Wir Dozentinnen und auch die Anbieter von ätherischen Ölen bekommen derzeit interessante, lustige und manchmal auch verstörende Anfragen. Auch Vorwürfe sind nicht selten. Eines der Themen, das sich seit gut zwei Wochen als roter Frage-Faden durchzieht, ist das Thema „Welcher Alkohol desinfiziert am besten, insbesondere bei Kontamination mit Viren?„.

Bis vor Kurzem konnten wir noch unbehelligt unsere Handspray-Rezepturen mit Wodka (40-75 %) veröffentlichen, den wir seit vielen Jahren für diesen Zweck aussuchten, weil

  • Wodka ist „essbar“, er stört durch seinen Nicht-Geruch die Düfte der zugefügten ätherischen Öle nicht.
  • Das Gemisch aus 40 % Alkohol und 60 % Wasser ist für die meisten Menschen gut hautverträglich, notfalls sogar für Kinderhände (wenn andere Reinigungsmöglichkeiten partout nicht vorhanden sind, Händewaschen mit Seife oder Geschirrspülmittel, siehe weiter unten, hat immer Vorrang).
  • Zudem enthält Wodka, anders als viele andere Spirituosen, keine Fuselalkohole (siehe weiter unten).

Etikett von Sonett Flächendesinfektion

Angesichts der immer heftiger werdenden Corona-Plage wird inzwischen dringend empfohlen, für Hand-Hygienemittel nicht den „normalen“ Wodka (38-40 %) zu verwenden oder diesen unbedingt nochmals mit höherprozentigem Ethanol „aufzubessern“. Also den absoluten Alkoholgehalt zu erhöhen. Oder den und den wirklich hochprozentigen Wodka für Hygienezwcke zu verwenden. Als antiviral wirksam gilt ein Alkoholgehalt zwischen 62 und 80 Prozent, ein perfektes Alkohol-Wasser-Gemisch kann in jeder Apotheke erworben werden (meistens 70 Prozent). Ein seriöser Alkohol-Rechner, wie in meine sehr kompetente Kollegin Heike Käser anbietet, kann bei Umrechnen helfen, wenn beispielsweise der unten erwähnte Prima Sprit (oder andere 98%-ige Alkohole) zum Einsatz kommen sollen.

Ganz wichtig ist noch zu erwähnen, dass es NICHT ausreichend ist, „ein bisschen“ des 70%-igen Alkohohl in allerlei Rezepturen zu geben. Eine irische Land-Apotheke machte es vor, wie man es NICHT machen darf. Sie zeigten auf sozialen Medien, dass man einen hohen Anteil Aloe vera-Gel nehmen sollte, „etwas hochprozentigen Alkohol“ und einen kleinen Anteil Teebaumöl hinzu geben könne. So eine Mixtur desinfiziert nicht unbedingt stark genug, wähnt die Anwender in falscher Sicherheit und kann sie somit unnötigen Gefahren aussetzen (inzwischen wurde die Rezeptempfehlung .

Ganz extrem schulmedizinsch orientierte Zeitgenossen, die sich nicht mit ätherischen Ölen auskennen, raten von jeglichen selbst gemachten Mitteln ab (darum betone ich, dass die Herstellung und Anwendung meiner persönlichen Rezepturen – wie immer – auf eigene Verantwortung und Gefahr erfolgt).

Ich meine, fachgerecht Selbermachen – auch von Hygienemitteln – sollte weiterhin als haut- und umweltfreundliche Möglichkeit akzeptiert werden, allerdings muss man sich mit dem riesigen Dschungel von Alkohol-Arten etwas auskennen. Erstens wurden durch die exorbitanten Hamsterkäufe Desinfektionsmittel in vielen Regionen knapp – oder sie sind gar nicht mehr erhältlich. Krankenhäuser und Apotheken werden bestohlen, gewissenlose Onlinehändler bieten einzelne Fläschchen zu einfach nur unverschämten Preisen an.

Ich rede nicht von 30 Euro und auch nicht von 300 Euro, nein, mehr als 1000 Euro (siehe Foto links, 50 ml für 1.112,34 Euro, bitteschön, drückt da wirklich jemand auf die Bestelltaste?). Unsere kleine Beobachtung über Preisentwicklungen: Ende Februar hat jemand von uns das Sonett Händedesinfektionsmittel mit für 16,30 € bereits viel teurer als früher gekauft (in normalen Zeiten circa 6 € für 300 ml)… Am folgenden Tag vormittags kostete es 29.99 €… kurze Zeit später 49,99 €… Dann war es mehrere Tage ausverkauft… dann wieder für knapp 30 € erhältlich… Momentan scheint es wieder ausverkauft…

Zweitens sehe ich eine Umweltproblematik anrollen und auch sich aufbauende Verträglichkeits-Probleme. Nicht auszudenken, was diese unendlichen Massen an Toxinen und an Flüssigplastik für das Andicken vieler Produkte für unterwegs in der Umwelt und auch an den Menschen ausrichten werden. In der Presse ist zu sehen, dass Menschen in „Raumanzügen“ ganze Straßenzüge mit Virenkillern absprühen. Dabei hat fast jeder Mensch entweder zu Hause oder im Supermarkt nebenan guten Zugriff auf Alkohol, diesbezüglich sind mir noch keine Verknappungs-Tendenzen zu Ohren bzw Augen gekommen.

Aufgrund der weltweiten Rat- und Hilflosigkeit werden nun allerdings massenweise viel zu schwach wirksame Rezeptvorschläge zur Händedesinfektion veröffentlicht. In der amerikanischen Welt wird gerne mit reichlich Aloe vera-Gel gearbeitet (also die Hälfte oder gar mehr der Rezeptur besteht aus Aloe vera-Gel). Vermutlich weil die Desinfektionsmittel, die vorwiegend bekannt sind, mit Gelsubstanzen angedickt sind (Flüssigplastik!!!). Das kann jedoch nicht sinnvoll sein, denn Aloe-Gel selbst ist sehr, sehr unstabil, nicht umsonst wird es meistens nur stark konserviert angeboten. Es spricht rein gar nichts dagegen, einen Schuss Aloe vera-Gel oder ein paar Tropfen Jojobaöl oder auch Glyzerin zur Rezeptur zu geben, damit die Haut nicht all zu sehr austrocknet, solange der Alkoholgehalt (also an reinem Alkohol) über 62 Prozent liegt.

International anerkannte Rezeptur

Produkte aus einer der schönsten Apotheken Deutschlands, außen sowieso und auch innen, denn es gibt ein wunderbares Sortiment von Produkten mit ätherischen Ölen, das auch noch ästhetisch präsentiert wird (für mehr Infos aufs Foto klicken!)

Die WHO reagierte relativ schnell und veröffentlichte eine Grundrezeptur zum Selbermachen, die Einschränkungen zur Herstellung in deutschen Apotheken wurden bald gelockert, so dass diese nun auch selbst gemachte Desinfektionsmittel anbieten dürfen. Die Rezeptur (siehe Abbildung oben) enthält im fertiggestellten Produkt die sicherheitshalber geforderten 80 Prozent Alkohol:

  • Ethanol 80% (v/v)
  • Glycerol 1.45% (v/v)
  • Wasserstoffperoxid 0.125% (v/v)

Grundsätzlich kann nun jeder Mensch diese Mischung herstellen, die Rohstoffe sind (theoretisch!) in jeder Apotheke erhältlich. Die WHO empfiehlt als Alternative zum Ethanol, der teurer ist, Isopropylalkohol 99.8 %-ig (auch Isopropanol, Isopropylalkokol 2-Propanol), dieser ist womöglich auch leichter erhältlich (auch in diesem Bereich sah ich extreme Preiswucherungen). Der Unterschied in der Desinfektionskraft ist nicht statistisch relevant [Lecat P, Cropp E, McCord G, Haller NA. Ethanol-based cleanser versus isopropyl alcohol to decontaminate stethoscopes. Am J Infect Control. 2009 Apr;37(3):241-3]. In der Naturheilkunde wird Ethanol dem Isopropylalkohol für Hautanwendungen vorgezogen.

Auch eine Hand-Desinfektion mit Klosterfrau Melissengeist ist durchaus möglich, wie die Deutsche Apothekerzeitung berichtet: „Das im Klosterfrau Melissengeist enthaltene Ethanol kann aufgrund seiner Eigenschaften gegen behüllte Viren wirken. Ethanol-basierte Händedesinfektionsmittel wirken ab einem Gehalt von 62 Prozent Ethanol desinfizierend. Mit 79 Prozent erfüllt Klosterfrau Melissengeist diesen Umstand.

Darum lasst den Hamster zu Hause, kauft nur normale Mengen an den üblichen Desinfektionsmitteln und schaut ansonsten mal in eure Schnapsvorräte! Vielleicht befindet sich dort das eine oder ander Fläschchen, das ohnehin noch nie geschmeckt hat, vielleicht hat es einen hohen Alkoholgehalt und ist zuckerfrei.

Menschen, die in der DDR groß geworden sind, können getrost auf ihren zur Eierlikör-Herstellung bewährten Lauterer Prima Sprit (Ansatzspirituose 69,9 %) zurück greifen, so wie er sich in der umweltfreundlichen Glasflasche befindet, stellt er das perfekte Desinfektionsmittel dar (auch im 5-Liter-Kanister erhältlich); einfach etwas in ein Sprühfläschchen füllen – perfekt für unterwegs und um Zuhause Türklinken, Wasserhähne etc zu reinigen. Ähnliche Möglichkeiten haben die Österreicher mit ihrem 80 %igem Ansatzkorn. Luxemburg und Italien bekomme ich gelegentlich eine Flasche Neutralen Alkohol mitgebracht (Foto rechts, sowas würde ich in Irland gar nicht erst bekommen, und wenn, dass wäre es schier unbezahlbar bei unserer Alkoholsteuer!).

Brennspiritus

Ich sah auf ‚Fratzenbuch‘ eine ellenlange Diskussion mit folgender Verunsicherung zu diesem Thema, auch wurde die Frage nach Hand-Desinfektion mit diesem Alkohol an mich gerichtet. Brennspiritus ist im Wesentlichen steuerfreier Ethanol. Ethanol ist zwar Trinkalkohol bzw Branntwein, doch er wird zwecks Befreiung von der hohen Alkoholsteuer vergällt. Die Vergällung (so dass das Produkt  für den menschlichen Genuss ungenießbar wird) erfolgte einst durch extrem bitter schmeckende Galle von Tieren. Heutzutage hat der Hersteller von Brennspiritus, je nach dem Anwendungsbereich die Wahl aus unterschiedlichen Vergällungsmitteln:

  • Petrolether (Gemisch aus Kohlenwasserstoffen z.B. Pentan und Hexan)
  • Methylethylketon
  • Toluol
  • Cyclohexan
  • Fichtenkolophonium
  • Phthalsäurediethylester
  • Thymol
  • Diethylether
  • Aceton
  • Formaldehyd
  • Fuselöl
  • Benzin
  • Terpentinöl (und noch vieles mehr, Quelle)
  • Bio-Bergamotteöl (Farfalla)

Also muss man sich an den entsprechenden Hersteller wenden, ob das jeweilige Produkt für eine notfallmäßige Desinfektionsmaßnahme geeignet ist. Ich persönlich würde sowas nicht gerne an meine Haut lassen, ich bin jedoch extrem natur-und-bio-orientiert. Fichtenkolophonium beispielsweise ist bekannt dafür, dass es relativ leicht zu ernsthaften Allergien führen kann. Synthetisches isoliertes Thymol kann Hautreizungen auslösen, Phtalate können unsere Hormonrezeptoren blockieren, Toluol wird derzeit immer mehr aus Nagellacken verbannt, Ketone können die Leber belasten, Terpentin kann die Nieren angreifen ….

Eliane dichtet ihre Hydrolate-Destille mit Roggenmehl ab (ein Modell von Kai Möller)

Auch über den so genannten „Vorlauf“ wurde ich befragt (Hilfe, ich bin doch keine Chemikerin!). Ich kenne diesen Alkohol sehr wohl, denn nicht nur meine Schwiegereltern verwenden diesen beispielsweise um Wunden zu desinfizieren, eine durchaus übliche Praxis seit langen Zeiten, insbesondere wenn man in einer Gegend wohnt, wo tolle Obstbrände hergestellt werden. Ich zitiere der Einfachheit halber mal Wikipedia: „Als Vorlauf bezeichnet man bei der Destillation von Spirituosen das zu Beginn entstehende Destillat. Es enthält außer Alkohol verschiedene leichtflüchtige Substanzen, darunter einen hohen Anteil giftiges Methanol, Acetaldehyd und Ethylacetat, und ist für den menschlichen Genuss nicht geeignet.“

Es hängt also von der Erfahrung des Destillateurs ab und auch von der korrekten Verdünnung mit Wasser, ob man dieses hoch alkoholische Produkt zur Desinfektion verwenden mag. Grundsätzlich ist es möglich und birgt bei kurzzeitigen Anwendungen nicht die Gefahren, die durch das (einmalige) Trinken des Produktes gegeben sind. Infos zur eigenen Destillation von Alkohol bei Kai Möller von Destillatio, seine Destillen und seine beiden Bücher Die hohe Kunst des Destillierens und Tisch- und Kleindestillen wären möglicherweise eine sinnvolle Beschäftigung für die „eingesperrten“ Tage (Bestellung beim sozialen und ethischen Buchhänder Buch7: Hohe Kunst und Kleindestillen). Details zu den dabei entstehenden Alkoholen auf Gute Küche.

Nichtzuletzt gibt es für haushaltsübliche Mengen auch Weingeist/Ethanol von Ätherisch-Öl-Anbietern zu bestellen:

Farfalla

Feeling

Alkohole und Phenole in ätherischen Ölen

Es ist in den Kreisen der Kritiker, Meckerer und Besserwisser offensichtlich nicht bekannt, dass Wodka-Rezepturen mit ätherischen Ölen, je nach ätherischem Öl, das dem niedrig-prozentigen Wodka hinzugefügt wird, eine ergänzende antivirale Wirkung im Produkt erhalten können. Auch in diesem Bereich ist freilich gutes Wissen über die jeweiligen ätherischen Öle nötig: Etliche davon enthalten nachweislich antiviral wirksame Alkohole, Phenole und Aldehyde. Dazu gibt es vielversprechende Studien, freilich sind sie noch nicht an der momentanen Virus-Mutation untersucht, jedoch an anderen umhüllten Viren, also der engeren „Verwandtschaft“ des aktuellen Corona-Virus.

Das fette Lorbeeröl wird aus den kleinen olivenähnlichen Früchten des Lorbeerbaumes gepresst

Fast alle ätherische Öle enthalten eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Monoterpenalkoholen, die gut sowohl auf ihre spezifische als auch auf ihre unspezifische keimwidrige Wirkung untersucht sind, einige Beispiele:

Linalool: einwertiger tertiärer acyclischer Monoterpen-Alkohol, der in sehr vielen ätherischen Ölen vorkommt, in manchen fast ausschließlich wie Ho-Blätter/Ho-Holz (Cinnamomum camphora Ct. Linalool, immer aus Zweigen mit Blättern destilliert), Rosenholz (Aniba rosaeodora, inzwischen auch Öl aus den Zweigen erhältlich und Zanthoxylum armatum) und Linaloeholz (Bursera delpechiana), Anis-Verbene (Lippia alba) mit 60 %, Koriandersamen (Coriandrum sativum fruct) und Thymian Ct. Linalool (Thymus vulgaris Ct. Linalool) mit je circa 75 % enthalten auch einen deutlichen Anteil dieses Monoterpenols; Bezeichnung nach IUPAC 3,7-Dimethyl-1,6-octadien-3-ol, Enatiomere: Licareol [(R)-(−)-Linalool] und Coriandrol [(S)-(+)-Linalool

Geraniol und Nerol (Isomere): bis zu 95 % in Indianernessel/Monarde Ct. Geraniol (Monarda fistulosa Ct. Geraniol), 80 % in Palmarosa (Cymbopogon martini), bis zu 40 % in Thymian Ct. Geraniol (Thymus vulgaris Ct. Geraniol), bis zu 30 % in Rosengeranie (Pelargonium asperum/graveolens); Nerol circa 15 % in Zitronenbasilikum (Ocimum basilicum Ct. Linalool); acyclische Monoterpen-Allylalkohole; Bezeichnung nach IUPAC 2,6-Dimethyl-trans-2,6-octadien-8-ol und  (Z)-2,6-Dimethyl-2,6-octadien-8-ol

Citronellol: acyclischer Monoterpen-Alkohol, zwischen 15 und 40 % in Rosenölen, bis zu 22 % in Citronella (Cymbopogon nardus)/winterianus; Bezeichnung nach IUPAC 3,7-Dimethyloct-6-en-1-ol, zwei Enantiomere, Bezeichnung nach IUPAC (R)-3,7-Dimethyloct-6-en-1-ol und (S)-3,7-Dimethyloct-6-en-1-ol

Terpineol-4 (oder Terpinen-4-ol): jeweils gut 30 Prozent in Teebaum (Melaleuca alternifolia)- und Majoranöl (Origanum majorana) enthalten, 40 % im Plai-Öl (Zingiber montanum), das im englischsprachigen Raum bei Schmerzen beliebt ist; Bezeichnung nach IUPAC 1-p-Menthen-4-ol, auch 4-Carvomenthenol

Diese Terpenalkohole wirken sich übrigens grundsätzlich nicht negativ bei alkoholkranken Personen aus, im Gegenteil, sie können ohne Suchtgefahr beruhigen und zu Wohlbefinden führen. Der oben genannte Ethanol könnte jedoch, je nach Zustand eines „trockenen Alkoholikers“, durch Geruchs-Trigger durchaus zu Problemen führen, darum ist ein ausführliches Gespräch und erfahrenes Fingerspitzengefühl bei selbst gemachten Hygienemitteln nötig.

Im wissenschaftlichen „Wälzer“ von Prof. Dr. Gerhard Buchbauer und Dr. K. Husnu Can Baser befindet sich eine über 150 Seiten lange mehrteilige Tabelle zu diesem Thema, von Seite 353 bis 533, allerdings sind dies nur Tests an Bakterien, Pilzen und Hefen.

Virentests sind viel aufwändiger durchzuführen (nicht per Aromatogramm sondern mittels Plaque-Assay (Plaque-Reduktions-Test), darum sind im Bereich der ätherischen Öle die Erkenntnisse dazu noch nicht so weit verbreitet wie die unzähligen reproduzierbaren Arbeiten zu Bakterien und Pilzen, die seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts durchgeführt werden. Im an der Uni Wien immer wieder aktualisierten Aufsatz von Prof. Buchbauer „Die biologischen Wirkungen von ätherischen Ölen“, der sich in diesem Buch als ganzes Kapitel (9.1.3, erste Auflage) befindet, finden wir detaillierte Referenzen zur antiviralen Wirkung ätherischer Öle (freilich fast ohne SARS-Erkenntnisse, nur die weiter unten erwähnte Arbeit von Loizzo & al zu SARS Coronavirus ist aufgeführt).

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Zimtblätteröl enthält weniger Zimtaldehyd als Zimtrindenöl, dafür mehr Eugenol, beide zusammen bieten eine gute Breitband-Wirkung gegen die unterschiedlichsten pathogenen Keime

Noch stärker generell keimwidriger als Monoterpenole wirken Monoterpenphenole und ihre Derivate, laienhaft ausgedrückt sind sie „besonders stark desinfizierend wirksame alkoholähnliche Moleküle“. Sie sind in winzigen Spuren in vielen ätherischen Ölen enthalten, manche der Öle bestehen weitestgehend aus diesen eher aggressiven Molekülen (gegen Keime, auch zur Haut), beispielsweise:

  • Thymol
  • Carvacrol
  • Eugenol
  • Anethol und Methylchavicol (Estragol)
  • Zimtaldehyd (Cinnamal)
  • Myristicin (Methoxysafrol)
  • Vanillin (4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd)

Anders als Mono- und Sesquiterpene, die im Mevalonatstoffwechselweg der Pflanzen entstehen (Bildung von Kohlenhydrolaten), bilden Pflanzen ihre phenolischen Moleküle im Shikimisäurestoffwechselweg, wenn sie also Proteine (Eiweiße) aufbauen. In Zeiten einer früheren SARS-Epidemie wurde das hoch angepriesene Antivirus-Mittel der Pharmaindustrie (Oseltamivir, Tamiflu) aus Sternanis hergestellt: aus der Shikimisäure des Illicium-Baumes und auch aus gentechnisch veränderten Escherichia coli-Bakterien, der Herstellungsprozess nimmt allerdings mehrere Monate in Anspruch.

Laienhaft ausgedrückt sind Aldhehyde in ätherischen Ölen, wie in ihrem Namen zu erkennen ist ALdeHYDROgenatus, Alkohole, denen Wasserstoff „abhanden“ gekommen ist. Einige dieser stark duftenden Moleküle gelten als deutlich antiviral, insbesondere Citronellal (Melisse, Zitroneneukalyptus, Zitronen“teebaum“) und Zimtaldehyd/Cinnamal (Zimtrinde, Zimtblätter, Cassiazimt).

Erfahrungsgemäß wirkt die Kombination aus diversen keimwidrigen Inhaltsstoffen bei den unterschiedlichsten Krankheitskeimen. Deswegen sind naturbelassene Naturdüfte dringend zu bevorzugen, insbesondere von solchen Pflanzen, die sich gegen Einflüsse von Wetter und Feinden auseinandersetzen durften. Pflanzen aus riesigen Plantagen, verwöhnt mit diversen Wundermitteln der Agarindustrie hingegen, bilden eher eine bescheidenere Vielfalt von Molekülen auf. Sie müssen nicht „kämpfen“ und nicht besonders auf die Widrigkeiten der Natur reagieren, zudem können sie sich in gigantischen Monokulturen auch nicht mittels dieser wundersamen Signalstoffe mit Verwandten, Unterstützerpflanzen oder Insekten „unterhalten“. All dies spricht neben der momentanen ‚Weltuntergangs-Stimmung‘ für lokales Einkaufen, für die Unterstützung von kleinen inhabergeführten Geschäften und Firmen in der Umgebung (also nicht in Übersee!).

Lorbeeröl (Laurus nobilis L. fol) und Thujaöl (Thuja orientalis L) wurden immerhin mit Erfolg bei einem SARS-CoV-Stamm getestet [Loizzo MR, Saab AM, Tundis R, Statti GA, Menichini F, Lampronti I, Gambari R, Cinatl J, Doerr HW. Phytochemical analysis and in vitro antiviral activities of the essential oils of seven Lebanon species. Chem Biodivers. 2008 Mar;5(3):461-70]. Die Inhaltsstoffe von Lorbeerblätteröl – und demzufolge auch der würzige Duft – sind extrem vielfältig und auch unterschiedlich, je nach Herkunft. Die relevanten Haupt-Inhaltsstoffe sind meistens

  • beta-Ocimen, circa 24 %
  • Sabinen, bis zu 7 %
  • 1,8-Cineol (Eukalyptol), 43-54 %
  • alpha-Pinen, beta-Pinen, circa 12 %
  • Terpenylacetat, circa 10 %
  • Terpineol-4, circa 3 %
  • Linalool, circa 6 %
  • Methyleugenol, circa 1 %

Hervorragende Lorbeeröle gibt es u.a. bei folgenden Anbietern im deutschsprachigen Raum:

Farfalla

Feeling

Florentia (nur Schweiz)

Jophiel

Wadi

Primavera

Fuselalkohol

Noch ein Wort zu sehr speziellen Alkoholen: Bei einer alkoholischen Gärung können neben dem erwünschten Trinkalkohol/Ethanol auch nicht erwünschte Begleit-Alkohole wie Methanol, Propanol und Butanol entstehen. Diese Begleitstoffe, auch Fuselalkohole genannt, werden von unserer Leber in giftige Substanzen umgewandelt. Diese wirken sich negativ auf die Funktion des Herzens aus, indem sie die Blutgefäße weit stellen. Ein Kater bahnt sich an, denn das Gehirn wird nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt. In untergärigen Bieren befinden sich grundsätzlich weniger Begleitalkohole als in obergärigen Bieren. Ein Pils ist also aus dieser Sicht verträglicher als ein Weizenbier. Rotwein kann mehr dieser unerwünschten Begleitmoleküle enthalten als Weißwein und Prosecco. So gut wie keine Fuselalkohole sind in Wodka enthalten.

Übrigens ist auch Glyzerin (korrekt Glycerol) ein (dreiwertiger) Alkohol, den wir jeden Tag in Form von Salat- oder Bratölen essen… dazu jedoch gibt es heute hier keine Informationen 😉 .

Zu guter Letzt: Einen hervorragenden Artikel zum Mutmachen, zum Vertrauen ins eigene Immunsystem, hat die Professorin für Angewandte Mechanobiologie an der ETH Zürich Dr. Viola Vogel geschrieben: Mit Atemwegspflege das Infektionsrisiko senken geschrieben. Sie spricht mir aus der Seele, denn die heftigsten Desinfektionsmaßnahmen, sich ständig mit Alkohol zu „entseuchen“, sich verrückt und hysterisch machen zu lassen: Letztendlich kommt es auf ein funktionierendes Immunsystem an! Und das braucht neben achtsamer Pflege (gute Ernährung, wenig bzw balancierte Aufnahme von belastenden Substanzen etc) insbesondere eine positive Grundstimmung (ich weiß, nicht einfach in diesen Tagen).

Dazu tägliche Pflege und Schutz der „Einfalls-Tore“ für Keime, das sind unsere Körperöffnungen mit für die Krankheitsverursacher „gemütlichen“ Schleimhäuten, insbesondere Nase, Mund und Augen. Dr. Vogel erwähnt dies ausdrücklich. Auf die fett- und feuchtigkeitshaltige Pflege hatte auch ich in meinem Blog-Artikel am 27. Januar hingewiesen und die Rezeptvorschläge später nochmals wiederholt! Denn darbende, ausgetrocknete und ungepflegte Schleimhäute des Atemtraktes haben es besonders schwer, sich dem andockenden Virus zu widersetzen.

Ich hatte auch auf die wunderbaren Cystus-Pastillen hingewiesen, wenn diese sozusagen stundenlang im Mund verbleiben („Mikro-Lutschen“), dann bilden Sie eine Art feinen Film, der es dem Keim schwer macht, sich bei uns einzunisten. Falls diese auch den Hamsterkäufen zum Opfer gefallen sein sollten, gibt es sicherlich noch den Cystus-Tee. Idealerweise sollten wir diese zwei Schutz- und Abwehrmaßnahmen jedes Mal beim Verlassen des Hauses anwenden!

Wenn wir dann zurück nach Hause kommen, ist übrigens laut der Virologin Dr. Ulrike Protzer von der TU München auch das 20-sekündige Waschen der Hände mit Geschirrspülmittel sinnvoll, denn jeder Fettlöser zerstört die empfindliche Membran von Viren. Diese Form der Reinigung ist preiswert und effiziert (gerne danach Pflegemaßnahmen mit Fett vornehmen). WICHTIG: Immer daran denken, den eventuell kontaminierten Wasserhahn nicht wieder mit den frisch gewaschenen Händen zu berühren! Tricky, nicht wahr!!!?

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Foto Löwenapotheke: Dietlind Wolf