Wer noch recht neu in der Welt der Naturdüfte ist, wird oft verunsichert durch Behauptungen, dass dieser oder jener Anbieter viele gepanschte und verdünnte Öle anbieten würde. Insbesondere gut etablierte und anerkannte deutschsprachige Bio-Öleanbieter werden gerne durch diese Behauptung diffamiert. Diese unsachliche Behauptung führt sogar so manchen Menschen dazu, sich zu solchen gebetsmühlenartigen Mantras hingezogen zu fühlen und diese völlig unkritisch nachzubeten.

Ich bin auch nach über 30 Jahren täglicher und hauptberuflicher Aromatherapie froh, dass bestimmte  kostbare und damit teure ätherische Öle verdünnt angeboten werden. Rose, Melisse und Iris kaufe ich regelmäßig und am liebsten verdünnt, wenn möglich aus biologischem Anbau. Freilich muss die Verdünnung deutlich am Etikett zu erkennen sein, auch das Verdünnungsmedium muss auf Anhieb nachzulesen sein.

Verdünnen: Preis und besserer Duft

Manche seltene Kostbarkeiten wie Mimose und Frangipani schätze ich, wenn sie bereits verdünnt zu mir kommen. Viele solche Absolues (es handelt sich nicht um ätherische Öle, vielmehr um Extrakte mit Hexan) riechen in unverdünnter Form geradezu fürchterlich, oder sie enttäuschen, wenn man den Originalduft aus den Blüten erwartet). Diese fertig verdünnten Produkte kommen jedoch dem Originalduft meistens viel näher. Zudem kann unverdünnter Mimosenduft steinhart geliefert werden, es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als reichlich hochprozentigen Alkohol dazu zu geben (Wodka reicht nicht).

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Momentan blühen Mimosenbäume (Acacia dealbata) in Italien, Spanien und auch in Irland

Die Kosten bei diesen teilweise extrem kostspieligen Naturdüften wäre exorbitant, beispielsweise kostet ein einziger Milliliter des einzigartigen Iris-Destillats (95 %, insgesamt circa 30 Tropfen), destilliert aus der Wurzel der florentinischen Schwertlilie, um die 160 Euro. Mit einer angebotenen der 1-prozentigen Verdünnung (in Trinkalkohol) habe ich nicht nur einen perfekten Veilchenduft, den ich gerne als fertiges Parfüm anwende, sondern ich muss nicht so tief in meinen Geldbeutel greifen.

Kürzlich kaufte ich unverdünntes Bio-Melissenöl, nach zwei Jahrzehnten der Anwendung immer eines fertig verdünnten Öles. Ich wollte es mir einfach mal leisten, doch nun ist es mir geradezu lästig geworden. Zu viel, zu schwer, zu „unhandlich“. Denn man benötigt nachweislich sehr wenig für die antivirale Wirkung, auch für Herzrhythmus-Mischungen setze ich sehr wenig davon ein. Ich gebe also mit „Melisse 10%“ (in Jojobaöl, von Feeling) (auch von Farfalla) oder Melisse 30% (in Lavendelöl, Synergie von Primavera) nur so wenige Tropfen in meine Mischungen, als wäre es ein unverdünntes ätherisches Öl. Das ist für die Wirkung und für den Duft mehr als ausreichend.

Warum also mehr ausgeben und dadurch diese Kostbarkeit verschwenden, wenn seriöse Anbieter mir die sparsame Dosierung leicht machen! Zudem meine ich, dass die in Trägermedien (Jojoba oder Lavendel) eingebetteten Melissenöle wesentlich länger haltbar bzw hautverträglich sind. Denn mein recht neues unverdünntes Melissenöl fängt schon an, klebrig zu werden, ein zuverlässiges Indiz, dass es hautreizend wird. Das bemerkte ich inzwischen bereits bei (verdünnter) Anwendung auf meinen Lippen, es brennt leicht.

Ich bin nicht ein wirklicher Rosenöl-Fan, vermisse beim Schnuppern der Fläschchen immer die Duftanteile, die mir meine Gartenrosen spenden. Denn bei der Wasserdestillation von Rosenblütenblättern gehen entscheidende Duftmoleküle verloren oder befinden sich im Hydrolat, beispielsweise der „Rosenalkohol“ namens Phenylethanol. Wenn ich die verdünnte Variante für meine Mischungen einsetze, empfinde ich den Duft als angenehmer und ich spare Geld, da ich nicht aus Versehen überdosiere. Oder ich kaufe ein Rosenabsolue, das wegen des Extraktionsverfahrens (statt Destillation) noch einen erheblichen Anteil des schmerzlindernden „Rosenalkohols“ enthält.

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Magnolia grandiflora blüht im August und duftet betörend, das ätherische Öl wird meistens aus M. alba gewonnen.

Ein gutes Beispiel einer olfaktorisch nützlichen Verdünnung ist auch Magnolienblütenöl. Wenn ich es unverdünnt herum reiche, rümpfen viele Menschen ihre Nase. Es enthält eine stark entkrampfend und stimmungsaufhellend wirksame Verbindung der Buttersäure. Gebe ich mein Lieblingsparfüm herum, dem ich Magnolienblütenöl nur in Spuren zufüge (2-3 Tropfen der 15%-Verdünnung mit etwas Grapefruit, Myrte Anden und einem Hauch Zimt auf 30 ml Alkohol oder Jojoba), dann ernte ich erstaunt-begeisterte Gesichter, manchmal auch die großen „Haben-Will-Aber-Sofort-Augen“. Ähnlich ist es beim kostbaren Moschuskörneröl (auch Ambrette genannt), diese Pflanze ist verwandt mit der Gemüsepflanze Okra. Unverdünnt eher pfui, stark verdünnt für viele Menschen absolut hui, wenn nicht sogar hoch-erotisch!!!

Eine zeitlang gab es ätherische Öle, die aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen nicht unverdünnt in Verkehr gebracht werden durften, da sie Safrol (in manchen Zimtölen, Lorbeer, Muskat) und/oder bestimmte phenolische Verbindungen (in Fenchel, Basilikum, Thymian Thymol etc) enthalten. Da ein Öleanbieter grundsätzlich die Wahl hat, jedes seiner Öle bestimmten Kategorien zuzuordnen (Kosmetikum, Lebensmittel, Bedarfsgegenstand, freiverkäufliches Arzneimittel), muss er sich an die jeweiligen vorgeschriebenen Rahmenbedingungen halten (Gefahrenzeichen oder nicht, Haltbarkeitsangaben oder nicht etc).

Jede dieser Kategorien ist mit unterschiedlich hohen Kosten verbunden (für uns Laien teilweise unvorstellbar hohe Beträge), so dass wir manchmal ein und dasselbe Öl (also aus „demselben Fass“) beispielsweise mal als Lebensmittelzusatz und mal als Bedarfsgegenstand=Raumbeduftungsmittel kaufen können (lange Zeit hatten also Bio-Naturdüfte den gleichen gesetzlichen Status wie Auto-Duftbäumchen, WC-Sprays, duftende Petroleum-Lampenöle, dubiose ultrabillige „Aromaöle“).

Einmal sieht dann ein ätherisches Öl, das als Bedarfsgegenstand in den Verkehr gebracht wird –  aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Gefahrenzeichen – fast giftig aus und kann angeblich Lungenschäden verursachen, dasselbe Bio-Öl, das andere Zulassungs-Prüfungen durchlaufen hat, ist dann plötzlich für die Aromaküche ideal (auf dem Blog von Sabrina Herber kann anhand von Primavera-Etiketten nachgelesen werden, wie kompliziert dieses Thema ist, Mini-Anbieter halten sich oft nicht daran, nach dem Motto „Wo kein Kläger kein Richter“, seriöse Anbieter, die schnell im Fokus stehen, oder die viele Neider und Feinde haben, müssen perfekt und gesetzesgetreu deklarieren, sie beschäftigen fast immer Anwälte, die ihre Produktgruppen „wasserdicht“ machen müssen).

Inzwischen gehen immer mehr Anbieter dazu über, ätherische Öle – statt wie früher als Bedarfsgegenstände – als Kosmetikum und/oder als Lebensmittel zertifizieren zu lassen. Das kostet die Ölefirma und schlussendlich uns Endverbraucher zwar mehr Geld, doch Angehörige von Pflegeberufen pflegen ihre Schützlinge dann nicht mehr mit „Duftlampenöl“, sondern mit einem hochoffiziellem Kosmetikum, die Haftungsprobleme im institutionellen Pflegebereich sind dadurch entschärft worden. Köch/innen und Cocktail-Künster müssen inzwischen auch nicht mehr auf „Duftlampenöl“ zurückgreifen, auch sie bewegen sich nun auf gesetzlich sicherem Grund. Die Produkte sind freilich haargenau dieselben geblieben 😉

Extraktion und gleichzeitige Verdünnung

Bestimmte Naturdüfte gibt es (fast) ausschließlich in verdünnter Form: Benzoe, Tonka und Vanille, die drei Kuschel- und Trösterdüfte. Diese Rohstoffe können nicht destilliert werden, jedenfalls nicht für kommerzielle Zwecke (im Privatbereich für Kleinstmengen durchaus möglich). Es handelt sich also IMMER um alkoholische Extrakte, die je nach Anbieter unterschiedlich verdünnt sind. Manchmal sind sie eher hoch verdünnt und dünnflüssig, der Anteil an Ethanol (=Branntwein=Trinkalkohol) ist hoch, dann sind sie gut zu tropfen. Manchmal sind sie eher zähflüssig, dunkel und schwer in Mischungen aufzulösen, dann enthalten sie eher weniger Alkohol. Die meisten Benzoeextrakte eignen sich übrigens nicht für Vernebler-Geräte, sie könnten verkleben, Benzoe ist nunmal ein Harz, also eine Wundverschluss-Substanz von Bäumen. Für die Badewanne ist Benzoe auch nur bedingt geeignet, am besten mit hochprozentigem Alkohol runter verdünnen (oder stundenlang die Badewanne schrubben!).

Eliane Zimmermann AiDA Schule für Aromatherapie

Die nach Waldmeister duftenden Bohnen sind Früchte eines riesigen Urwaldbaumes, der mit unseren Bohnen und Erbsen verwandt ist

Bei Benzoe, Tonka und Vanille handelt es sich NICHT um ätherische Öle, sie enthalten keine potenziell hautreizenden Monoterpene, darum sind sie auch viel länger als solche haltbar. Sie können in Mischungen etwas höher als üblich dosiert werden, denn sie sind in den meisten Fällen recht hoch verdünnt. Jedoch immer nach der Nase gehen, nicht übertreiben! Vanille gehört inzwischen zu den gaaaanz kostbaren Naturdüften, der Kilopreis von Vanilleschoten ist von einst circa 25 Dollar auf 500 (und bis zu 600) Dollar gestiegen, Vanille ist somit teurer als Silber!

Strecken & Panschen

Rosenöl mit Geranien- und/oder Palmarosaöl zu panschen bzw zu strecken ist eine weit verbreitete Praxis von Billiganbietern, sie dürfen dann sogar noch „naturreines“ ätherisches Öl auf ihr Etikett schreiben. Das ist noch nicht mal gelogen, falls sie echte ätherische Öle zum Strecken verwendet haben. Oft wird allerdings nur deren isolierter/synthetischer Haupt-Inhaltsstoff Geraniol (und/oder Citronellol) zur Gewinnsteigerung und Täuschung eingesetzt.

„Lavendelöl“ ist bekannt dafür, dass es meistens mit dem Hauptinhaltsstoffen Linalylacetat und Linalool „aufgehübscht“ wird. In Frankreich übersteigt die Menge des produzierten „Lavendelöls“  angeblich regelmäßig die Menge der Anbauflächen für echten Lavendel. In diesem Bereich wird entweder mit Hilfe der Chemiekonzerne gestreckt oder es werden preiswertere Lavandinöle und auch Speicklavendelöle als „Echter Lavendel“ ausgegeben (oder Mischungen mit diesen). Über solche Täuschungspraktiken berichtet der überaus engagierte us-amerikanische Analytiker Dr. Robert Pappas auf seiner Website und noch regelmäßiger auf seiner Facebook-Seite. In den USA ist der Naturdüfte-Markt ungleich viel größer als im deutschsprachigen Gebiet, so dass dieser erfahrene Chemiker hervorragend dazu beiträgt, Fälscher-Firmen mittels nachprüfbarer Analysen aufzudecken und Konsument/innen vor Betrügern zu warnen.

Prof. Dr. Dietrich Wabner erzählte in seinen Vorlesungen an der TU München immer wieder von einer sehr kuriosen Praxis der Gewinnmaximierung bei Lavendelöl. Da das Hinzufügen von Linalylacetat und Linalool durch gute Analysetechniken bereits in den achtziger Jahren aufzudecken war, ging man laut Dietrich Wabner dazu über, mit kleinen Flugze