Aufbewahrung

Die jeweilige Zusammensetzung bestimmt die Haltbarkeit jedes einzelnen ätherischen Öles, zumindest wenn es auf der Haut angewendet werden soll. Ähnlich wie beim Wein gibt es solche, die innerhalb von kurzer Zeit – einigen Monaten – aufgebraucht werden sollten (einige Zitrusöle), andere werden mit zunehmendem Alter immer besser (Rose, Patchouli). Grundsätzlich sind es unstabile Substanzen, die sehr sorgfältig gelagert werden müssen. Folgende Faktoren müssen beachtet werden:

| dunkle Behälter, vorzugsweise aus Glas
zur Vermeidung von Zersetzung durch Lichteinwirkung
volle Behälter und zur Vermeidung von Oxidationsprozessen durch Sauerstoff

| angebrochene Behälter in kleinere Gefäße umfüllen, leeren Bereich mit Edelgas (Argon) oder mit Glaskugeln auffüllen, zur Vermeidung von Oxidationsprozessen durch Sauerstoff

| angebrochene Flaschen temperiert lagern (10-12 Grad): kühl, jedoch nicht im Kühlschrank, nicht konstant über 20 Grad, zur Vermeidung von Zersetzung durch Kälte- oder Wärmeeinwirkung

| Testerflaschen mit monoterpenreichen Ölen nach einem halben Jahr ersetzen, durch das ständige Auf- und Zumachen wird viel zerstörerischer Sauerstoff in die oft halbleeren Flaschen „gepumpt“

Je höher der Anteil an reinen Kohlenwasserstoffketten (Monoterpene) im ätherischen Öl, desto kürzer seine Eignung zur Therapie. Das betrifft vor allem Zitrusöle (bis auf Bergamotte), alle Nadelöle und Teebaumöl. Sie werden mit zunehmendem Alter hautreizend, vor allem wenn man sie in warmen Bädern verwendet, und bei vorbelasteten Menschen eventuell auch allergisierend. Man sollte keine Testerflaschen in Läden erwerben, also immer auf den Originalverschluss achten.

Haltbarkeit für Anwendung auf der Haut

Teebaumöl: ein halbes Jahr nach Anbruch
Zitrusschalenöle (bis auf Bergamotte): ein Jahr nach Anbruch, Zitrone und Grapefruit eventuell etwas länger
Nadelöle: anderthalb Jahre nach Anbruch
zitrusartig duftende Öle (Lemongras, Litsea, Melisse etc.): zwei Jahre nach Anbruch
eukalyptusartig duftende Öle (Cajeput, Myrte, Niaouli, Ravintsara): zwei bis drei Jahre nach Anbruch
Kräuteröle (Basilikum, Kamille, Lavendel, Minzen, Rosmarin etc.): drei bis vier Jahre nach Anbruch
herbe Harze (Weihrauch Jemen, Elemi, Mastix, Galbanum): drei bis vier Jahre nach Anbruch
vanillig-balsamische Harze (Benzoe, Tolu, Styrax): fünf bis sechs Jahre nach Anbruch
Blütenöle: fünf bis zehn Jahre nach Anbruch
holzig-erdige Öle (Adlerholz, Amyris, Atlas-Zeder, Sandelholz) sowie schwere Düfte wie Patchouli und Vetiver: bis zehn Jahre nach Anbruch, beste Qualitäten auch länger

Unangebrochene, volle Flaschen können im Kühlschrank gelagert werden, am besten in einem gut geschlossenen Behälter im Gemüsefach, damit fettige Nahrungsmittel wie Butter, Käse, Wurst den Duft nicht annehmen. Besser wäre eine Lagerung im gleichmäßig kühlen Keller.

Ätherische Öle, die in fetten Ölen gelöst sind, halten erfahrungsgemäß länger als ihre puren Entsprechungen. Therapeutische Mischungen in fetten Ölen sollte man dennoch nicht viel länger als ein halbes Jahr aufheben, da die Öle „arbeiten“ und miteinander neue Moleküle bilden können. In der Parfümerie ist dieser Prozess der Reifung ausdrücklich erwünscht.

Mit Ölen für die Duftlampe oder für die Parfümerie kann man großzügiger umgehen als mit solchen, die auf die Haut von kranken oder angeschlagenen Menschen aufgetragen werden. Diese Angaben zur Haltbarkeit sind darum nur ganz grobe Richtwerte.

Je jünger, älter oder empfindlicher die zu behandelnde Person ist, desto frischer muss das Öl sein, vor allem, wenn man die Person und ihre Reaktion auf die Düfte noch nicht gut kennt.

Entsorgung

Um den Überblick zu behalten, sollte man den Tag des Öffnens auf dem Etikett notieren und den Tropfeinsatz im Auge behalten: Wird das vorher dünnflüssige Öl klebrig und zäh, wird der frische Duft (Eukalyptus, Lemongrass, Mandarine) stumpf, holzig und flach, ist es an der Zeit, das Öl einer neuen Bestimmung zuzuführen. Einige Tropfen alter Öle eignen sich noch
| als Motten- und Mückenvertreibungsmittel (auf Holzstücken, in Säckchen, direkt auf nicht sichtbare hölzerne Teile der Möbel)
| zur Umleitung von Ameisenstraßen
| in duftneutralen Putzmitteln und Toilettenreinigern zum Hausputz
| um Blumentöpfe, Gartenwerkzeuge, Mülleimer, Katzenklos, Hundekörbe und Hundehalsbänder zu reinigen (alles, was mit Katzen direkt in Kontakt kommt nicht mit ätherischen Ölen behandeln)

Die Öle, die schnell verderben, können auf Grund ihrer chemischen Beschaffenheit (hoher Anteil an Monoterpenen) auch bestimmte Kunststoffe angreifen, machen Sie deshalb vorab an unsichtbarer Stelle einen Materialverträglichkeitstest, empfindliche Materialien sind beispielsweise Autoarmaturen, Gemüsefächer im Kühlschrank und CD-Hüllen.

Mehr Tipps zur Verwendung von älteren Ölen im Buch „Aromatherapie“ von Eliane Zimmermann, Irisiana 2008