Gestern stattete ich der relativ neuen Dorf-Apotheke meinen ersten Besuch ab. Sie ist sozusagen ein winziger Tante-Emma-Laden für Gesundheit und Schönheit – das Dorf hat maximal 600 Einwohner (im Winter eher weniger).

Womit ich so ganz und gar nicht gerechnet hatte: Es gibt dort ein nicht schlechtes Sortiment an ätherischen Ölen der (in der englischsprachigen Welt) sehr bekannten Marke Tisserand (gegründet von Robert Tisserand). Ich kaufte ein Öl, das bislang in meiner umfangreichen Sammlung fehlte: Zitronen-Teebaum (lemon tea-tree, Leptospermum petersonii F.M. Bail., früher Leptospermum citratum).

Das Öl stammt aus den Blättern eines circa 4 Meter hohen und 3 Meter breiten Groß-Strauches, der in warmen Klimazonen gerne als kleiner Straßenbaum kultiviert wird. Der Duft liegt irgendwo zwischen Melisse und Citronella, eine Ahnung Rosengeranie schimmert auch noch durch. Also wunderbar zum Insekten verscheuchen, denn der Hauptinhaltsstoff ist in diesem Chemotyp laut meiner Nase Citronellal. Andere Chemotypen enthalten mehr Geranial [bis 30 Prozent] und Neral [bis 37 Prozent] (zusammen Citral genannt). Bereits 1942 wurde dieses Öl vom australischen Wissenschaftler Penfold als antibakteriell eingestuft. Inzwischen wird die Pflanze nicht nur dort sondern auch im Süden Afrikas und in Guatemala angebaut.

Aber was kann dieser enge Verwandte des Manukabaumes noch? Natürlich, wie alle aldehydreichen Öle in starker Verdünnung wirkt es beruhigend und entzündungshemmend. Insbesondere virale Erkrankungen vom Schnupfen über die Grippe und viele Kinderkrankheiten können damit begleitet werden. Herpesviren, insbesondere in Warzen, dürften das Öl gar nicht schätzen. In Australien wird es gerne in Ergänzung zu Teebaum verwendet, um die Wirkung zu verstärken und um den eher ‚medizinischen‘ Duft abzurunden.

In einer Studie von 2009 kann man nachlesen, dass dieses Öl ein spannendes Gebiet für Aspergillosen der Lunge sein könnte, insbesondere Menschen, die mit Cystischer Fibrose (Mukoviszidose) zu kämpfen haben, werden oft von diesem tückischen Pilz angegriffen. Das Öl wurde in vitro und in Tierexpirimenten (Inhalation) untersucht und für hervorragend wirksam befunden – besser als handelsübliche Medikamente, die derzeit eingesetzt werden –  zudem wirkt es nicht toxisch. [Hood JR, Burton D, WilkinsonJM, Cavanagh HMA. Antifungal activity of Leptospermum petersonii oil volatiles against Aspergillus spp. in vitro and in vivo. Oxford JournalsMedicineJournal of Antimicrobial Chemotherapy Volume6, Issue2;285-288]

PS. Für die Aroma-Anfängerinnen unter Ihnen gibt es einen sehr ausführlichen Übersichts-Artikel der bekannten Autorin und Hebamme Ingeborg Stadelmann hier zu lesen. Danke Marta für den Tipp!