Fenchelöl und auch seine Leitsubstanz Anethol gerieten vor circa zwei Jahren in den Fokus von EU-Behörden – wegen der angeblich antitumoralen und leberschädigenden Wirkung – und wird seitdem mit Warnungen bezüglich seiner angeblich toxischen Wirkung versehen, Verbraucher:innen sind nun oft verunsichert. Ich schrieb vor circa 2 Jahren dazu:
„Ab März 2024 wird es von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Warnung geben, dass das „böse Anethol“ ähnlich schief anzuschauen sei wie das „böse Estragol/Methylchavicol“…. Das systematische Verbieten, Verunsichern und „Madigmachen“ nimmt leider seinen Lauf. Die nicht nachvollziehbare Begründung basiert einmal wieder auf einem isolierten Bestandteil, der im ätherischen Öl zu circa 2 Prozent vorkommen KANN: 2005 wurde in Untersuchungen an Tieren (vor allem Nagetieren) gezeigt, dass dosisabhängig aus Estragol der reaktive Metabolit 1´-Hydroxyestragol gebildet wird. Dieser bindet an die DNA und bedingt so die genotoxischen und karzinogenen Folgen. Vor allem in sehr hohen Dosen traten in zahlreichen Studien Lebertumore bei Mäusen auf. Der HMPC (Committee on Herbal Medicinal Products) kam seinerzeit zu dem Schluss, dass bei einer kurzzeitigen Anwendung von Estragol-haltigen Tees in der empfohlenen Dosis bei Erwachsenen nicht von einem signifikanten Krebsrisiko ausgegangen werden kann.“ (Statement der EMA 12. Mai 2023).
Seitdem erreichen uns regelmäßig verunsicherte Fragen dazu, also ob beispielsweise entkrampfend wirksame Bäuchlein-Einreibungen für Babys okay seien und ob Säuglinge noch Fencheltee trinken dürften. Auch Anfragen von Menschen mit hormonabhängigen Tumoren wenden sich gelegentlich an uns. Als Fachbuchautorin der deutschsprachigen Aromatherapie der ganz frühen Jahre übernahm ich (eher zähneknirschend) die gängige Warnung, dass bei solchen Krebserkrankungen keinerlei Anwendungen von anetholhaltigen ätherischen Ölen durchzuführen seien. Die zwar spärlichen Studien, doch es gibt welche, sagen eher das Gegenteil.
2-15 mg Anethol in einer Tasse Fencheltee (von der plötzlich Gefahren ausgehen sollen)
Die Anethol‑Menge in Fencheltee schwankt freilich je nach Qualität und Zubereitung, jedoch gibt es grobe Durchschnittswerte: Eine Auswertung verschiedener Fencheltee‑Proben gibt für „Fennel, tea“ einen mittleren Gehalt von etwa 1,97 mg Anethol pro 100 ml an, mit einer Spannbreite von 0 bis 6,66 mg/100 ml. Bei einem Babyfläschchen (oder einer eher kleineren Tasse) mit 250 ml Tee entspricht das im Mittel ungefähr circa 5 mg Anethol (1,97 mg/100 ml × 2,5), bei sehr hohen gemessenen Werten bis etwa 16–17 mg Anethol in 250 ml. Welche Menge tatsächlich in einer Tasse Tee enthalten ist, hängt davon ab, wie frisch die Ware ist, ob Teebeutelware, ganze oder zerstoßene Früchte, oder sogar „nur“ Instant‑Extrakt verwendet wurden und wie lange das Heil“kraut“ ziehen gelassen wird.
Doch es gibt auch Studien, die genau das Gegenteil – zumindest im Reagenzglas – belegen. In In vitro-Experimenten wurde Anethol untersucht, die Leitsubstanz der ätherischen Öle des Fenchel, Sternanis und des kaum noch gebräuchlichen Ravensaraöls (nicht zu verwechseln mit Ravinstara!).
Es sollte herausgefunden werden, wie Anethol auf menschliche Brustkrebszellen wirkt, die im Labor kultiviert wurden. Dazu wurden zwei gängige Brustkrebs‑Zelllinien verwendet: eine mit Östrogenrezeptoren (MCF‑7) und eine ohne (MDA‑MB‑231), da sich diese beiden Krebsarten bei Patientinnen in ihrem Verhalten deutlich unterscheiden können.
Es zeigte sich, dass Anethol beide Arten von Brustkrebszellen weniger überlebensfähig machte und ihre Fähigkeit verringerte, neue Zellkolonien zu bilden. Stattdessen wurden die Zellen zu einem kontrollierten Zelltod (Apoptose) angeregt – einem „Selbstzerstörungsprogramm“, dem sich geschädigte oder gefährliche Zellen unterziehen können. Bei einer bestimmten Konzentration aktivierte Anethol Proteine, die typisch für diesen Selbstzerstörungsweg sind, und verringerte die Aktivität von NF‑κB, einem Faktor, der üblicherweise das Überleben von Krebszellen unterstützt, während gleichzeitig die Menge des tumorsuppressiven Proteins p53 erhöht wurde. Bemerkenswerterweise hingen diese Effekte nicht davon ab, ob die Krebszellen Östrogenrezeptoren besaßen oder nicht, was darauf hindeutet, dass die Wirkung von Anethol nicht auf einen bestimmten hormonellen Brustkrebstyp beschränkt ist.
Die Autorinnen und Autoren schlagen vor, dass Anethol aufgrund seiner Fähigkeit, das Überleben von Krebszellen zu reduzieren und sie auf kontrollierte Weise in den Zelltod zu treiben, als möglicher Wirkstoff gegen Krebs weiter untersucht werden sollte. Allerdings wurde diese Arbeit ausschließlich an Zellkulturen durchgeführt – nicht an Tieren oder Menschen – und zeigt daher nicht, dass Anethol für Patientinnen sicher oder wirksam ist; es wären noch viele weitere Forschungen nötig, bevor eine klinische Anwendung in Betracht gezogen werden könnte. Chen CH, de Graffenried LA. Anethole suppressed cell survival and induced apoptosis in human breast cancer cells independent of estrogen receptor status. Phytomedicine. 2012;19(8-9):763-767.
Was denn nun: gleichzeitig antitumoral und krebsauslösend?!
Ein ähnliches Ergebnis liefert eine viel neuere Studie mit einer Brustkrebs-Zelllinie (MCF-7) und dem ätherischen Öl des Sternanis. Pahore AK, Khan S, Karim N. Anticancer effect of Illicium verum (star anise fruit) against human breast cancer MCF-7 cell line. Pak J Med Sci. 2023;39(1):70-74. Für diese Studie wurde ein Extrakt aus den Früchten des Sternanis an einer im Labor kultivierten menschlichen Brustkrebszelllinie (MCF‑7) untersucht. Die Forschenden stellten fest, dass der Extrakt oberhalb einer sehr niedrigen Schwellenkonzentration eine starke, dosisabhängige Verringerung der Lebensfähigkeit der Krebszellen verursachte und ihr Wachstum bei höheren Dosen vollständig zum Stillstand brachte. Bei einer mittleren (IC₅₀-)Konzentration verlangsamte der Extrakt die Zellvermehrung und erhöhte innerhalb von 24 bis 72 Stunden die Zahl der absterbenden Zellen.
Mikroskopische Aufnahmen zeigten deutliche Anzeichen für einen programmierten Zelltod (Apoptose) in den behandelten Zellen, wie etwa kondensierte und fragmentierte Zellkerne. Insgesamt kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass methanolischer Sternanis-Extrakt (der ähnlich wie das ätherische Öl aus den Anisfrüchten reichlich Anethol als Leitsubstanz enthält) eine starke krebshemmende Wirkung auf diese Brustkrebszellen besitzt, indem er sie schädigt, ihr Wachstum hemmt und Apoptose auslöst, und daher als potenzielles Antikrebsmittel weitere Untersuchungen verdient.

Ähnlich „hirnrissige“ Untersuchungen wie zu Anethol und entsprechende warnende Meldungen gibt es auch zu den Furocumarinen (Furanocumarinen), diese sind in winzigen Mengen in Bergamotte- Limetten- und Kreuzkümmelöl enthalten, sie können auch in Spuren sogar in Lavendelöl enthalten sein.
Furocumarine sind Moleküle, die von den Cumarinen abgeleitet sind, also so genannte Cumarinderivate. Der Name Cumarin kommt von Cumarú, das ist der brasilianische/spanische Name für die Tonkabohne, dem runzelig-schwarzen Kern einer Frucht eines riesigen Urwaldbaumes, der mit unseren Erbsen, Bohnen aber auch Mimosen- und anderen Akazienbäumen verwandt ist. 1822 wurde erstmals Cumarin daraus isoliert. Der fein duftende, an Vanille erinnernde alkoholische Extrakt, enthält je nach Anbieter 60 Prozent Cumarin und wirkt extrem entkrampfend und schmerzlösend, insbesondere wenn das Schmerzgeschehen psychologische Hintergründe hat. Äußerlich angewendet kenne ich keine Kontraindikationen. Im Klinikum Neuperlach wurde ein Tonka-Schmerzöl entwickelt, welches sogar bei Tumorschmerzen Linderung verschaffen kann (mit Atlaszeder, Orange und Lavendel) Sind hier Neuperlacherinnen unter den Leserinnen? Wer weiß die genaue Rezeptur? Darf sie veröffentlicht werden?
Cumarin (auch als 1,2-Benzopyron, o-Cumarsäurelacton bezeichnet) ist obendrein für das Aroma des (angetrockneten) Waldmeisterkrauts verantwortlich, ebenso für frisches Heu, Cumarine sind besonders reichlich im Ruchgras enthalten und zu knapp 5 Prozent im ätherischen Öl des chinesischen Cassiazimtes (Cinnamomum aromaticum). In diesem gemahlenen Zimt sorgte es auch in Anti-Diabetes-Mitteln und sogar in Weihnachtsgebäck für negative Schlagzeilen. Im teureren Ceylonzimt (Cinnamomum zeylanicum) ist es nicht oder nur in Spuren enthalten.
Die Menge für die innere Aufnahme von Cumarin ist in Deutschland und auch in den USA reglementiert. Noch vor dem zweiten Weltkrieg gehörte etwas geriebene Tonkabohne in den Weihnachtstollen und den Fruchtsalat, diese leckere Mode ist vorbei, seitdem uns Angst vor der krebsauslösenden Wirkung gemacht wird. Es sind allerdings nur winzige Spürchen der Bohne nötig, um einer Süßspeise das feine Aroma zu verleihen. Und auch um die glücklichstimmenden Neurotransmitter im Gehirn zu aktivieren.
Furocumarine sind sozusagen erweiterte oder ausgebaute Cumarine, sie haben neben dem beiden Molekülen gemeinsamen Benzenring (rot markiert) noch einen Furanring aufzuweisen. Dieser macht das Molekül sehr aktiv, insbesondere unter bestimmtem UV-Licht. Furocumarine gelten zur Zeit aufgrund von Tierexperimenten als auch als krebserzeugend, wie im letzten Post jedoch gesehen, auch als krebsvermindernd oder gar -verhindernd. Vielleicht gilt hier mal wieder der abgedroschene Spruch, dass die Dosis das Gift macht. In ätherischen Öle sorgen sie für eine bessere Haltbarkeit der Zitrusschalenöle, da sie antioxidativ wirken und sie verstärken die entkrampfende Wirkung von Estern. Sie werden in der Psoriasis-Therapie medizinisch genutzt.
Furocumarine werden vor allem deshalb als gefährlich eingestuft, weil sie in Kombination mit UV‑Licht DNA schädigen und dadurch Hautzellen akut und langfristig beeinträchtigen können. Jedoch sind Furanocumarine nicht „per se“ in jeder geringen Menge gefährlich, sondern werden wegen ihrer angeblichen phototoxischen, photomutagenen und potenziell kanzerogenen Eigenschaften bei relevanter Exposition vorsorglich streng reguliert (erinnere: die Menge macht das Gift!).
Hauptgründe für die Einstufung als riskant
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Sie gelten als phototoxisch: Unter UV‑A‑Licht bilden sie – je nach angewendeter Konzentration – reaktive Verbindungen, die zu „phototoxischen“ Hautreaktionen mit verbrennungsähnlichen Symptomen führen können (Rötung, Blasen, Hyperpigmentierung).
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Sie können DNA adduktieren: Bestimmte Furanocumarine (z.B. 5‑MOP, 8‑MOP) lagern sich an DNA‑Basen an, was Mutationen begünstigen kann; deshalb wird von Photomutagenität und einem potenziell kanzerogenen Effekt gesprochen.
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In Tierstudien wurden bei wiederholter Aufnahme Organschäden (z.B. Lebertoxizität, Nierentoxizität, gastrointestinale Toxizität) und Kanzerogenität beobachtet, ohne dass sich eine sichere „Dosis ohne Wirkung“ eindeutig angeben lässt.
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Weil sie natürlicherweise in höheren Konzentrationen in bestimmten ätherischen Ölen (z.B. Zitrusölen) vorkommen, können Verbraucher:innen über Lebensmittel oder Kosmetika relevante Mengen aufnehmen, insbesondere bei unsachgemäßer Anwendung oder Lagerung.
Rolle von EU‑Behörden und IfR/IFRA
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EU‑Behörden und fachliche Gremien wie die DFG‑Senatskommission (SKLM) und Expertengremien für Kosmetika haben daher Höchstgehalte und Anwendungsbeschränkungen festgelegt, um phototoxische und langfristig mutagene Wirkungen zu vermeiden.
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Der internationale Branchenverband IFRA (Research Institute for Fragrance Materials als wissenschaftliche Basis) aktualisiert seine Richtlinien fortlaufend und definiert Markerfuranocumarine sowie maximale Schwellenwerte speziell für Hautkontaktprodukte, um das Risiko für Verbraucher möglichst gering zu halten.
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Sigurdsson und sein Team fanden damals heraus, dass unterschiedliche Angelika-Extrakte eine deutliche Wirkung gegen manche Tumore zeigen (antiproliferativ und Apoptose [Zelltod] fördernd). Im Reagenzglas, an krebskranken Mäusen, jedoch auch an freiwilligen Betroffenen ausprobiert. Unabhängig davon, welcher Chemotyp an Angelikaölen eingesetzt wurde. Es geht um Brustkrebs und um Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Zudem docken diese allzu oft verteufelten Inhaltsstoffe an die menschlichen Benzodiazepin-Rezeptoren an und wirken somit ähnlich anxiolytisch (angstmindernd) wie bestimmte Psychopharmaka. Auch zeigen sie eine deutlich lebensverlängernde Wirkung auf Zellen, welche mit diversen Viren infiziert wurden (Erkältungsvirus, Coxsakie-Virus und RS-Virus). Die Furocumarine zeigten eine Anti-Acetylcholinesterase Wirkung, so dass Angelikawurzelöl vermutlich bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen unterstützend und gedächtnisfördernd eingesetzt werden könnte, sie wirken auch als Kalziumantagonist, können also verkrampftes, schmerzendes und minderdurchblutetes Gewebe lockern. Wer englisch kann, kann die folgende Studie kostenfrei als PDF-Datei lesen:
- Antiproliferative Effect of Angelica archangelica Fruits (2004) ; weitere Arbeiten:
- Sigurdsson S, Ögmundsdottir HM, Gudbjarnason S. Strong antiproliferative activity resulted from the two most abundant furanocoumarins in the tincture, imperatorin and xanthotoxin. Z Naturforsch C2004; 59: 523–527
- Sigurdsson S, Ogmundsdottir HM, Hallgrimsson J, Gudbjarnason S. Antitumour activity of Angelica archangelica leaf extract. In Vivo 2005a; 19: 191–194
- Sigurdsson S, Ogmundsdottir HM, Gudbjarnason S. The cytotoxic effect of two chemotypes of essential oils from the fruits of Angelica archangelica L. Anticancer Res 2005b; 25(3B): 1877–1880
Furocumarine schützen und bewahren die Stabilität von Zitrusölen, wichtig bei Allergien
Genau das gleiche Dilemma und entsprechende Missverständnisse kennen wir nur zu gut bei Empfehlungen von Zitrusölen. Denn je nach Qualität enthalten diese, wenn nicht destilliert (was meistens zu scheußlichen Geruchsverirrungen führt), auch unterschiedliche Furocumarine. Zur Photosensibilisierung kann auf dieser Seite in meinem leider etwas versteckten Artikel eine Tabelle zu Verdünnungs-Empfehlungen nachgelesen werden.
In einer deutschen Studie wurden die Auswirkungen der natürlich vorkommenden Furocumarine auf die ätherischen Öle von Bergamotte, Limette und Zitrone untersucht, nachdem sie UV-A-Licht ausgesetzt wurden. Zu diesem Zweck wurden die Öle zunächst durch Ausfällung in kaltem Hexan von Furocumarinen und Cumarinen befreit. Diese vorbehandelten Öle sowie Proben dieser Öle, die mit abgetrennten Furocumarinen versetzt waren, wurden bis zu 10 Tage lang bestrahlt.
Alle ätherischen Öle, die keine Furocumarine enthielten, zeigten einen massiven Abbau der vorherrschenden Terpene R-(+)-Limonen und γ-Terpinen. Bei den ätherischen Ölen von Limette und Zitrone wurden innerhalb von 10 Tagen 10 % bzw. 7,5 % der ursprünglichen R-(+)-Limonenmenge abgebaut. Darüber hinaus wurde eine deutliche Hydroperoxidbildung beobachtet. Bei γ-Terpinen war dieser Effekt noch ausgeprägter, und sowohl in den Proben des ätherischen Limetten- als auch des Zitronenöls war das Terpen nach 6 Tagen vollständig in p-Cymen umgewandelt (p-Cymen kann bereits in geringen Dosierungen hautreizend wirken, je nach Hautempfindlichkeit, es trägt auch zur schmerzlindernden Wirkung von ätherischen Ölen bei). Im Vergleich dazu verlangsamte der Zusatz von 5 % Furocumarinen zu den ätherischen Ölen den lichtbedingten Abbau von R-(+)-Limonen und γ-Terpinen um bis zu einer Größenordnung.
Die schützende Wirkung der Furocumarine, die vermutlich auf „eine bathochrome Verschiebung des emittierten Lichts zu weniger schädlichen längeren Wellenlängen“ zurückzuführen ist, verbesserte auch die Geruchsqualität. Die Ergebnisse zeigen, dass Mischungen aus nichtflüchtigen Furocumarinen und flüchtigen Terpenen die Haltbarkeit von lichtempfindlichen Agrarölen verlängern. Bitterling H, Lorenz P, Vetter W, Kammerer DR, Stintzing FC. Photo-protective effects of selected furocoumarins on β-pinene, R-(+)-limonene and γ-terpinene upon UV-A irradiation. J Photochemistry and Photobiology A: Chemistry. Vol 424, 1 February 2022, 113623
Auch folgende Arbeit belegt meinen Eindruck, dass Zitrusöle deutlich schneller „kaputt“ gehen, wenn die angeblich gefährlichen Furocumarine entfernt werden. Zudem leidet der Duft mehr oder weniger stark, bei FCF-Grapefruitöl (furocumarin-frei) fand ich diesenVerlust des echten Duftes noch viel ausgeprägter als bei Bergamotteöl. Da viele dieser „bösen“ Moleküle eine schützende Wirkung aufweisen, zudem eine nachgewiesene antitumorale Wirkung, frage ich mich, ob eine „vernünftige“ Anwendung von beispielsweise Bergamotteöl, also gut verdünnt, abends oder unter Kleidung mehr positive als negative Eigenschaften haben könnte. Bitterling H, Mailänder L, Vetter W, Kammerer DR, Stintzing FC. Photo-protective effects of furocoumarins on terpenes in lime, lemon and bergamot essential oils upon UV light irradiation. Vol 248, pages 1049–1057, (2022). Zusammen mit den beiden letztgenannten Autoren durfte ich vergangenes Jahr ein Kapitel für das folgende Fachbuch beisteuern:
Essential Oils Unveiled – Complex Compositions for Food, Cosmetics, and Medicine, Cabi 2025; Hrsg: Marek Bunse, Hartwig Schulz, mit Cäcilia Brendieck-Worm, Rolf Daniels, Sandra Graf-Schiller, Jörg Heilmann, Dietmar R Kammerer, Matthias F Melzig, Gertrud E Morlock, Constanze Stiefel, Florian C Stintzing, Michael Wink, Eliane Zimmermann Eine PDF-Vorschau kann hier runtergeladen und gelesen werden.
Furocumarine sind sehr unterschiedliche Moleküle!
Verantwortlich für die photosensitivierende Wirkung in ätherischen Ölen sind folgende Moleküle, jedoch in sehr unterschiedlichem Ausmaß:

Die besondere chemische Struktur der Psoralene ermöglicht es, den Melanozyten in der Haut (das sind die braunen Zellen, die dunkel werden, wenn wir uns im Sommerurlaub bräunen) UV-Photonen zu absorbieren, sie eine Zeit lang in der Haut zu lagern, um sie dann schlagartig freizusetzen. Das führt zu verbrennungsartigen Hautreizungen, wegen denen immer wieder Menschen stationär behandelt werden müssen.
Psoralene werden absichtlich in der Phototherapie der wegen Psoriasis geschädigten Haut eingesetzt, da die Haut dann die heilenden Lichtstrahlen besser ausnutzt. Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es auch “Sonnenschutzmittel”, die Psoralene enthielten, um eine bessere Bräune erzielen zu können.
Die Balance wieder herzustellen und zu erhalten ist ein Grundprinzip der Naturheilkunde – und der Pflanzen
Dieser vermutlich zu ausführliche beispielhafte Exkurs in zwei dieser sehr unterschiedlich wirksamen Moleküle zeigt, dass korrekte Verdünnungen an oberster Stelle stehen sollten, wenn Menschen verantwortungsvoll begleitet und behandelt werden sollen. Viel hilft nicht viel, im Gegenteil, am Beispiel dieser zwei Moleküle ist zu sehen, dass WENIG hilfreich und ggfs heilend oder zumindest prophylaktisch sein kann und dass VIEL Schaden anrichten kann. Dazu hat Sabrina auch einen Artikel veröffentlicht.
Wären nicht ganz andere hoch toxische Moleküle von den belasteten BürgerInnen viel, viel dringender fern zu halten, als ein paar Molekülverbindungen, die ab und zu eingeatmet oder in Form eines 2%ig verdünnten Körperöles ÄUSSERLICH angewendet werden?! Tests werden an zwangsgefütterten Labortieren durchgeführt, welche massenweise isolierte Riechmoleküle über lange Zeiträume fressen müssen oder auf verletzte Haut aufgetragen bekommen.
Meistens handelt es sich bei Studien, wie oben erwähnt, um Experimente an Nagetieren, die nicht (oder kaum) über Enzyme verfügen, die wir Menschen seit Jahrtausenden besitzen, um bestimmte Substanzen verstoffwechseln zu können (beispielsweise Methyleugenol, viele uns lecker schmeckenden und riechenden Kräuter wie Basilikum gehören nicht zum „Beuteschema“ von den üblicherweise in Laboren eingesetzten Nagetieren, diese Pflanzen würden sie vermutlich nicht freiwillig fressen oder sich nicht freiwillig dran reiben/wälzen).
Tiere sind keine kleinen Menschen, ihr Stoffwechsel funktioniert meistens anders
Wenn die Übertragungen von Reaktionen im Tier-Organismus konsequent durchgeführt werden würden, müsste auch jeglicher Konsum von Schokolade verboten werden! Denn schon kleinste Mengen des in der Schokolade enthaltene Theobromin killt Hunde, das ist kein Geheimnis! Wir Menschen sind zum Glück mit Enzymen ausgestattet welche Alkaloide wie Theobromin (auch in Kakao) zerlegen und somit verdauen können. Hier sind exemplarisch auch einige Studien zur antitumoralen Wirkung von Linalool, Geraniol und Terpineol-4 nachzulesen.
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