Ich bin immer noch erstaunt, welche Vorlieben (und Abneigungen) meiner Nase entspringen. Beispielsweise liebe ich den Duft von frischen Rosen, insbesondere das bezaubernde Parfüm meiner derzeit blühenden Rosa ‚Albertine‘ – eine eher weniger ästhetische, dazu sehr stachelige, doch umso ausdauernd wuchernde, zudem elegant duftende Züchtung (Foto oben). Wenn es jedoch an destillierte Rosenöle geht, vergeht mir oft die Freude.

Bei der Destillation gehen aus der „Sicht“ meiner Nase die relevanten Moleküle verloren. Ich scheine sehr empfindlich auf „amputierte“ Naturprodukte zu reagieren, das fällt mir auch immer wieder bei „natürlichen“ und bio-zertifizierten Parfüms auf. Diese werden (eigentlich sehr kunstvoll) aus einzelnen natürlichen Duftmolekülen komponiert. Auf den ersten Riecher mag ich viele davon, doch ganz plötzlich stellt sich ein starkes Unwohlbefinden ein, als ziehe sich ein stark schräger Ton durch die Symphonie, als würde jemand mit Kreide an der Tafel kratzen.

Weiße oder rote Blüten

Generell mag ich vor allem die Düfte von hellen bzw weißen Blüten, ich habe keine Erklärung dafür. Dr. Kurt Schnaubelt erklärte das dahingehend, dass in weißen und dunklen/roten Blüten unterschiedliche Anteile an Schwefel- und Stickstoff-Molekülen den Duft prägen und somit unterschiedliche Bestäubungs-Insekten anlocken. Offenbar beeinflussen diese „Stinkmoleküle“ auch menschliche Nasen! In meinen aromatherapeutischen Anfängen in den achtziger Jahren hatten also Rosenöle bei mir kaum eine Chance. Ich jedenfalls ziehe schon immer Jasmin, Tuberose und Osmanthus den Düften aus dunklen Blüten vor. Umso witziger fand ich es, als ich vor einigen Jahren das ätherische Öl (bzw den CO2-Extrakt) der weißen Rosa x alba entdeckte (in Österreich und Deutschland bei Feeling, in der Schweiz von Damascena). Mit diesem Duft kommt meine Nase meistens sehr gut klar. Insbesondere in der gelungenen Duftmischung namens Herzenswärme kann ich diese alte Rose herausriechen, ich habe immer ein Reservefläschchen davon auf Lager, so sehr liebe ich diese Komposition.

:: Web-Seminar mit Christine Lamontain - Aromapraxis Eliane ZimmermannWERBUNG :: Warum wir so unterschiedlich auf Duftmoleküle reagieren können, was uns solche speziellen Vorlieben und Abneigungen über unsere Psyche verraten können, wie wir diese Erkenntnisse einsetzen können, um unsere Seelen-Gesundheit zu stärken – all das verrät uns die talentierte Christine Lamontain am 7. Juli (Donnerstag) im Duftgespräch unter dem Motto „Ich rieche – also bin ich“. Ihre begeisterte und begeisternde Art hat uns in unzähligen Seminaren inspiriert und überzeugt. Sie schilderte einige ihrer erstaunlichen Erlebnisse mit ihren KlientInnen und Kursteilnehmerinnen, sie ließ uns an ihrer unerschöpflichen Faszination der Duftkommunikation teilhaben. Sie erläuterte einige Bausteine eines Duftgespräch® , und wies unter anderem auf den erheblichen Unterschied zwischen sehr ähnliche Düften wie Vanille und Benzoe hin, einfach wenn wir die Wuchsweise, die Bestäubung und die Gewinnung der Düfte betrachten. Es wurde wieder klar, warum die Nase und damit die Psyche der schnuppernden Person unbedingt befragt und respektiert werden sollte. Denn unser Ur-Hirn, das Limbische System weiß mehr Antworten, als uns bewusst ist! Auch als Aufzeichnung auf Digistore zu erwerben.

Nun ist der Rosenmonat Juni in vollem Schwung und so kann nicht nur das Parfüm der Blume der Blumen geehrt werden, sondern auch die vielseitige Heilwirkung. Rosenöl zählt zu den hochpreisigen ätherischen Ölen, die empfindlichen Blüten werden bereits in den frühen Morgenstunden von fleißigen ErntehelferInnen mit viel Geschick von den Sträuchern „gebrochen“ und zur Destille gebracht (unterhalb der Blüte befindet sich eine „Sollbruchstelle“, dort wird die Blüte abgeknipst, also ohne Werkzeug). Eine geübte Rosenblütenpflückerin erntet an einem guten Tag bis zu 18 kg des kostbaren Naturschatzes. Rose schützt ihre Blüten mit dem ätherischen Öl vor der frühmorgendlichen Kälte. Circa 3000 – 5000 Rosenblüten werden benötigt, um einen Liter ätherisches Öl daraus zu gewinnen. Unsere Kollegin Ekaterina, die regelmäßig Rosenreisen (klick zum netten Vorschau-Video) in ihre Heimat Bulgarien organisiert(e), begleitete ein Team von Arte, sie berichtet hier über die Hintergründe (leider ist der Arte-Film nicht mehr zugänglich).

Wer einen Tropfen unverdünntes Rosenöl in seine Duftlampe gibt, sollte immer bedenken, dass sich in diesem die Duftmoleküle von circa 30 Duftrosen befinden. Wir finden es darum sehr praktisch, bereits vorverdünnte Rosenöle – wie oben verlinkt – für jede Form von Hautanwendungen einzusetzen. Meistens ist das kostbare Rosenöl in Jojobaöl (ein flüssiges Wachs) verdünnt, diese Mischung kann wegen des extrem schweren Duftes, der intensiven Wirkung, der vielseitigen Einsatzgebiete und nicht zuletzt wegen des hohen Preises so eingesetzt werden, als würde es ich um ein normales unverdünntes ätherisches Öl handeln. 1 Tropfen bereits verdünntes Rosenöl beispielsweise in einem Roll-on von 10 ml duftet sicherlich intensiver als etliche Tropfen Lavendelöl, auf diese Weise in 10 ml fettem Öl verdünnt.

Knappe, kostbare Ressourcen

Auch wenn von gewissen eher in Dollarvermehrung „geschulten“ Menschen oft geschäftsschädigend behauptet wird, dass „deutsche Öleanbieter“ ihre Öle panschen würden, begrüßen wir ausdrücklich die Verdünnung von besonders kostbaren und knappen ätherischen Ölen. Das Anbieten von einigen eindeutig deklarierten, fachmännisch verdünnten ätherischen Ölen bezeugt einen achtsamen Umgang mit knappen Ressourcen, beugt somit sinnloser Verschwendung vor. Es zeigt auch Respekt gegenüber den Menschen, die die harte Arbeit des Anbaus, der Pflege und der im Fall von Rose (und Jasmin) fast nächtlichen Ernte für uns durchführen. Nicht zuletzt wird mit solchen Verdünnungen auch dafür gesorgt, dass auch Menschen ohne satt gefüllte Geldbeutel und Kreditkarten an diesen wertvollen Gaben der Natur teilhaben können.

Im Set in unserem Shop günstiger als einzeln: Das Hydrolat der Damaszener Rose (Doris Karadar Aromacare, 100 ml), Acetum aromaticum Rose/Rosengeranie zur perfekten Haar-, Schleimhaut- und Hautpflege, Doris Karadar Aromacare) und das informative Plakat Rosen (A2)

Zur Gewinnung des Absolues werden Lösungsmittel verwendet, wie beispielsweise Hexan. Die Blüten werden mit diesem toxischen Stoff, der ähnlich wie ein Nagellackentferner wirkt, getränkt und durchdrungen, er wird anschließend durch Verdampfung entfernt. Bei dieser Gewinnungsmethode werden auch andere Inhaltsstoffe aus den Blüten als bei der Wasserdampfdestillation extrahiert, beispielsweise Farbstoffe wie Carotin-Abkömmlinge und Pflanzenwachse. Auch der duftprägende und schmerzlindernd wirksame Phenylethylalkohol befindet sich zu 74 Prozent im Rosenabsolue, darum erinnert der Duft eher an die frische Rosenblüte als das destillierte Rosenöl. Es ist also bereits an der Farbe im Fläschchen gut erkennbar: das Destillat ist fast farblos und ganz hell, die Extrakte (Absolue und CO2-Extrakte) sind gelblich, honigfarben, manchmal fast hellbraun.

In der Aromatherapie kennen und schätzen wir unterschiedliche Rohstoffe aus der Rose, jeder ist auf seine Art ein Seelen- und Körperpflaster der effektivsten Art:

  • Rosenöl (Wasserdestillation) aus Rosa x damascena, Rosa x alba, Rosa x centifolia
  • Absolue meistens aus Rosa x centifolia
  • CO2-Extrakt, am ehesten aus Rosa x alba
  • Rosenattar, Rosendestillat in Sandelholzöl
  • Rosenwasser (Rosenhydrolat) meistens aus Rosa centifolia
  • Wildrosenöl (= Hagebuttenkernöl, ein fettes Pflanzenöl aus Rosa rubiginosa oder R. canina)
  • Rosenwachs (als pflanzliche Luxusvariante zu Bienenwachs in Naturkosmetik)

Rosenöl kann als das perfekte ‚Öl der Mitte‘ bezeichnet werden: Es harmonisiert die Herzfrequenz sowohl auf der psychischen als auch auf der physischen Ebene. Kaum ein anderes Öl enthält soviel unterschiedliche Inhaltsstoffe (annähernd 500) wie das im Wasser destillierte Rosenöl. 

Perfekt als vielseitiger Helfer

Rosenöl ist in der Anwendung und in der Haltbarkeit definitiv noch vielseitiger als das „Grundausstattungsöl“ Lavendel, es kann bei absolut jedem seelischen und körperlichen Unwohlsein ausprobiert werden. Lediglich bei extrem ausgeprägten psychiatrischen Erkrankungen sollte vorsichtig getestet werden, ob nicht eine unerwünschte heftige Reaktion der Patienten erfolgt.

Das wunderbar duftende und pflegende Rosenwasser (Rosenhydrolat) ist nicht minder kostbar. Es enthält den bereits erwähnten besonderen Inhaltsstoff, den Phenylethylalkohol (=Phenylethanol). Dieser wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend, antibakteriell und antimykotisch.

Noch ein paar Fakten und Studien zum Rosenöl:

  • Natürliches destilliertes Rosenöl enthält bis zu 20 Prozent hochmolekulare Wachse (Paraffine), die bei 16 bis 18 Grad Celsius erstarren. Früher wurde das Öl einfach kurz in den Kühlschrank gestellt, wenn es wie Wackelpudding erstarrte, galt es als aus natürlicher Herkunft. Heute nutzen Fälscher diese Eigenart der Natur mit Mineralöl-Zusätzen.
  • In Deutschland wurden ab 1883 Rosen zu Destillationszwecken kultiviert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in der Parfümfirma Schimmel & Co. Nachkommen bulgarischer Rosen in der Umgebung von Leipzig angebaut und mit damals modernsten Methoden destilliert. Das ginge auch heute noch, jedoch könnte laut Auskunft des Bio-Rosenbauers Werner Ruf* nur 1 Euro pro Stunde an die Mitarbeiter gezahlt werden.
  • Auf englisch heißt destilliertes Rosenöl ROSE OTTO, vom indischen Begriff ‚Attar‘ abgeleitet.
  • Der narkotisch wirkende Stoff Phenylethanol ist nur zu einem geringen Anteil im Rosendestillat zu finden, im Absolue dagegen sind es bis zu 75 Prozent, im lipophilen Anteil eines guten Rosenhydrolates zu 50 Prozent.
  • Rosenöl ist nicht giftig (orale LD50 = 80 ml), das bedeutet, dass deutlich mehr als 480 ml reines Rosenöl getrunken werden müsste, um sich mit Rosenöl umzubringen…
  • Anhand von Rosenöl konnte belegt werden, dass es nicht egal ist, an welcher Körperstelle ätherische Öle aufgetragen werden: Beim Auftragen auf die Epidermis des Bauches, der Brust oder des Oberarmes wurde es unterschiedlich resorbiert. Bauchhaut beispielsweise nahm die Roseninhaltsstoffe α-Pinen, Limonen und β-Myrcen (Monoterpene) schlechter auf als β-Citronellol, Geraniol und Linalool (Monoterpenole); das Monoterpenketon Isomenthon, cis-Rosenoxid und das nur in Spuren vorkommende trans-Rosenoxid wiesen hingegen eine gute Penetration über die Bauchhaut auf. Eugenol konnte nicht in die Oberarmhaut eindringen. Die am besten geeignete Körperstelle für die Haut-Anwendung ätherischer Öle ist laut den Autoren der Brustbereich – perfekt, das Herz wird danken! [Schmitt S, Schäfer UF, Döbler L, Reichling J. Variation of in vitro human skin permeation of rose oil between different application sites. Forsch Komplementmed 2010; 17: 126–131]
  • In einer Doppelblind-Studie konnte gezeigt werden, dass dieser Rosenduft die emotionalen Zustände signifikant des Prämenstruellen Syndroms zu verbessern vermag, nicht so jedoch die körperlichen Beschwerden. [Heydari N, Abootalebi M, Jamalimoghadam N, Kasraeian M, Emamghoreishi M, Akbarzaded M. Evaluation of aromatherapy with essential oils of Rosa damascena for the management of premenstrual syndrome. Int J Gynaecol Obstet. 2018 Aug;142(2):156-161]
  • Rosenhydrolat wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend, antibakteriell und antimykotisch, es verhindert das wurzelartige Ausbreiten dieses Pilzes in tiefere Hautschichten. [Maruyama N, Tansho-Nagakawa S, Miyazaki C, Shimomura K, Ono Y, Abe S. Inhibition of Neutrophil Adhesion and Antimicrobial Activity by Diluted Hydrosol Prepared from Rosa damascena. Vol. 40, No. 2 Biol. Pharm. Bull. 40, 161–168 (2017) 161]