Wir Dozentinnen und auch die Anbieter von ätherischen Ölen bekommen oft interessante, lustige und manchmal auch verstörende Anfragen. Auch Vorwürfe sind nicht selten. Eines der Themen, das sich seit Corona-Zeiten als roter Frage-Faden durchzieht, ist das Thema „Welcher Alkohol desinfiziert am besten, insbesondere bei Kontamination mit Viren?„.

Bis vor der „Pandemie“ konnten wir noch unbehelligt unsere Handspray-Rezepturen mit Wodka (40-75 %) veröffentlichen, den wir seit vielen Jahren für diesen Zweck aussuchten, weil

  • Wodka ist „essbar“, er stört durch seinen Nicht-Geruch die Düfte der zugefügten ätherischen Öle nicht.
  • Das Gemisch aus 40 % Alkohol und 60 % Wasser ist für die meisten Menschen gut hautverträglich, notfalls sogar für Kinderhände (wenn andere Reinigungsmöglichkeiten partout nicht vorhanden sind, Händewaschen mit Seife oder Geschirrspülmittel, siehe weiter unten, hat immer Vorrang).
  • Zudem enthält Wodka, anders als viele andere Spirituosen, keine Fuselalkohole (siehe weiter unten).

Etikett von Sonett Flächendesinfektion

Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Plage wurde dringend empfohlen, für Hand-Hygienemittel nicht den „normalen“ Wodka (38-40 %) zu verwenden oder diesen unbedingt nochmals mit höherprozentigem Ethanol „aufzubessern“. Also den absoluten Alkoholgehalt zu erhöhen. Oder den und den wirklich hochprozentigen Wodka für Hygienezwcke zu verwenden. Als antiviral wirksam gilt ein Alkoholgehalt zwischen 62 und 80 Prozent, reiner Alkohol wird nicht gut von den Krankheitskeim-Zellen aufgenommen, was insbesondere ein Überleben der grampositiven Bakterien begünstigt, ein Anteil an Wasser macht diese „verletzlicher“ für das Lösungsmittel Alkohol.  Ein perfektes Alkohol-Wasser-Gemisch kann in jeder Apotheke erworben werden (meistens 70 Prozent). Ein seriöser Alkohol-Rechner, wie in meine sehr kompetente Kollegin Heike Käser anbietet, kann bei Umrechnen helfen, wenn beispielsweise der unten erwähnte Prima Sprit (oder andere 98%-ige Alkohole) zum Einsatz kommen sollen.

Ganz wichtig ist noch zu erwähnen, dass es NICHT ausreichend ist, „ein bisschen“ des 70%-igen Alkohohl in allerlei Rezepturen zu geben. Eine irische Land-Apotheke machte es vor, wie man es NICHT machen darf. Sie zeigten auf sozialen Medien, dass man einen hohen Anteil Aloe vera-Gel nehmen sollte, „etwas hochprozentigen Alkohol“ und einen kleinen Anteil Teebaumöl hinzu geben könne. So eine Mixtur desinfiziert nicht unbedingt stark genug, wähnt die Anwender in falscher Sicherheit und kann sie somit unnötigen Gefahren aussetzen (inzwischen wurde die Rezeptempfehlung .

Ganz extrem schulmedizinsch orientierte Zeitgenossen, die sich nicht mit ätherischen Ölen auskennen, raten von jeglichen selbst gemachten Mitteln ab (darum betone ich, dass die Herstellung und Anwendung meiner persönlichen Rezepturen – wie immer – auf eigene Verantwortung und Gefahr erfolgt).

Ich meine, fachgerecht Selbermachen – auch von Hygienemitteln – sollte weiterhin als haut- und umweltfreundliche Möglichkeit akzeptiert werden, allerdings muss man sich mit dem riesigen Dschungel von Alkohol-Arten etwas auskennen. Erstens wurden durch die exorbitanten Hamsterkäufe Desinfektionsmittel in vielen Regionen knapp – oder sie sind gar nicht mehr erhältlich. Krankenhäuser und Apotheken werden bestohlen, gewissenlose Onlinehändler bieten einzelne Fläschchen zu einfach nur unverschämten Preisen an.

Ich rede nicht von 30 Euro und auch nicht von 300 Euro, nein, mehr als 1000 Euro (siehe Foto links, 50 ml für 1.112,34 Euro, bitteschön, drückt da wirklich jemand auf die Bestelltaste?). Unsere kleine Beobachtung über Preisentwicklungen: Ende Februar hat jemand von uns das Sonett Händedesinfektionsmittel mit für 16,30 € bereits viel teurer als früher gekauft (in normalen Zeiten circa 6 € für 300 ml)… Am folgenden Tag vormittags kostete es 29.99 €… kurze Zeit später 49,99 €… Dann war es mehrere Tage ausverkauft… dann wieder für knapp 30 € erhältlich… Momentan scheint es wieder ausverkauft…

Zweitens sehe ich eine Umweltproblematik anrollen und auch sich aufbauende Verträglichkeits-Probleme. Nicht auszudenken, was diese unendlichen Massen an Toxinen und an Flüssigplastik für das Andicken vieler Produkte für unterwegs in der Umwelt und auch an den Menschen ausrichten werden. In der Presse ist zu sehen, dass Menschen in „Raumanzügen“ ganze Straßenzüge mit Virenkillern absprühen. Dabei hat fast jeder Mensch entweder zu Hause oder im Supermarkt nebenan guten Zugriff auf Alkohol, diesbezüglich sind mir noch keine Verknappungs-Tendenzen zu Ohren bzw Augen gekommen.

Aufgrund der weltweiten Rat- und Hilflosigkeit werden nun allerdings massenweise viel zu schwach wirksame Rezeptvorschläge zur Händedesinfektion veröffentlicht. In der amerikanischen Welt wird gerne mit reichlich Aloe vera-Gel gearbeitet (also die Hälfte oder gar mehr der Rezeptur besteht aus Aloe vera-Gel). Vermutlich weil die Desinfektionsmittel, die vorwiegend bekannt sind, mit Gelsubstanzen angedickt sind (Flüssigplastik!!!). Das kann jedoch nicht sinnvoll sein, denn Aloe-Gel selbst ist sehr, sehr unstabil, nicht umsonst wird es meistens nur stark konserviert angeboten. Es spricht rein gar nichts dagegen, einen Schuss Aloe vera-Gel oder ein paar Tropfen Jojobaöl oder auch Glyzerin zur Rezeptur zu geben, damit die Haut nicht all zu sehr austrocknet, solange der Alkoholgehalt (also an reinem Alkohol) über 62 Prozent liegt.

International anerkannte Rezeptur

Produkte aus einer der schönsten Apotheken Deutschlands, außen sowieso und auch innen, denn es gibt ein wunderbares Sortiment von Produkten mit ätherischen Ölen, das auch noch ästhetisch präsentiert wird (für mehr Infos aufs Foto klicken!)

Die WHO reagierte relativ schnell und veröffentlichte eine Grundrezeptur zum Selbermachen, die Einschränkungen zur Herstellung in deutschen Apotheken wurden bald gelockert, so dass diese nun auch selbst gemachte Desinfektionsmittel anbieten dürfen. Die Rezeptur (siehe Abbildung oben) enthält im fertiggestellten Produkt die sicherheitshalber geforderten 80 Prozent Alkohol:

  • Ethanol 80% (v/v)
  • Glycerol 1.45% (v/v)
  • Wasserstoffperoxid 0.125% (v/v)

Grundsätzlich kann nun jeder Mensch diese Mischung herstellen, die Rohstoffe sind (theoretisch!) in jeder Apotheke erhältlich. Die WHO empfiehlt als Alternative zum Ethanol, der teurer ist, Isopropylalkohol 99.8 %-ig (auch Isopropanol, Isopropylalkokol 2-Propanol), dieser ist womöglich auch leichter erhältlich (auch in diesem Bereich sah ich extreme Preiswucherungen). Der Unterschied in der Desinfektionskraft ist nicht statistisch relevant [Lecat P, Cropp E, McCord G, Haller NA. Ethanol-based cleanser versus isopropyl alcohol to decontaminate stethoscopes. Am J Infect Control. 2009 Apr;37(3):241-3]. In der Naturheilkunde wird Ethanol dem Isopropylalkohol für Hautanwendungen vorgezogen.

Auch eine Hand-Desinfektion mit Klosterfrau Melissengeist ist durchaus möglich, wie die Deutsche Apothekerzeitung berichtet: „Das im Klosterfrau Melissengeist enthaltene Ethanol kann aufgrund seiner Eigenschaften gegen behüllte Viren wirken. Ethanol-basierte Händedesinfektionsmittel wirken ab einem Gehalt von 62 Prozent Ethanol desinfizierend. Mit 79 Prozent erfüllt Klosterfrau Melissengeist diesen Umstand.

Darum lasst den Hamster zu Hause, kauft nur normale Mengen an den üblichen Desinfektionsmitteln und schaut ansonsten mal in eure Schnapsvorräte! Vielleicht befindet sich dort das eine oder ander Fläschchen, das ohnehin noch nie geschmeckt hat, vielleicht hat es einen hohen Alkoholgehalt und ist zuckerfrei.

Menschen, die in der DDR groß geworden sind, können getrost auf ihren zur Eierlikör-Herstellung bewährten Lauterer Prima Sprit (Ansatzspirituose 69,9 %) zurück greifen, so wie er sich in der umweltfreundlichen Glasflasche befindet, stellt er das perfekte Desinfektionsmittel dar (auch im 5-Liter-Kanister erhältlich); einfach etwas in ein Sprühfläschchen füllen – perfekt für unterwegs und um Zuhause Türklinken, Wasserhähne etc zu reinigen. Ähnliche Möglichkeiten haben die Österreicher mit ihrem 80 %igem Ansatzkorn. Luxemburg und Italien bekomme ich gelegentlich eine Flasche Neutralen Alkohol mitgebracht (Foto rechts, sowas würde ich in Irland gar nicht erst bekommen, und wenn, dass wäre es schier unbezahlbar bei unserer Alkoholsteuer!).

Brennspiritus

Ich sah auf ‚Fratzenbuch‘ eine ellenlange Diskussion mit folgender Verunsicherung zu diesem Thema, auch wurde die Frage nach Hand-Desinfektion mit diesem Alkohol an mich gerichtet. Brennspiritus ist im Wesentlichen steuerf