Am 2. September 2026 veröffentlichte die renommierte britische Zeitung The Guardian einen bemerkenswerten Bericht über eine neue Studie zum Ausmaß von Pestizid-Vergiftungen bei Landwirten auf der ganzen Welt. Wir kennen eine langjährige Kursteilnehmerin, die (fast) immer ausgesprochen gesund lebte, sehr lebendig wirkt und dachte, sie sei rundum gesund. Bis M. Parkinson bei ihr diagnostiziert wurde. Sie sieht einen deutlichen Zusammenhang zu den Weinbergen ihrer Kindheit, wo sie viel spielte und freilich ständig diese Leckereien naschte.
Die von der Zeitung zitierte Untersuchung wurde vom Pesticide Action Network Beauftragt, wobei die Wissenschaftler auf frei zugängliche Daten aus dem Zeitraum zwischen 2006 und 2023 zurückgriffen. Die Zahlen, zu denen sie kamen, sind erschreckend: Jährlich ereignen sich zwischen 402 und 433 Millionen Fälle unbeabsichtigter, akuter Vergiftungen bei Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Setzt man dies in Relation zur weltweiten Gesamtzahl von 934 Millionen landwirtschaftlich Beschäftigten, so ist demnach fast jeder zweite Bauer – rund 46 Prozent – jedes Jahr betroffen. Regional betrachtet verzeichnet Südasien die meisten geschätzten Vergiftungsfälle, dicht gefolgt von Südostasien und Ostafrika.
Ein besonders drastisches Bild zeigt sich in Burkina Faso: Im westafrikanischen Land gaben landesweit fast 84 Prozent der Landwirte und Landarbeiter an, bereits einmal eine Vergiftung erlitten zu haben – ein weltweiter Höchstwert. Die im Fachjournal Frontiers in Public Health erschienene Studie schätzt zudem, dass Pestizide jedes Jahr etwa 11.000 Todesopfer fordern, wobei fast 60 Prozent aller Todesfälle auf Indien entfallen. Jayakumar Chelaton, der das Pesticide Action Network India leitet, sprach angesichts dieser Zahlen von einer Krise, die man nicht länger übersehen dürfe.
Forderungen der Wissenschaftler
Angesichts dieser Erkenntnisse verlangen die Studienautoren rasches politisches Handeln – unter anderem soll eine bereits existierende UN-Empfehlung endlich umgesetzt werden, die den schrittweisen Verzicht auf besonders gefährliche Pestizide vorsieht. Ironischerweise ist der weltweite Pestizid-Einsatz trotz jahrzehntelanger Warnungen keineswegs zurückgegangen, sondern hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt: 2023 wurden global 3,8 Millionen Tonnen Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Dr. Sheila Willis von Pesticide Action Network UK forderte, Landwirte müssten endlich Zugang zu ungefährlicheren Alternativen erhalten, damit sie ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familien besser schützen könnten.
Interessant ist auch, was die Studie ausdrücklich nicht erfasst hat: Weder wurden die Folgen von Pestizidkontakt für die geschätzten 84 Millionen Kinder untersucht, die weltweit in der Landwirtschaft arbeiten, noch flossen langfristige Gesundheitsschäden in die Berechnung ein, da als „akute Vergiftung“ nur kurzfristig nach dem Kontakt auftretende Beschwerden definiert wurden. Génon Jensen von der Health and Environment Alliance zeigte sich alarmiert über die schwerwiegenden gesundheitlichen Konsequenzen, die sowohl kurzfristiger als auch dauerhafter Pestizidkontakt für Landarbeiter und ganze Dorfgemeinschaften mit sich bringt.

Der Zusammenhang mit Parkinson
Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels liegt auf der wachsenden Zahl von Belegen, die einen Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und der Parkinson-Krankheit nahelegen. Hélène Nicora, Chefin von Parkinson’s Europe, sprach von „überwältigenden Beweisen“ dafür, dass es sich bei Parkinson um eine umweltbedingte Erkrankung handele – und immer mehr Studien würden den Kontakt mit Pestiziden als möglichen Auslöser bestätigen. Bei Parkinson handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, bei der bestimmte Hirnareale nach und nach geschädigt werden, was sich vor allem auf Bewegungsabläufe und Gleichgewichtssinn auswirkt. Bezeichnend ist, dass Frankreich, Deutschland und Italien Parkinson bei Landwirten inzwischen offiziell als Berufskrankheit anerkennen – ein deutliches Zeichen für die zunehmende globale Krankheitslast.
Am stärksten sind Landwirte und Feldarbeiter der Belastung ausgesetzt, wenn sie Pestizide mischen und ausbringen, aber auch der bloße Kontakt mit behandelten Pflanzen oder verschmutzter Kleidung und Ausrüstung reicht bereits aus. Der niederländische Landwirt Rendert Algra schilderte in einem Webinar von Friends of the Earth Europe, wie er seine eigene Parkinson-Diagnose auf jahrelanges Pestizidspritzen zurückführt – als ältester Sohn hatte er diese Aufgabe auf dem elterlichen Hof übernehmen müssen.
Fehlende Datengrundlagen
Obwohl diese Studie die bisher gründlichste ihrer Art darstellt, betonen die Autoren, dass die vorhandenen Daten zu Pestizidvergiftungen nach wie vor lückenhaft sind. Deshalb plädieren sie für einheitliche Überwachungs- und Meldesysteme, um künftig belastbarere und international vergleichbare Zahlen zu erhalten. Insgesamt zeichnet der Beitrag das Bild einer globalen Gesundheitskrise, die bislang zu wenig Aufmerksamkeit erhalten hat – betroffen sind vor allem ärmere Regionen in Asien und Afrika, doch über den Parkinson-Zusammenhang rückt das Thema zunehmend auch in Europa ins Blickfeld.
Aber was können wir tun? Wir können nicht nur die Landwirte unterstützen, die Alternativen zu dieses lebensfeindlichen Praktiken gefunden haben. Wir können überlegen, was wir an „Luxusdingen“ einsparen könnten, um das frei werdende Geld in hochwertigere und möglichst giftarme Nahrung investieren. Denn Morbus Parkinson ist gnadenlos, es lässt sich nicht mehr mit der Back-Taste ausknipsen. Die Folgen können verheerend sein. Ich „durfte“ mehrere Menschen mit diese neurodegenerativen Erkrankung erleben.
Insbesondere die „Dirty Dozen“, die weltweit am allerschlimmsten gespritzten Nahrungsmittel sollten wir unbedingt meiden oder wenigstens in Bio-Qualität kaufen (übrigens wie auch daraus angefertigte Produkte wie Konfitüren, Wein, Sauerkraut, Apfelsaft, Kartoffelchips etc).

