Orale Anwendung von ätherischen Ölen

Viele Lebensmittel enthalten mehr oder weniger beträchtliche Anteile an ätherischem Öl: die meisten Gewürzkräuter, die Gewürze, die Schalen von Zitrusfrüchten (die in vielen Ländern mit verspeist werden in Europa nur als Zitronat oder Orangeat), aber auch Tomaten, Karotten, Pastinaken, Petersilienwurzeln, Gemüsefenchel, Lauch und Zwiebeln. Viele Kohlarten sowie Rettich und Radieschen enthalten Senföle, die ähnlich zusammengesetzt sind. Die Bitterstoffe in Artischocken, Chicoree und Endivie gehören von ihrer Chemie her zu den Sesquiterpenlactonen, das sind Bestandteile von ätherischen Ölen.

Selbst die Carotinoide, also viele gelbe Farbstoffe in Gemüsen und Früchten sind mit ätherischen Ölen verwandt: Mit 40 C-Atomen zählen sie zu den Tetraterpenen, basieren also genau wie die Hauptinhaltsstoffe der meisten ätherischen Öle auf dem Isopren-Molekül, dessen Systematik der deutsche Chemiker Otto Wallach (1847-1931) entschlüsselte und dafür 1910 den Nobelpreis erhielt. Etwa 30 Prozent aller untersuchten Pflanzenarten enthalten ätherische Öle. Der Mensch benötigt ätherische Öle, um oxidative Schäden zu verringern, vermutlich auch, um wegen derer nachgewiesener antitumoraler Wirkungen die Entstehung von Tumoren zu vermeiden, sie sind also für den Erhalt der Gesundheit wichtig.

Die medizinische Verschreibung zur inneren Einnahme bleibt in Deutschland Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten. Zur Vereinfachung werden in deren Praxen Fertigpräparate, die es bereits in großer Auswahl gibt, verschrieben (z.B. Gelomyrtol Kapseln). Es gibt/gab übrigens über 2000 Präparate in Deutschland, die ätherische Öle enthalten: 566 Mittel mit Eukalyptusöl, 170 mit Rosmarinöl, 38 mit Melissenöl, 72 mit Fichtennadelöl, 79 mit Gewürznelkenöl, 51 mit Lavendelöl, 175 mit Wacholderöl, 170 mit Pfefferminzöl, nur um einige Beispiele zu nennen (Carle 1993).

Für Laien ist die perkutane Anwendung (Hautanwendung) unkomplizierter, zudem ist sie – außer bei schweren Allergien – ungefährlich und die Öle erreichen über die Blutkapillaren in der Haut alle Organe. Deshalb werden nur in Ausnahmefällen Spuren oder einzelne Tropfen eines ätherischen Öles unverdünnt eingenommen. Sinnvoll und vor allem verträglicher für die Schleimhäute des Verdauungstraktes ist die Verdünnung mit fetten Ölen.

Die Einnahme auf Würfelzucker, Milchzuckertabletten oder Xylitol-Globuli (Birkenzucker) ist in der Selbstmedikation geläufig, jedoch nicht für jedermann verträglich, da die ätherischen Öle auf diese Weise unverdünnt an die empfindlichen Schleimhäute von Mund und weiterem Verdauungstrakt gelangen. Emulgierte Öle, die in feinstverteilte Tröpfchen aufgelöst sind, werden besser vom Körper aufgenommen. Die Verträglichkeit bei verschiedenen Personen ist sehr schwer abzuschätzen.

Während zum Beispiel manche schon mal zehn Tropfen Teebaumöl auf einmal einnehmen und sich noch nicht einmal über den Geschmack beklagen, nehmen andere einen Tropfen und bekommen Durchfall. Mit einem Lösungsvermittler (z.B. Solubol) auf Rizinusölbasis kann man das ätherische Öl in wässrigen Substanzen lösen. Auch Alkohol ist zur Verdünnung geeignet. Es gibt auch leere (Gelatine-) Kapseln, in die man das ätherische Öl (z.B. 25 mg) oder besser noch die verdünnte Lösung hineingibt. Die Konzentration an ätherischen Ölen liegt hier bei 1 bis maximal 5 Prozent.

Dosierung bei Einnahme

Bei innerlicher oraler Einnahme, die nur von gut geschulten Personen bzw mit therapeutischer Überwachung nur bei Beschwerden erfolgen sollte (also nicht „einfach so“ als „Wellnessdrink“ und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum), ist die folgende Menge pro Tag nicht zu überschreiten:
• Erwachsene 75 mg (= circa 3 Tropfen, diese Menge entspricht beispielsweise einer Lasea-Kapsel)
• Heranwachsende 50 mg (= circa 2 Tropfen)
• Kleinkinder ab 3 Jahre 25 mg (= circa 1 Tropfen)
immer in einem Emulgator aufgelöst, zum Beispiel in Honig oder Sahne.

Einige monoterpenketonhaltige Öle (z.B. Echter Salbei, Ysop, Thuja) wirken bei innerer Einnahme am gefährlichsten, auch steigert sich die Toxizität mit wiederholter Einnahme, da sich bestimmte Gewebe (vor allem in der Leber) mit Inhaltsstoffen des ätherischen Öles, wie den Monoterpenketonen, anreichern können.