cruiseship_Spirit_of_Discovery

Verschmutzung und Verschwendung, einfach weil es möglich ist

Ich stehe zum fünften Mal im Frühjahr 2026 an meinem großen Panorama-Fenster und schaue angewidert aufs Meer: Ein zunehmendes Gefühl der Verzweiflung und auch der Verars- – -ng macht sich in mir breit. Nicht weil ich den Meerblick nicht mag. Sondern weil fast jede Woche diese Luxus-Stinker sozusagen durch meinen Vorgarten tuckern und dann von morgens um 7 bis meistens abends um 20 Uhr meinen friedlichen Blick mit Luxus-Ekel trüben.

Ich stehe da mit meiner Bambus-Zahnbürste, trage ein gebrauchtes T-Shirt aus einem Charity Shop und hatte gerade das Wasser aus meiner ausgekühlten Wärmflasche – wie immer Ressourcen-schonend – einer meiner vielen Zimmerpflanzen gegeben. Und dann sehe ich 12 Stunden lang dieses Beispiel für „Was kostet die Welt, ich hab’s doch, ich brauche nicht zu sparen – sollen sich doch die anderen Gedanken um unsere schrumpfenden Ressourcen machen!“

Überflüssig wie die Pest!

In unserer schnelllebigen Welt müssen wir Strom verbrauchen, wir müssen Plastik kaufen, wir müssen reisen, es geht nicht mehr anders. Doch diese Art des Luxus ist für mich wie die mittelalterliche Pest: unnötig, gefährlich, unglaublich rücksichtslos gegenüber dem Meer und seinen Bewohnern, ausbeuterisch was die über 500 Mitarbeitenden (u.a. Butler) anbelangt, verschwenderisch, was die Luxus-Mahlzeiten mit allzu vielen toten Tieren, die morgens-mittags-abends serviert werden, mit den tausenden von Eiern, die auf einer einigen Tour verkocht werden. Diese Art des Luxus ist auch sehr bedenklich, was den übermäßigen Verbrauch von Trinkwasser anbelangt, beispielsweise durch die ständig zu waschenden Handtücher und Bettsachen.

Vor wenigen Tagen: Das deutsche Kreuzfahrtschiff Hanseatic Nature tritt abends laut trötend die Rückreise aus der Bantry Bay an, als rolle sie durch meinen Vorgarten. Gegenüber dem heutigen Exemplar (Foto oben) ist das polargängige Modell fast ein schnuckeliges Bötchen!

Wenn die bis zu 990 Passagiere des heutigen Dampfers wenigstens Geld in das kleine Städtchen bringen würden, könnte ich (fast) damit leben. Doch die meisten Passagiere werden mit vielen Bussen (die auch an meinem Vorgarten vorbei rollen) zu angepriesenen Orten gebracht, die nicht an dieser Bucht liegen, beispielsweise zum ‚Ring of Kerry‘ (hahaha, schmunzelt es in mir, wenn die wüssten, dass es wesentlich schönere, sowie viel nähere Ausblicke und Haltestellen gibt als dort!). Für viele der teils betagten Passagiere sind die 15 Minuten zu Fuß zu den immer weniger werdenden Lädchen im Städtchen zu mühsam. Zugegeben: die Geschäftswelt dort ist nicht übermäßig einladend, genau, es fehlt an Besuchern und damit an Geld.

Vielleicht reicht der Gang zum berühmten Bantry House mit seinem wunderschönen Park (auf beiden Fotos verschwommen am Ufer zu sehen). Dort wurden in der Vergangenheit einige Rosamunde-Pilcher-Filme gedreht, dort kann reichlich lokale Geschichte eingeatmet werden, dort gibt es von der Junior-Chefin hausgebackene Scones und feinen Tee zu genießen.

Ich erinnere mich mit einem Schauern an einige besondere „Typen“ der Klientel von etlichen dieser Kreuzfahrtschiffe, denn ich war um 2010 mager bezahlter ‚tourist guide‘ für solche humpelnden, schleichenden, grantelnden Trupps. Es gab 100 € bzw 120 € pro circa 4-5 Stunden, je nachdem ob die viel zu schnell zu machende Führung durch den wunderschönen Park von Garinish Island in deutscher oder in englischer Sprache erfolgte. Ob die Butler an Bord des heutigen Stinkers auch „so viel Entlohnung“ erhalten?!

Nun bin ich so schlecht gelaunt, dass ich mich in mein selten genutztes kleines Auto setzen und im „Hinterland“ einen Spaziergang machen werde, damit ich diese grenzenlose Gedankenlosigkeit nicht weiter mit anschauen muss. Bis zum nächsten Kahn, der in wenigen Tagen hier „einrollen“ wird.

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