Orale Anwendung von ätherischen Ölen

Viele Lebensmittel enthalten mehr oder weniger beträchtliche Anteile an ätherischem Öl: die meisten Gewürzkräuter, die Gewürze, die Schalen von Zitrusfrüchten (die in vielen Ländern mit verspeist werden in Europa nur als Zitronat oder Orangeat), aber auch Tomaten, Karotten, Pastinaken, Petersilienwurzeln, Gemüsefenchel, Lauch und Zwiebeln. Viele Kohlarten sowie Rettich und Radieschen enthalten Senföle, die ähnlich zusammengesetzt sind. Die Bitterstoffe in Artischocken, Chicoree und Endivie gehören von ihrer Chemie her zu den Sesquiterpenlactonen, das sind Bestandteile von ätherischen Ölen. Selbst die Carotinoide, also viele gelbe Farbstoffe in Gemüsen und Früchten sind mit ätherischen Ölen verwandt: Mit 40 C-Atomen zählen sie zu den Tetraterpenen. Etwa 30 Prozent aller untersuchten Pflanzenarten enthalten ätherische Öle. Es gibt Stimmen, die behaupten, der Mensch können ohne ätherische Öle nicht leben, zumindest seien sie für den Erhalt der Gesundheit notwendig.

Die medizinische Verschreibung zur inneren Einnahme bleibt in Deutschland Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten. Zur Vereinfachung werden in deren Praxen Fertigpräparate, die es bereits in großer Auswahl gibt, verschrieben (z.B. Gelomyrtol Kapseln). Es gibt übrigens über 2000 Präparate in Deutschland, die ätherische Öle enthalten: 566 Mittel mit Eukalyptusöl, 170 mit Rosmarinöl, 38 mit Melissenöl, 72 mit Fichtennadelöl, 79 mit Gewürznelkenöl, 51 mit Lavendelöl, 175 mit Wacholderöl, 170 mit Pfefferminzöl, nur um einige Beispiele zu nennen (Carle 1993).

Für Laien ist die perkutane Anwendung (Hautanwendung) unkomplizierter, zudem ist sie – außer bei schweren Allergien – ungefährlich und die Öle erreichen über die Blutkapillaren in der Haut alle Organe. Deshalb werden nur in Ausnahmefällen Spuren oder einzelne Tropfen eines ätherischen Öles pur eingenommen. Sinnvoll und vor allem verträglicher für die Schleimhäute des Verdauungstraktes ist die Verdünnung mit fetten Ölen oder Honig. Die Einnahme auf Würfelzucker oder Milchzuckertabletten ist in der Selbstmedikation geläufig, jedoch nicht für jedermann verträglich, da die ätherischen Öle auf diese Weise unverdünnt an die Schleimhäute gelangen. Emulgierte Öle, die in feinstverteilte Tröpfchen aufgelöst sind, werden besser vom Körper aufgenommen. Die Verträglichkeit bei verschiedenen Personen ist sehr schwer abzuschätzen. Während zum Beispiel manche schon mal zehn Tropfen Tea Tree auf einmal einnehmen und sich noch nicht einmal über den Geschmack beklagen, nehmen andere einen Tropfen und bekommen Durchfall. Mit einem Lösungsvermittler (z.B. LV 41 oder Solubol) auf Rizinusölbasis kann man das ätherische Öl in wässrigen Substanzen lösen. Auch Alkohol ist zur Verdünnung geeignet. Gelegentlich findet man leere (Gelatine-) Kapseln, in die man das ätherische Öl (z.B. 25 mg) oder besser noch die verdünnte Lösung hineingibt. Die Konzentration an ätherischen Ölen liegt hier bei 1 bis maximal 5 Prozent.

Dosierung bei innerlicher Einnahme

Bei innerlicher oraler Einnahme, die ohne therapeutische Überwachung nur in Ausnahmefällen erfolgen sollte, ist die folgende Menge pro Tag nicht zu überschreiten:
• Erwachsene 75 mg (= 3 Tropfen)
• Heranwachsende 50 mg (= 2 Tropfen)
• Kleinkinder ab 3 Jahre 25 mg (1 Tropfen)
immer in einem Emulgator aufgelöst, zum Beispiel in Honig oder Sahne.

Monoterpenketonhaltige Öle (z.B. Echter Salbei, Ysop, Thuja) wirken bei innerer Einnahme am gefährlichsten, auch steigert sich die Toxizität mit wiederholter Einnahme, da sich bestimmte Gewebe (vor allem in der Leber) mit Inhaltsstoffen des ätherischen Öles, wie den Monoterpenketonen, anreichern können.