Die momentane Stimmung ist stark von Angst und Niedergeschlagenheit geprägt. Angst wirkt leider ansteckend, das ist ein uralter Mechanismus zur Erhaltung der jeweiligen Spezies. Wenn das „Obertier“ Angstreaktionen zeigt, rennen die rangniederen Tiere sozusagen hinterher. Wenn eine Person einen Einkaufswagen voller Toilettenpapier und Nudel einkauft, signalisiert uns dieses Verhalten Ähnliches.

Inzwischen ist bei vielen Menschen der Stress-Pegel vermutlich enorm gestiegen, denn sie sind auf engstem Raum regelrecht eingesperrt, die Polizei patroulliert. Es wird gepetzt und denunziert, wenn jemand gesichtet wird, der sich nicht an die neuen Vorschriften hält. Existenzen sind bedroht, Kinder drehen durch, Eltern sind überfordert, die Luft wird eng. Wer hätte an Silvester gedacht, dass die Welt, wie wir sie kannten, so schnell und auf so kaum nachvollziehbare Weise zum Stillstand kommen würde! Die Situation macht uns geradezu fassungslos.

Wenn wir dann noch am Rande verlogene Fake News zur Kenntnis nehmen müssen (zB Foto mit massenweise Särgen angeblicher Corona-Toten, dabei zeigt das Bild die Opfer des großen Bootsunglückes vor Lampedusa, als dort 2013 über 350 Menschen starben), dann packt einen auch durchaus die Wut. Dazu dürfen wir dann auch von Leuten lesen, die sich nun eine goldene Nase an der Not verdienen (vom kleinen Mundschutz-Dealer bis zu gewissen weltweit tätigen Konzernen), da bleibt einem schier die Luft weg!

Heute meldet Spiegel Online den nächsten Schritt des ‚Lockdowns‘: „Klarstellung aus dem Kanzleramt: Deutscher Lockdown dauert mindestens bis 20. April“. Ich kann mit lebhaft vorstellen, dass es in den Köpfen von unzähligen Menschen dunkel und dunkler wird. Obwohl der Frühling naht, die Vögel wieder zwitschern und morgen die Uhr mal wieder auf die ungeliebte Sommerzeit umgestellt werden muss. Der Frühling, die vertraute Außenwelt bleibt uns weiterhin verwehrt.

Ich bin nun seit Mitternacht auch im Netz der Ausgangsperre gefangen, trotz massig Projekten im Garten und zahlreichen Wänden, die mit Farbe zu verschönern sind, fühlte ich mich stundenweise wie gelähmt. Ich male mir besser nicht aus, wie es mir ohne meine zuverlässigen Stimmungsaufheller gehen würde, die mich seit der freiwilligen Selbst-Isolation ab dem 7. März (seitdem war ich in keinem einzigen Geschäft mehr) vielfach täglich begleiten und unterstützen. Mein absolut allerliebstes Bio-Bergamotteöl von der lieben Doris Karadar (Bioparadies Eppan) fiel mir bereits vor zwei Wochen buchstäblich vor die Füße, einfach weil es vom Regalbrett rutschte. Ich habe mir daraus eine GRUNDMISCHUNG hergestellt:

Wenn mir Bergamotteöl zu viel wird, verwende ich fast genau so gerne Bergamottminze (Feeling, Farfalla) dieses Öl ist sehr ähnlich zusammen gesetzt. Lavendelöl würde aufgrund seiner vergleichbaren Zusammensetzung auch passen, ich bin jedoch nicht so ein großer Fan davon. Wenn das Öl der Indianernessel, das wunderbar rosig duftet, nicht erhältlich ist, können genauso gut Rosengeranienöl oder Palmarosaöl verwendet werden. Die Nase entscheidet!!!

Diese Grundmischung setze ich im Inhalierstift (Evelyn Deutsch Glas, Evelyn Deutsch Kunststoff, Feeling Glas, Feeling Kunststoff) zum Schnuppern ein, ich gebe sie mit etwas Neutralseife (Feeling, Farfalla) ins Badewasser und mische 2-3 Tropfen in einen Esslöffel meiner neutralen Körperlotion (4 Tropfen auf 10 ml Jojobaöl ginge genau so gut). Die Hydrolate aus Orangenblüten und Basilikum nehme ich teelöffelweise ein, vorzugsweise abends. Um mich herum versprühe ich mehrfach am Tag meine zwei liebsten vanilligen Raumsprays, es darf immer etwas davon auf meinen Schal oder Rollkragen, ich empfinde ihre süßen Kuscheldüfte als tröstlich in dieser momentan doch ziemlich ausweglos erscheinenden Situation:

Alle diese Maßnahme müssen mehrmals am Tag erfolgen, um eine spürbare Wirkung zu entfalten, idealerweise 4 Mal am Tag, so dass ein konstanter „Fluss“ an stimmungsaufhellenden Duftmolekülen im Blut unterwegs ist und unsere traurigen Neuronen versorgen kann. Nun sind die genannten Naturdüfte MEINE Favoriten, die meine Nase als momentan für total richtig und hilfreich empfindet.

Frag doch mal die Wissenschaft.

So dachte ich mir: Frag doch mal die Wissenschaft. Ich durchforstete also mein Fachbuch ‚Aromatherapie für Pflege und Heilberufe‚, indem ich die Begriffe ‚Angst‚ und ‚anxiolytisch‚ eingab. Viele Studien rund um Ängste bestätigen mir, dass meine Nase ein guter Ratgeber ist!

Ätherische Öle, mit Monoterpenolen und Monoterpenestern als wesentliche Inhaltsstoffe, sind aus der Psycho-Aromatherapie nicht wegzudenken: Sie wirken anxiolytisch, spasmolytisch und leicht sedativ. Bestens und in zahlreichen klinischen Studien (mit und am Menschen) erforscht sind die Hauptinhaltsstoffe Linalool und Linalylacetat, sie wirken krampflösend und stimmungsaufhellendend, sie kommen meistens als Paar in erheblicher Menge vor, beispielsweise sind sie enthalten in

  • Lavendel, Lavandula angustifolia: 30 % Linalool, 35 % Linalylacetat
  • Lavandin Super, Lavandula x intermedia Super: 37 % Linalool, bis 44 % Linalylacetat
  • Bergamotte, Citrus x bergamia: 12 % Linalool, bis 40 % Linalylacetat
  • Bergamottminze, Citrus bergamia: bis 55 % Linalool, bis 63 % Linalylacetat
  • Neroli, Citrus aurantium flos: 54 % Linalool, 3 % Linalylacetat
  • Petitgrain, Citrus aurantium fol: 25 % Linalool, 40 % Linalylacetat
  • Muskatellersalbei, Salvia sclarea: 12 % Linalool, bis 74 % Linalylacetat
  • Skimmie (Blätter), Skimmia laureola: 8 % Linalool, 56 % Linalylacetat {diesen Duft kennen alle, die mit mir auf Garinish Island waren, der Strauch blüht momentan, die Blüten duften extrem intensiv nach Maiglöckchen}

Ihre das Nervensystem beeinflussende Wirkung wurde an der Universität Wien in vielen Versuchen sowohl an Mäusen als auch am Rattenduodenum studiert. Zudem zeigt Linalool zentral dämpfende Effekte und verlängert die narkotische Wirkung von Barbituraten (Schlaf- und Beruhigungsmittel). Linalool wirkt auch antikonvulsiv (krampfminderd), vermutlich durch eine Steigerung der GABAergen Aktivität, und reduziert signifikant die durch Kaliumionen stimulierte Freisetzung von Glutamat [71], [286] {damit es hier nicht noch unübersichtlicher mit ewigen Studiennamen wird, nenne ich in diesem Artikel nur die Zahlen, diese sind am Ende meines Fachbuches vollständig nachzulesen, neuere Studien zitiere ich mit vollständigem Namen}.

Von Estern und wundersamen Säuren

Je länger die Kohlenstoffkette der esterbildenden Säure ist, desto spasmolytischer wirkt laut DR. Kurt Schnaubelt das entsprechende ätherische Öl. Ameisensäure ist beispielsweise mit 1 C-Atom bestückt, ihre Ester (Formiate, z. B. Citronellylformiat im Öl von Pelargonium × graveolens) verhelfen dem Öl zu einer leicht spasmolytischen Wirkung. Essigsäure besteht aus 2 C-Atomen, ihre Ester (Acetate) wirken sowohl spasmolytisch auf den Verdauungstrakt als auch sedativ auf das Nervensystem. Geranylacetat in Cananga odorata (Ylang Ylang) ist ein Beispiel für diese Wirkung.

Die Ester der Buttersäure mit ihren 4 C-Atomen tragen zur stark stark beruhigenden und angstlösenden Wirkung des Kamille-römisch-Öles bei. Die Ester der Anthranilsäure mit ihren 7 C-Atomen, die als Besonderheit auch noch ein Stickstoffatom enthalten, machen Mandarinenöl, Mandarinenblätteröl und generell viele Zitrusöle zu ungewöhnlich psychisch beruhigend wirksamen Mitteln. Wer behauptet, dass Zitronenöl stark anregend wirkt, liegt aus Sicht der Wissenschaft übrigens nicht richtig. Es wirkt sozusagen erfrischend-beruhigend oder auch: entspannend-klärend.

Übersichts-Studien und individuell angepasste Anwendungen

Eine recht neue Übersichts-Arbeit über die angstlösende Wirkung von ätherischen Ölen (in prä-klinischen und klinischen Studien) ist nachzulesen bei: Zhang N, Yao L. Anxiolytic Effect of Essential Oils and Their Constituents: A Review. J Agric Food Chem. 2019 Dec 18;67(50):13790-13808

Eine andere Übersichts-Arbeit von 2011 über die anxiolytischen Effekte von Aromapflege bei Menschen mit Angstsymptomen durchleuchtete 16 randomisierte und kontrollierte Experimente von 1990–2010: Die meisten dieser Studien zeigten positive Effekte der Aromatherapie (meistens Streichungen oder Massagen) bei Menschen mit Symptomen von Angst. Es wurden keine unerwünschten negativen Begleiterscheinungen beobachtet [360].

Individuell angepasste ätherische Öle wurden in einer Pilotstudie mit 30 Familienmitgliedern, die unheilbar kranke Familienangehörige betreuten, ausgesucht. Die Hälfte der Probanden erhielt keine Behandlung, die anderen 15 Personen erhielten während 3 Tagen jeweils 2-mal täglich 5 Minuten Handmassage. Die Angstwerte der Duftgruppe gingen signifikant zurück [499].

Im Folgenden liste ich jeweils einige Studien zu anxiolytisch wirksamen ätherischen Öle auf:

  • Bergamotte, Citrus × bergamia
  • Orangenschale, Orangenblüte (Neroli), Citrus × aurantium fol. & flos
  • Kamille, römisch, Chamaemelum nobile
  • Virginia“zeder“, Juniperus virginiana
  • Lavendel fein, Berg-Lavendel Lavandula angustifolia
  • Osmanthus, Osmanthus fragrans
  • Rose, Rosa × damascena
  • Rosengeranie, Pelargonium × graveolens
  • Salvia sclarea, Muskatellersal