Vor einigen Tagen hat meine Tuberosenblüte einen Abgang gemacht (auf dem Foto die Abbildung der Packung, so wie sie hätte aussehen sollen). Nachdem meine recht stolze Tuberosenkultur vor einigen Jahren einer Horde Schnecken zum Opfer gefallen ist, hat sich die einsame Knospe, die ich am Schlafzimmerfenster hütete, aus unbekannten Gründen vorzeitig verabschiedet. Vermutlich war es der Bewohnerin Indiens schlichtweg zu kalt. Tuberosen (Polianthes tuberosa L., Amaryllidaceae) werden aus Zwiebelchen gezogen und so hoffe ich, dass die Knolle nächsten Frühling wieder zu Kräften kommt. Denn der Duft einer einzelnen Blüte ist einfach betörend und kann sogar als störend empfunden werden! Das Absolue, das daraus hergestellt wird, duftet auf den ersten Riecher nicht besonders, doch oft wird es in 5%-iger Verdünnung (in Alkohol oder Jojoba) verkauft und dann ähnelt der Duft zumindest dem der echten Blüten.

Tuberose Eliane Zimmermann
Dieses kostbare Absolue ist eines der ganz wertvollen ‚Psycho-Mittel‘ in der Aromatherapie. Ich empfehle es immer in Situationen, in denen sich jemand psychisch verausgabt hat oder sich untröstlich fühlt. Nach Trauer aber auch in psychisch belastenden Jobs wie etwa der Hospizarbeit. Interessant finde ich, dass einmal in einem Kurs, als ich über 30 meiner abgebildeten ‚Psycho-Duft-Karten‘ von den TeilnehmerInnen ziehen ließ (ohne dass sie das Motiv sehen konnten), ausgerechnet die damals sehr ausgelaugte Hospizmitarbeiterin diese Karte zog.

Das Absolue enthält Inhaltsstoffe, die einen starken Bezug zu den Neurotransmittern (Botenstoffen) unseres Gehirnes haben:

  • knapp 20% trans-Isomethyleugenol (Phenylether)
  • bis 20% aromatische Ester wie Benzylacetat (3%), Benzylbenzoat (15.3%), Methylanthranilat (2.25%) und Methylsalicylat* (2.25%)
  • circa 1.5% Methyleugenol und Eugenol
  • 0,09% Geraniol*
  • 0.3% Phenylethanol (‚Rosenalkohol‘)
  • Benzylalkohol
  • Spuren Indol*

Laut einer indischen wissenschaftlichen „Kurzmitteilung“ kann das Absolue insgesamt weniger, aber einzelne dieser Inhaltsstoffe (mit * markiert) den landwirtschaftlich relevanten Fruchtfäule-Pilzorganismus Colletotrichum gloeosporioides gut bekämpfen. Interessant ist zudem die Feststellung, dass das anteilig in wesentlich größerer Menge vorkommende Benzylbenzoat eine ganz schwache antimykotische Wirkung auswies und der eng verwandte Ester Benzylacetat sehr deutlich antimykotisch wirkt. Spannend ist ferner die Beobachtung, dass beim Vergleich der antimykotischen Aktivität vom Fäkal’duft’stoff Indol mit dem betäubend nach Neroli duftenden Methylanthranilat, dass ersterer bei einer Konzentration von 250 mg/L und mehr eine höhere diesbezügliche Aktivität zeigte als das Indol. Bei niederigeren Konzentrationen war jedoch Methylanthranilat wirksamer. [Eugene Sebastian J. Nidiry and C. S. Bujji Babu: Antifungal Activity of Tuberose Absolute and Some of its Constituents. Phytother. Res. 19, 447–449 (2005)] Spannend wäre nun festzustellen, inwieweit auch Pilze, die Menschen gefährlich werden können wie Candida, durch das Öl in Griff bekommen werden können. Da die Zusammensetzung dem Ylang Ylang-Öl nicht unähnlich ist, welches gegen Pilze eingesetzt wird, gehe ich davon aus, dass auch Tuberoseabsolue in diesem Bereich unterstützend eingesetzt werden kann. Dank an Thomas für die ‚Studie‘!