Die momentane Stimmung ist stark von Angst und Niedergeschlagenheit geprägt. Angst wirkt leider ansteckend, das ist ein uralter Mechanismus zur Erhaltung der jeweiligen Spezies. Wenn das „Obertier“ Angstreaktionen zeigt, rennen die rangniederen Tiere sozusagen hinterher. Wenn eine Person einen Einkaufswagen voller Toilettenpapier und Nudel einkauft, signalisiert uns dieses Verhalten Ähnliches.

Inzwischen ist bei vielen Menschen der Stress-Pegel vermutlich enorm gestiegen, denn sie sind auf engstem Raum regelrecht eingesperrt, die Polizei patroulliert. Es wird gepetzt und denunziert, wenn jemand gesichtet wird, der sich nicht an die neuen Vorschriften hält. Existenzen sind bedroht, Kinder drehen durch, Eltern sind überfordert, die Luft wird eng. Wer hätte an Silvester gedacht, dass die Welt, wie wir sie kannten, so schnell und auf so kaum nachvollziehbare Weise zum Stillstand kommen würde! Die Situation macht uns geradezu fassungslos.

Wenn wir dann noch am Rande verlogene Fake News zur Kenntnis nehmen müssen (zB Foto mit massenweise Särgen angeblicher Corona-Toten, dabei zeigt das Bild die Opfer des großen Bootsunglückes vor Lampedusa, als dort 2013 über 350 Menschen starben), dann packt einen auch durchaus die Wut. Dazu dürfen wir dann auch von Leuten lesen, die sich nun eine goldene Nase an der Not verdienen (vom kleinen Mundschutz-Dealer bis zu gewissen weltweit tätigen Konzernen), da bleibt einem schier die Luft weg!

Heute meldet Spiegel Online den nächsten Schritt des ‚Lockdowns‘: „Klarstellung aus dem Kanzleramt: Deutscher Lockdown dauert mindestens bis 20. April“. Ich kann mit lebhaft vorstellen, dass es in den Köpfen von unzähligen Menschen dunkel und dunkler wird. Obwohl der Frühling naht, die Vögel wieder zwitschern und morgen die Uhr mal wieder auf die ungeliebte Sommerzeit umgestellt werden muss. Der Frühling, die vertraute Außenwelt bleibt uns weiterhin verwehrt.

Ich bin nun seit Mitternacht auch im Netz der Ausgangsperre gefangen, trotz massig Projekten im Garten und zahlreichen Wänden, die mit Farbe zu verschönern sind, fühlte ich mich stundenweise wie gelähmt. Ich male mir besser nicht aus, wie es mir ohne meine zuverlässigen Stimmungsaufheller gehen würde, die mich seit der freiwilligen Selbst-Isolation ab dem 7. März (seitdem war ich in keinem einzigen Geschäft mehr) vielfach täglich begleiten und unterstützen. Mein absolut allerliebstes Bio-Bergamotteöl von der lieben Doris Karadar (Bioparadies Eppan) fiel mir bereits vor zwei Wochen buchstäblich vor die Füße, einfach weil es vom Regalbrett rutschte. Ich habe mir daraus eine GRUNDMISCHUNG hergestellt:

Wenn mir Bergamotteöl zu viel wird, verwende ich fast genau so gerne Bergamottminze (Feeling, Farfalla) dieses Öl ist sehr ähnlich zusammen gesetzt. Lavendelöl würde aufgrund seiner vergleichbaren Zusammensetzung auch passen, ich bin jedoch nicht so ein großer Fan davon. Wenn das Öl der Indianernessel, das wunderbar rosig duftet, nicht erhältlich ist, können genauso gut Rosengeranienöl oder Palmarosaöl verwendet werden. Die Nase entscheidet!!!

Diese Grundmischung setze ich im Inhalierstift (Evelyn Deutsch Glas, Evelyn Deutsch Kunststoff, Feeling Glas, Feeling Kunststoff) zum Schnuppern ein, ich gebe sie mit etwas Neutralseife (Feeling, Farfalla) ins Badewasser und mische 2-3 Tropfen in einen Esslöffel meiner neutralen Körperlotion (4 Tropfen auf 10 ml Jojobaöl ginge genau so gut). Die Hydrolate aus Orangenblüten und Basilikum nehme ich teelöffelweise ein, vorzugsweise abends. Um mich herum versprühe ich mehrfach am Tag meine zwei liebsten vanilligen Raumsprays, es darf immer etwas davon auf meinen Schal oder Rollkragen, ich empfinde ihre süßen Kuscheldüfte als tröstlich in dieser momentan doch ziemlich ausweglos erscheinenden Situation:

Alle diese Maßnahme müssen mehrmals am Tag erfolgen, um eine spürbare Wirkung zu entfalten, idealerweise 4 Mal am Tag, so dass ein konstanter „Fluss“ an stimmungsaufhellenden Duftmolekülen im Blut unterwegs ist und unsere traurigen Neuronen versorgen kann. Nun sind die genannten Naturdüfte MEINE Favoriten, die meine Nase als momentan für total richtig und hilfreich empfindet.

Frag doch mal die Wissenschaft.

So dachte ich mir: Frag doch mal die Wissenschaft. Ich durchforstete also mein Fachbuch ‚Aromatherapie für Pflege und Heilberufe‚, indem ich die Begriffe ‚Angst‚ und ‚anxiolytisch‚ eingab. Viele Studien rund um Ängste bestätigen mir, dass meine Nase ein guter Ratgeber ist!

Ätherische Öle, mit Monoterpenolen und Monoterpenestern als wesentliche Inhaltsstoffe, sind aus der Psycho-Aromatherapie nicht wegzudenken: Sie wirken anxiolytisch, spasmolytisch und leicht sedativ. Bestens und in zahlreichen klinischen Studien (mit und am Menschen) erforscht sind die Hauptinhaltsstoffe Linalool und Linalylacetat, sie wirken krampflösend und stimmungsaufhellendend, sie kommen meistens als Paar in erheblicher Menge vor, beispielsweise sind sie enthalten in

  • Lavendelöl, Lavandula angustifolia: 30 % Linalool, 35 % Linalylacetat
  • Lavandin Super, Lavandula x intermedia Super: 37 % Linalool, bis 44 % Linalylacetat
  • Bergamotte, Citrus x bergamia: 12 % Linalool, bis 40 % Linalylacetat
  • Bergamottminze, Citrus bergamia: bis 55 % Linalool, bis 63 % Linalylacetat
  • Neroli, Citrus aurantium flos: 54 % Linalool, 3 % Linalylacetat
  • Petit Grain, Citrus aurantium fol: 25 % Linalool, 40 % Linalylacetat
  • Muskatellersalbei, Salvia sclarea: 12 % Linalool, bis 74 % Linalylacetat
  • Skimmie (Blätter), Skimmia laureola: 8 % Linalool, 56 % Linalylacetat {diesen Duft kennen alle, die mit mir auf Garinish Island waren, der Strauch blüht momentan, die Blüten duften extrem intensiv nach Maiglöckchen}

Ihre das Nervensystem beeinflussende Wirkung wurde an der Universität Wien in vielen Versuchen sowohl an Mäusen als auch am Rattenduodenum studiert. Zudem zeigt Linalool zentral dämpfende Effekte und verlängert die narkotische Wirkung von Barbituraten (Schlaf- und Beruhigungsmittel). Linalool wirkt auch antikonvulsiv (krampfminderd), vermutlich durch eine Steigerung der GABAergen Aktivität, und reduziert signifikant die durch Kaliumionen stimulierte Freisetzung von Glutamat [71], [286] {damit es hier nicht noch unübersichtlicher mit ewigen Studiennamen wird, nenne ich in diesem Artikel nur die Zahlen, diese sind am Ende meines Fachbuches vollständig nachzulesen, neuere Studien zitiere ich mit vollständigem Namen}.

Von Estern und wundersamen Säuren

Je länger die Kohlenstoffkette der esterbildenden Säure ist, desto spasmolytischer wirkt laut DR. Kurt Schnaubelt das entsprechende ätherische Öl. Ameisensäure ist beispielsweise mit 1 C-Atom bestückt, ihre Ester (Formiate, z. B. Citronellylformiat im Öl von Pelargonium × graveolens) verhelfen dem Öl zu einer leicht spasmolytischen Wirkung. Essigsäure besteht aus 2 C-Atomen, ihre Ester (Acetate) wirken sowohl spasmolytisch auf den Verdauungstrakt als auch sedativ auf das Nervensystem. Geranylacetat in Cananga odorata (Ylang Ylang) ist ein Beispiel für diese Wirkung.

Die Ester der Buttersäure mit ihren 4 C-Atomen tragen zur stark stark beruhigenden und angstlösenden Wirkung des Kamille-römisch-Öles bei. Die Ester der Anthranilsäure mit ihren 7 C-Atomen, die als Besonderheit auch noch ein Stickstoffatom enthalten, machen Mandarinenöl, Mandarinenblätteröl und generell viele Zitrusöle zu ungewöhnlich psychisch beruhigend wirksamen Mitteln. Wer behauptet, dass Zitronenöl stark anregend wirkt, liegt aus Sicht der Wissenschaft übrigens nicht richtig. Es wirkt sozusagen erfrischend-beruhigend oder auch: entspannend-klärend.

Übersichts-Studien und individuell angepasste Anwendungen

Eine recht neue Übersichts-Arbeit über die angstlösende Wirkung von ätherischen Ölen (in prä-klinischen und klinischen Studien) ist nachzulesen bei: Zhang N, Yao L. Anxiolytic Effect of Essential Oils and Their Constituents: A Review. J Agric Food Chem. 2019 Dec 18;67(50):13790-13808

Eine andere Übersichts-Arbeit von 2011 über die anxiolytischen Effekte von Aromapflege bei Menschen mit Angstsymptomen durchleuchtete 16 randomisierte und kontrollierte Experimente von 1990–2010: Die meisten dieser Studien zeigten positive Effekte der Aromatherapie (meistens Streichungen oder Massagen) bei Menschen mit Symptomen von Angst. Es wurden keine unerwünschten negativen Begleiterscheinungen beobachtet [360].

Individuell angepasste ätherische Öle wurden in einer Pilotstudie mit 30 Familienmitgliedern, die unheilbar kranke Familienangehörige betreuten, ausgesucht. Die Hälfte der Probanden erhielt keine Behandlung, die anderen 15 Personen erhielten während 3 Tagen jeweils 2-mal täglich 5 Minuten Handmassage. Die Angstwerte der Duftgruppe gingen signifikant zurück [499].

Im Folgenden liste ich jeweils einige Studien zu anxiolytisch wirksamen ätherischen Öle auf:

  • Bergamotte, Citrus × bergamia
  • Orangenschale, Orangenblüte (Neroli), Citrus × aurantium fol. & flos
  • Kamille, römisch, Chamaemelum nobile
  • Virginia“zeder“, Juniperus virginiana
  • Lavendel fein, Berg-Lavendel Lavandula angustifolia
  • Osmanthus, Osmanthus fragrans
  • Rose, Rosa × damascena
  • Rosengeranie, Pelargonium × graveolens
  • Salvia sclarea, Muskatellersalbei
  • Sandelholz, Santalum album

Orangenöl & Orangenblütenöl (Neroli)

In einer randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie inhalierten 63 gesunde postmenopausale Frauen 5 Tage lang jeweils 2-mal täglich für 5 min 0,1 %iges oder 0,5 %iges Neroliöl, das in Mandelöl verdünnt war. Die Kontrollgruppe inhalierte Mandelöl. Der Blutdruck, das Serumkortisol und -östrogen, Stressparameter und der Grad an sexueller Lust wurden vor und nach der Inhalation bestimmt. Der systolische Blutdruck sank bei der 0,5 %igen Neroli-Inhalation signifikant, der diastolische Blutdruck reduzierte sich bei beiden Nerolikonzentrationen, auch die anderen Parameter [108].

Eliane Zimmermann Schule für Aromatherapie

Orangenschale, Orangenblätter und Orangenblüte (Foto ganz oben): Wichtig Naturdüfte, die nachweislich Ängste lindern können

40 Probanden wurden einer angstauslösenden Situation ausgesetzt und inhalierten unterschiedliche Mengen an Orangenöl (Citrus sinensis) oder Kontrollsubstanzen (Wasser oder Teebaumöl, welches nicht als angstlösendes ätherisches Öl betrachtet wird). Laut den Autoren deuten die Resultate auf eine starke anxiolytische Wirkung hin und können eine gewisse wissenschaftliche Bestätigung geben, dieses Öl als Beruhigungsmittel (Tranquilizer) einzusetzen [204].

Bei je 28 Patienten wurde Orangenduft vor und während einer chirurgischen Backenzahnextraktion in die Raumluft gegeben, in der Kontrollgruppe erfolgte keine Duftgabe. Da Paramenter wie Blutdruck, Puls- sowie Atemfrequenz in der Duftgruppe signifikant sanken, gehen die Autoren davon aus, dass Orangenduft die Angst während so einer zahnärztlichen Intervention reduzieren kann [228].

Destilliertes Bitterorangenöl (Citrus aurantium, unklar ob Fruchtschale oder Blüte oder physiologische Kochsalzlösung als Kontrolle wurden in einer randomisierte Studie mit je 63 schwangeren Frauen zum Riechen gegeben: Diese erhielten entweder etwas Wasser oder 4 ml Orangenöl auf Gazestücke, die auf Schlüsselbeinhöhe an der Kleidung befestigt und alle 30 Minuten frisch bestückt wurden. Im Laufe der Entbindungen waren die Angstwerte bei den Teilnehmerinnen der Duftgruppe signifikant niedriger [453].

Eine Duftmischung aus Orange, Lavendel, Muskatellersalbei und Sandelholz wurde 31 ruhig lesenden Studenten mit leichten Angstsymptomen 10 Tage lang für 45 min zum Einatmen verabreicht. Ihr Urin wurde vor den Testtagen und nach Ablauf des 10-tägigen Experiments untersucht. Über 200 Metaboliten wurden geprüft, 29 davon unterschieden sich bei einem Teil der Freiwilligen erheblich vor und nach der Aufnahme von ätherischen Ölen [702].

Jeweils 30 Patienten bekamen vor einem kleinen chirurgischen Eingriff Nerolihydrolat oder physiologische Kochsalzlösung zum Einnehmen. Die Angstwerte wurden vor und nach den Eingriffen protokolliert, sie fielen in der Duftgruppe signifikant (p < 0,05) [9].

Zu diesen Ergebnissen liebe ich eine Grundmischung, die Prof. Dr. Dietrich Wabner einst Orange komplett nannte, da sie die drei Öle des Orangenbaumes enthält:

  • 120 Tropfen (circa 4 ml) Orangenschalenöl, Citrus sinensis per.
  • 30 Tropfen (circa 1 ml) Petit Grain, Citrus sinensis fol.
  • 20 Tropfen (knapp 1 ml) Neroli, Citrus sinensis flos

In einem 5-ml-Braunglasfläschchen gut mischen, von dieser Grundmischung regelmäßig 5 Tropfen in die Duftlampe geben, ab und zu 5 Tropfen mit etwas Honig oder Sahne emulgiert in einem Fußbad oder 7 Tropfen, ebenfalls so emulgiert, als Vollbadzusatz. Auch perfekt für einen Inhalierstift, evtl mit etwas Bio-Vanilleextrakt versüßt. Wie mir nach der Veröffentlichung dieses Textes mitgeteilt wurde, existiert diese tolle Mischung noch (in einer leicht aktualisierten Form), sie kann als Fragrance Orange bei Wadi bestellt werden.

Eine bewährte Rezeptur zur Förderung der Konzentration enthält die Blätter diverser Zitrusbäume, diese bewirken eine entspannte Fokussierung, einen Blick auf die Dinge, ohne müde zu machen. Ich mag am liebsten das Öl aus den Blättern des Zitronenbaumes, es riecht zwar auch leicht „bitter-frisch“, doch der zitronige Hintergrund sagt mir mehr zu als der Duft der meisten anderen Petit Grain-Ölen. In der Regel bekommen wir bei den meistens Öleanbietern Öle aus den Blättern des Bitterorangenbaumes, oft aus Paraguay.

Römische Kamille

Kamille römisch hilft bei tief liegenden Ängsten

Einige ätherische Öle werden in der Aromatherapie als Mittel zur Linderung von Angst, Stress und Depressionen eingesetzt. Zu den beliebten anxiolytischen Ölen gehören Lavendel (Lavandula angustifolia), Rose (Rosa damascena), Orange (Citrus sinensis), Bergamotte (Citrus aurantium), Zitrone (Citrus limon), Sandelholz (Santalum album), Muskatellersalbei (Salvia sclarea), Römische Kamille (Anthemis nobilis) und die rosig duftende Rosengeranie (Pelargonium asperum, P.graveolens). In diesem Bericht wurden die chemischen Bestandteile und die Auswirkungen dieser ätherischen Öle auf das Zentrale Nervensystem sowie neuere Studien über zusätzliche ätherische Öle mit anxiolytischer Wirkung erörtert [571].

Bei 103 Palliativpflegepatienten zeigte Römische Kamille in Trägeröl (als Kontrolle nur Trägeröl) eine signifikante Verringerung ihrer Ängste nach Aromamassagen: Das Fazit dieser Arbeit: Massagen mit oder ohne ätherische Öle scheinen den Grad der Ängste zu reduzieren. Die Hinzunahme eines ätherischen Öles scheint diesen Effekt zu verstärken und verbessert die körperlichen und seelischen Symptome wie auch die Lebensqualität. [683].

Lavendel

In einer älteren randomisierten Doppelblindstudie bekamen 97 Probanden Placebokapseln oder Kapseln mit je 100 oder 200 μl Lavendelöl zur Einnahme verabreicht. Zunächst schauten sie einen neutralen Film, dann einen furchterregenden und abschließend eine filmische „leichte Kost“. Der Herzschlag veränderte sich insbesondere bei den weiblichen Probandinnen, sodass die britischen Autoren daraus schließen, dass das eingenommene Lavendelöl milde anxiolytische Effekte hat [62].

Lavendel - Lavandula angustifolia - Aromatherapie Eliane Zimmermann

Ein Begleiter bei Ängsten und Sorgen

In weiteren Arbeiten wurde Lasea alias Silexan (der Name der Zubereitung), bestehend aus einem speziellen Lavendelöl, das besonders reich an Linalylacetat ist, an weit über 1000 Patienten untersucht. Die daraus entwickelten dünndarmlöslichen Kapseln hatten annähernd die gleiche Wirkung wie das viel eingesetzte Benzodiazepam Lorazepam – allerdings ohne das suchterzeugende Potenzial. Das in jeder deutschen Apotheke erhältliche Produkt wird inzwischen gerne bei Schlafstörungen und leichten Angstzuständen empfohlen ([299], [606], [646], [691]).

Dieser inzwischen gut untersuchte Bereich der Einnahme von magensaftresistenten Kapseln mit Lavendelöl wird in einer neuen, kostenlos erhältlichen Übersichtsarbeit erläutert: Yap WS, Dolzhenko AV, Jalal Z, Hadi MA, Khan TM. Efficacy and safety of lavender essential oil (Silexan) capsules among patients suffering from anxiety disorders: A network meta-analysis. Sci Rep. 2019 Dec 2;9(1):18042

Ich bin inzwischen ein Fan von Lasea-Lavendelöl-Kapseln [in jeder Apotheke, auch bei Doc Morris oder bei Amazon], sie haben mir zweimal nach plötzlichen Todesfällen durch schwere Zeiten geholfen. So könnte ich mir vorstellen, dass diese in diesen sorgenvollen Zeiten wenigstens für besseren Schlaf, und damit für stärkere Nerven tagsüber sorgen könnten. Dazu erschien vergangenes Jahr eine Arbeit der „Lasea-Gelehrten“: Seifritz E, Schläfke S, Holsboer-Trachsler E. Beneficial effects of Silexan on sleep are mediated by its anxiolytic effect. J Psychiatr Res. 2019 Aug;115:69-74

In einem anderem Experiment inhalierten 60 Patienten mit Schlafproblemen auf einer Intensivstation für Herzerkrankungen entweder 15 Tage lang 2 %iges Lavendelöl oder bekamen keine Duftbehandlung. Die Qualität des Schlafes war in der Lavendelgruppe signifikant verbessert (p < 0,05). Die türkischen Autoren befürworten diese preiswerte und leicht anwendbare Unterstützung speziell für kardiologische Patienten [296].

Je 15 Freiwillige inhalierten 5 min lang Lavendelöl mit Sauerstoff oder nur Sauerstoff durch eine Gesichtsmaske. Die Stresswerte wurden untersucht und waren gegenüber den Kontrollen mit Inhalation von Sauerstoff signifikant reduziert (p < 0,001). Der Schmerz durch Injektionsstiche war ebenfalls signifikant verringert (p < 0,001) [318].

Bergamotte

In einer japanisch-deutschen randomisierten Cross-over-Studie wurden 41 gesunde Studenten in 3 Gruppen aufgeteilt: Die 1. Gruppe ruhte für 15 min, die 2. Gruppe ruhte und atmete
Wasserdampf ein, die 3. Gruppe ruhte, atmete Wasserdampf und Bergamotteöl ein. Danach wurden jeweils Speichelproben entnommen, um den Kortisolstatus festzustellen. Die Ergebnisse in den 3 Gruppen unterschieden sich signifikant voneinander (p = 0,003). Es konnte gezeigt werden, dass die kombinierte Inhalation von ätherischem Bergamotteöl und Wasserdampf innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne sowohl psychisch als auch physisch positive Effekte hervorruft, eine leichte Sedierung bei den gesunden Probanden wurde als positiv eingestuft [670].

Bergamotteöl wirkt deutlich stimmungsaufhellend

In einer randomisiert-kontrollierten Untersuchung aus Taiwan atmeten 109 präoperative Ambulanzpatienten entweder Wasserdampf oder Bergamotteöl, beide mittels eine Ultraschallverneblers, ein. Sie füllten eine standardisierte Skala bezüglich ihrer Ängste vor dem bevorstehenden chirurgischen Eingriff aus. Die Verringerung der Angstsymptome war in der Aromatherapiegruppe signifikant, gemessen an unterschiedlichen Parametern für das autonome Nervensystem (zwischen p = 0,001 und p = 0,0019; [460]).

54 gestresste und ängstliche Grundschullehrer setzten sich an 2 Wochentagen jeweils 10 min lang vor einen Ultraschallvernebler mit Bergamotteöl. Parameter wie Blutdruck und Atemfrequenz wurden jeweils vorher und nachher gemessen. Es wurden signifikante und teilweise hochsignifikante Reduktionen des Blutdrucks und der Herzfrequenz beobachtet (mit p-Werten von beispielsweise p < 0,05; p < 0,01; p < 0,001). Insbesondere Teilnehmer mit mittleren bis starken Angstsymptomen profitierten mehr von der Anwendung als solche, die nur leichte Symptome zeigten [100].

Die Effekte bei topischer Anwendung einer Ölemischung aus Lavendel und Bergamotte wurden an 40 gesunden Freiwilligen untersucht. Parameter wie Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Hauttemperatur wurden bestimmt und zusätzlich der emotionale Zustand abgefragt (empfundene Entspannung, Ruhe, Wachheit etc.). Anders als das Placebo verringerte die untersuchte Ölemischung signifikant die Pulsfrequenz und den Blutdruck, was auf eine Entspannung des autonomen Nervensystems hindeutet. Die Probanden bewerteten zudem ihren emotionalen Zustand als „ruhiger“ und „entspannter“ im Vergleich zur Placebogruppe. Laut der Autorin belegen die Ergebnisse, dass diese synergistisch wirkende Ölemischung in der Medizin verwendet werden kann, um Depressionen und Ängste zu behandeln [253].

Folgende neuere Verhaltensstudie mit Bergamotteöl an Ratten ist kostenlos erhältlich: Anxiolytic-Like Effects of Bergamot Essential Oil Are Insensitive to Flumazenil in Rats. Evid Based Complement Alternat Med. 2019 Aug 14;2019:2156873

Rosengeranie

50 Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, die sich auf einer psychiatrischen Station aufhielten, erhielten jeweils 6 Aromamassagen (vorderer und hinterer Brustkorb): 0.5%ig verdünnte Öle (Lavendel, Lavandula angustifolia und Rosengeranie, Pelargonium graveolens). Physiologische Parameter und das Ausmaß von Angst wurden vor und nach den Behandlungen protokolliert. Die Atem- und Herzfrequenz nahm nach jeder Behandlung signifikant ab. Die Studie kann kostenlos eingesehen werden [133].

Eliane Zimmermann Aromapraxis - Rosengeranie

Rosengeranienöl wirkt ausgleichend und wirkt wie Samt auf die Seele

In einer kleinen koreanischen Untersuchung wurden 13 Frauen mit Aromamassagen behandelt, deren Kinder mit der Diagnose ADHS in einer psychiatrischen Abteilung aufgenommen werden mussten. 12 Frauen mit dem gleichen Hintergrund bekamen keine Behandlung. Die Teilnehmerinnen der Duftgruppe erhielten 4 Wochen lang jeweils 2-mal wöchentlich eine 40-minütige Aromamassage: 2 % Lavendel und 2 % Rosengeranie in Jojobaöl. Nach diesem Monat mit 8 Behandlungen verbesserten sich ihre Angst- (p = 0,01) und Depressionswerte (p = 0,04) signifikant. Die Aktivität der α-Wellen des Gehirns war erhöht, dagegen die δ-Wellen reduziert, damit war mehr Entspannung zu erkennen. Nach jeder Behandlung waren zudem die Speichelkortisolwerte signifikant reduziert (p = 0,01). Die Autoren folgern, dass Aromamassagen signifikante positive Einflüsse auf neurobiologischeWerte wie EEG-Muster, Speichelkortisol und Wachstumsfaktor BDNF (engl. brain-derived neurotrophic factor) sowie auf psychologische Faktoren ausüben [695].

Fenchel, Osmanthus und andere Naturdüfte

In einer äthiopischen Verhaltensstudie zeigten Mäuse, denen unterschiedliche Dosierungen von Fenchelöl oral verabreicht wurden, deutlich weniger Angst als die Tiere der Kontrollgruppe. Die Autoren folgern, dass ätherisches Fenchelöl eine vielversprechende anxiolytische Wirkung zeigt [418].

An 40 gesunden Freiwilligen wurde verdünntes Rosenöl topisch angewendet, das Einatmen des Duftes wurde durch Atemmasken verhindert. Stress und depressive Empfindungen waren durch Aufbringen des Rosenöles auf die Haut verringert [251]

Ein Hauch des kostbaren Osmanthus-Absolue bringt Heiterkeit und Leichtigkeit ins Leben

Osmanthus, Lavendel und Grapefruit wurden der Hälfte von 361 Patienten in dieser randomisierten kontrollierten Studie zum Inhalieren vor der als unangenehm empfundenen Koloskopie gegeben. Die andere Hälfte „inhalierte“ ohne Duft (Kontrolle). Osmanthusduft reduzierte die Stärke der Angst signifikant, bei den Patienten mit starker Angst und Unwohlsein halfen Osmanthusduft und Grapefruitduft signifikant [259].

16 ältere koreanische Frauen erhielten jeweils 3-mal/ Woche je 20-minütige Aromamassagen, 20 ältere Frauen wurden ohne ätherische Öle behandelt. Die Behandlung erfolgte 3 Wochen lang mit 1 Woche Pause und weiteren 2 Wochen Behandlung mit folgenden ätherischen Ölen: Kamille, Lavendel, Rosmarin und Zitrone. Zu verzeichnen waren signifikant weniger Angst und eine Steigerung des Selbstwertgefühles [517].

An Mäusen wurden unterschiedliche Angst-Protokolle durchgeführt, beispielsweise mussten sie einen Weg durch ein standardisiertes Labyrinth finden. Insbesondere bei männlichen Mäusen wirkte Ylang Ylang-Öl und seine Leitsubstanzen Benzylbenzoat, Benzylalkohol und Linalool angstlindernd. Dopamin war verringert und die Konzentration an 5-HT im Hippocampus war vergrößert. Zhang N, Zhang L, Feng L, Yao L.The anxiolytic effect of essential oil of Cananga odorata exposure on mice and determination of its major active constituents. Phytomedicine. 2016 Dec 15;23(14):1727-1734

Auch in Tiermodellen zeigte der holzige Duft der Virginia“zeder“, dieser Baum zählt zu den Wacholdern, angstlindernde Effekte. Zhang K, Yao L. The anxiolytic effect of Juniperus virginiana L. essential oil and determination of its active constituents. Physiol Behav. 2018 May 15;189:50-58

ÜBRIGENS: Für die, die noch Desinfektionsmittel suchen: Wadi bietet eine Mischung mit hochprozentigem Alkohol an. Finito ist ein zur Handdesinfektion zugelassenes Produkt. Hochwertiger Parfümalkohol, ausgesuchte ätherische Öle, sowie pflanzliches Glycerin zur Hautpflege machen aus Finito einen zuverlässigen Begleiter. Riechen tut er auch noch gut, aber das nur nebenbei.

Farfalla reagierte auch schnell, auch bei ihnen gibt es nun ein Handhygiene-Pflegespray: Mit Alkohol und ätherischen Ölen – Ravintsara ist bekannt für seine stark antiviralen Eigenschaften. Teebaum und Zitrone sind stark antimikrobiell. Hautberuhigendes Lavendelhydrolat pflegt beanspruchte Hände.

Auch bei der Naturparfum-Manufaktur machte man sich Gedanken: das Solution Aromatique-Handhygiene Spray ist eine hochprozentige alkoholische Lösung (80%iger Alkohol) angereichert mit einem Blend naturreiner ätherischer Öle von Thymian, Oregano, Eucalyptus, Cassia und Ravintsara sowie vielen weiteren, die für ihre keimreduzierende Wirkung bekannt sind und welche die desinfizierende Wirkung des Alkohols unterstützen. Ein pflegender Zusatz von natürlichem pflanzlichem Glyzerin schützt die Hände vor Austrocknung.

Selber machen mit 70%igem Alkohol ist laut WHO kein Problem, dazu befinden sich viele Infos auf meinem Artikel über die unterschiedlichen Alkohol-Arten.

Eliane Zimmermann AiDA Schule für AromatherapieWer die eigenen Rezepturen und Duftempfindungen aufschreiben möchte, kann sich im hübsch im von uns gestalteten Lieblingsrezepte-Sammeljournal ein ganz persönliches Duft-Buch zusammen stellen. Für diese „eingesperrten“ Tage wären auch Lern-Spiele mit unseren Psycho-Aromatherapie-Karten denkbar (wie ein Memory: Karte plus Öl zusammenfinden lassen oder zwei Blätteröle, zwei Blütenöle etc, oder wie ein Tarot, oder wie eine Tages-Losung etc). Das Plakat „Aromatherapie für die Seele“ zeigt und erklärt einige Hintergründe des heutigen Textes. Wir haben ein „Seelen-Samt-Bundle“ geschnürt, so dass beide zusammen € 29.90 statt einzeln € 35.90 kosten.

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