 2002].
  • Bei Senioren, die Schlaftabletten nahmen, wurde der Schlaf untersucht. Anschließend schaute man, wie sie ohne ihre vertrauten Mittelchen schliefen (schlecht!), anschließend wurden sie mit Lavendelöl verwöhnt. Sie schliefen wieder genau so gut wie mit ihren chemischen Schlafförderern. [Hardy M, Kirk-Smith M, Strech D: Replacement of drug treatment for insomnia by ambient odour. Lancet 346:701· 1995]
  • In einer Studie an acht freiwilligen Probanden – darunter einer Dame, die nicht mehr riechen konnte – wurde gezeigt, dass der Blutfluss im Gehirn nach Inhalation von 1,8-Cineol (der Haupt-Inhaltsstoff von Eukalyptus, Cajeput, Ravintsara und auch in Salbei enthalten) signifikant erhöht war, ähnlich wie sich bei Tierexperimenten zeigte, dass die Bewegungs-Zentren im Gehirn durch diesen Inhaltsstoff beeinflusst werden [Buchbauer G: Aromatherapie. in Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Spektrum Heidelberg 2003].
  • Einige ätherische Öle können die „Wachzustände“ von dementen Menschen verlängern und/oder vertiefen. Insbesondere das ätherische Öl aus Lavendelsalbei („Spanischer Salbei“) unterdrückt – durch Studien belegt – im Gehirngewebe das Enzym Acetylcholinesterase, welches bei an Demenz erkrankten PatientInnen den ohnehin nur noch spärlich gebildeten Gehirnbotenstoff Acetylcholin abbaut [Perry NS, Houghton PJ, Sampson J, Theobald AE, Hart S, Lis-Balchin M, Hoult JR, Evans P, Jenner P, Milligan S, Perry EK.: In-vitro activity of S. lavandulaefolia (Spanish sage) relevant to treatment of Alzheimer’s disease. J Pharm Pharmacol. 2001 Oct;53(10):1347-56].
  • Melissenextrakt verminderte das unruhige Umherwandern und Aufgebrachtsein von dementen PatientInnen in einer psychiatrischen Einrichtung, es verbesserte nach viermonatlicher Anwendung die kognitiven Leistungen von Alzheimer-PatientInnen [Akhondzadeh & al: Melissa officinalis extract in the treatment of patients with mild to moderate Alzheimer’s disease: a doubleblind, randomized, placebo controlled trial. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2003 July 74(7):863-866].

Wir müssen nicht erst 99 Jahre alt werden, um ab und zu Frischkräuter-Tees zu trinken. Sie wirken entsäuernd, antioxidativ und regenerierend. Meine hier abgebildete Melisse ist heute, am Frühlingsanfang, schon recht weit und lädt geradezu zum Tee ein!

PS Schaut heute mal bei Waltraud vorbei, sie hat einige Videos über Destillationen ausgegraben!

PPS Auf meinem anderen Blog habe ich heute Informationen zur psycho-aromatherapeutischen Bedeutung des feinen Frangipani-Absolue geschrieben.