„Welche ätherischen Öle gibt es in verkapselter Form als Fertig-Medikament zu kaufen?“ so ähnlich lautet regelmäßig die interessante Anfrage auf meiner Aromapraxis-Facebook-Seite, deren (vollständigere) Beantwortung ich an meine LeserInnen weitergeben möchte. Mir sind folgende Produkte bekannt, größtenteils habe ich sie bereits selbst eingenommen.

  • Lasea (Lavendelöl) [bei Angststörungen und Schlafproblemen]
  • Carmenthin (Kümmelöl, Pfefferminzöl) [bei Reizdarm, Magen-Darm-Beschwerden]
  • Soledum [bei Sinusitis, Erkältungsbeschwerden, COPD]
  • Gelomyrtol (Myrtol=25% Limonen, 6,7% alpha-Pinen, 25% 1,8-Cineol) [bei Sinusitis, Erkältungsbeschwerden]
  • Rowachol (Mischung aus Inhaltsstoffen) [bei Gallensteinen]
  • Rowatinex (Mischung aus Inhaltsstoffen) [bei Nierensteinen]
  • Oreganokapseln [antioxidativ, antibiotikum-ähnliche Wirksweise]
  • Pranarom Kapseln [verschiedene Indikationsgebiete wie Reiseübelkeit, Halsschmerzen, von einer renommierten Ätherisch-Öl-Firma in Belgien]
  • Tavipek, Speiklavendel [bei Sinusitis, Erkältungsbeschwerden]

In der Literatur werden Kapseln mit Rosenöl (Girosital und Rosanol) genannt, diese sind meines Wissens nach nicht in Deutschland erhältlich. Ratiopharm hatte Eukalyptusöl-Erkältungskapseln auf dem Markt, es scheint sie jedoch nicht mehr zu geben. In den DM-Drogeriemärkten gibt es solche Kapseln (‚Das gesunde Plus‘). Es gibt auch etliche Kapseln, die mit (getrockneten) Ätherisch-Öl-Drogen gefüllt sind wie Thymianöl-, Ingweröl- und Weihrauchkapseln (letztere enthalten eher den entzündungshemmenden Inhaltsstoff des Weihrauches namens Boswelliasäure, diese ist NICHT im ätherischen Öl des Weihrauchs enthalten).

Nun könnte man sein hochwertiges ätherisches Öl selbst in Zellulose-Kapseln (oder Hartgelatine) abfüllen, werden einige LeserInnen einwenden. Kann man, doch diese werden von der Magensäure angegriffen, geöffnet und das darin befindliche ätherische Öl wird dann größtenteils verdaut/zerstört. Den kommerziell erhältlichen Weichgelatinekapseln kann das saure Milieu nichts anhaben, sie öffnen sich erst in der alkalischen Umgebung des Dünndarmes („dünndarmlösliche Kapseln“) und erreichen somit den Blutstrom und die anzusteuernden Organe ohne große Verluste. Es soll inzwischen solche dünndarmlöslichen Kapseln, die man fest zuschrauben kann (also nicht stecken, so dass die Magensäure nicht rein kann) zu kaufen geben, weiß jemand wo?

Wenn der/die Selbstabfüller das ätherische Öl in einem fetten Öl auflösen, erhöhen sie – soweit ich informiert bin – die Resorptionsrate. Ganz wichtig: Auch wird die Verträglichkeit für die empfindliche Schleimhaut des Verdauungstraktes verbessert. Denn das ätherische Öl wird durch diese Verdünnung sozusagen in Mikrotröpfchen zerlegt, diese stellen eine wesentlich verringerte Angriffsfläche für die empfindliche Schleimhaut des Verdauungstraktes dar.

Beim „Basteln“ ist also darauf zu achten, dass weder überdosiert wird, noch dass potenziell toxische Öle eingenommen werden. Bedenken Sie zudem, dass manche ätherische Öle ähnlich wie Antibiotika auch die „guten“ Darmbakterien zerstören können, so dass nach einer tagelangen Einnahme  beispielsweise von Oreganoöl-Kapseln, eine Darmsanierung mit Probiotika erfolgen sollte. Insbesondere eingenommene Phenole kommen gut im Verdauungstrakt an, so der Experte Dr. Jason Hawrelak. Also ist vom Experimentieren durch Menschen, die nicht gut in Aromatherapie geschult sind, dringend abzuraten.

Für alle anderen gilt: Nicht mehr als jeweils 1 Tropfen (rund 25 mg) pro Kapsel abfüllen, nicht mehr als 3 Tropfen pro Tag einnehmen und nur Öle einsetzen, die aus der Aromaküche bekannt sind (Zitrusöle, Vanille, Tonka). Thymianöl, Bohnenkrautöl, Zimtöl und Nelkenöl dürfen nur hoch verdünnt verwendet werden, idealerweise verwenden insbesondere Aroma-EinsteigerInnen ausschließlich ätherische Öle, die als Lebensmittel zertifiziert werden oder solche, die aus Demeter-Anbau-Pflanzen destilliert wurden, beispielsweise von Vegaroma.

Bitte ausschließlich ätherische Öle aus zertifiziert kontrolliert biologischem Anbau verwenden! Glauben Sie nicht Anbietern mit selbst verliehenen Siegeln, dass ihre Öle „besser als bio“ seien. Das ist gut ausgeklügelte Marketing-Prosa. Deren Öle werden im Labor auf Pestizide, Schwermetalle, auf die korrekte Zusammensetzung und vieles  mehr überprüft – das macht  JEDER seriöse Anbieter im deutschsprachigen Bereich (wenn er nicht selbst destilliert und darum weiß, was drin ist). Es gibt nur wenige Institutionen und Verbände, die solche verlässlichen Siegel unter recht strengen Bedingungen vergeben!

Ätherische Öle sind fettlöslich (lipophil), sie ziehen fettlösliche Agrargifte aus konventionellem Anbau geradezu an, als wären diese „magnetisch“. Darum MUSS heutzutage konventionell angebaute Ware gründlich untersucht werden, und ggfs unerwünschte Moleküle entfernt werden. Selbst wenn Pflanzen aus kontrolliert biologischem Anbau destilliert werden, könnten durch Niederschläge oder unsachgemäßes Abfüllen Kontaminationen stattfinden. Aus diesen Gründen ist es heute Standard, dass jede rein kommende Charge „überwacht“ werden muss. Das ist inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden, sogar bei manch einem kleinen Anbieter, wie ich mit eigenen Augen sehen durfte. Seriöse deutschsprachige Anbieter investieren einen erheblichen Teil ihres Geldes in hochqualitative Untersuchungen, dieses leider notwendige „Privileg“ ist nicht einigen „Öle-Riesen“, die Milliarden-Dollar-Umsätze machen vorbehalten.

Fest steht, dass Massenware stärker „überwacht“ werden muss, als liebevoll in „Kleinauflagen“ destillierte Pflanzen, die man selbst gepflanzt oder  geerntet hat. Ich kenne einige Destillateure, die so arbeiten, beispielsweise Franz Niederkofler von Bergila, Marco Valussi von Gadoi und Hans-Peter Lindenmann von Maienfelser Naturkosmetik.

Recht neu und wirklich innovativ, made in Österreich: Aromuli (gesprochen Arómuli). Das sind Kügelchen aus zahnfreundlichem Birkenzucker (Xylit oder Xylitol), die mit leckeren Mischungen aus ätherischen Ölen überzogen sind. Sie können zum Würzen, zum Naschen und zum Verbessern der Stimmung, Konzentration, des Schlafes etc eingesetzt werden. Bei Aromuli gibt es Infos zu den Geschmacks- und Wirkungsvarianten und die Möglichkeit, sie zu bestellen. Sie sind auch neutral, also zum Selberbeduften erhältlich. Die Namen sind sehr originell!
KAMINKUGELN – für die Wintersonne in dir
KLUGES KUGERL‘ – für den Einstein in dir
SONNENKUGELN – für das Glückskind in dir
KUSSBEREIT – für die Frische in dir
SCHLUMMERKUGELN – für die Schlafmütze in dir
HALLO SÜSSE! – für die Femme fatale in dir
HALLO SÜSSER! – für den Casanova in dir

Zum Schluss noch eine wissenschaftliche Arbeit, die den feinen Geschmack einer gut zubereiteten Duftmahlzeit untermauert: Limettenöl (und andere echte Zitrusöle) wären ideale Geschmacksstoffe (Aromen) für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel für ältere Menschen, da sie gleichzeitig ‘funktionale Eigenschaften’ aufweisen wie eine Anti-Demenz-Wirkung. [Tundis R, Loizzo MR, Bonesi M, Menichini F, Mastellone V, Colica C, Menichini F. Comparative study on the antioxidant capacity and cholinesterase inhibitory activity of Citrus aurantifolia Swingle, C. aurantium L., and C. bergamia Risso and Poit. peel essential oils. J Food Sci. 2012 Jan;77(1):H40-6.] Jedoch bitte niemals „einfach so“ mit ätherischen Ölen würzen, wenn nicht ausreichend Erfahrung damit vorhanden ist! Zwei gute Bücher liefern Anleitungen, Ideen und Rezepte, sie sind beim sozialen Buchhändler Buch 7 erhältlich: von Maria Kettenring: Duftküche sowie von Sabine Hönig & Ursula Kutschera:  Aromaküche – Gaumenfreuden mit ätherischen Ölen . Beim Buchriesen sind diese Bücher unter folgenden Links freilich auch erhältlich: Duftküche und Aromaküche – Gaumenfreuden mit ätherischen Ölen .

In diesem Artikel habe ich bereits einmal über die Einnahme von ätherischen Ölen geschrieben und meinen geliebten Smoothie-Maker vorgestellt (der inzwischen eifrig vom Sohnemann benutzt wird). In diesem Artikel  habe ich auf einer Tabelle gezeigt, dass wir in ganz vielen frischen und nicht-industriellen Lebensmitteln (hoffentlich) täglich ätherische Öle essen. Meine engagierte Kollegin Monika Volkmann kennt sich damit auch bestens aus und schreibt den Blog Aroma-Smoothie zum Thema und hat ein E-Book über Aroma-Smoothies veröffentlicht.