Viren sind sehr kleine Krankheitserreger, ihre Größe beträgt zwischen 25 und 300 Nanometer (1 Nanometer = 0,000000001 Meter). Sie bestehen nicht aus Zellen, sondern nur einem Strang Erbinformation und einigen wenigen Eiweißen, die diesen Strang umhüllen. Deshalb sind sie auf die zellulären Strukturen anderer Organismen angewiesen, um sich zu vermehren. Wie Parasiten nisten sie sich in ihre Wirtszellen ein und bedienen sich derer Strukturen und deren Stoffwechsels. Einige Virenarten können sich in die menschlichen Erbanlagen einschleusen, um sie dann zur Herstellung virenspezifischer Erbsubstanz oder Eiweiß zu zwingen.

Alleine sind sie nicht lebens- oder fortpflanzungsfähig. Darum treffen auf sie nicht alle Merkmale eines echten Lebewesens.

Erst vor 100 Jahren entdeckte der russische Biologe Dimitri Iwanowsky den Erreger der Tabak-Mosaik-Krankheit, nämlich das später genannte Tabak-Mosaik-Virus. Allerdings vermutete er hier Bakterien, die ungewöhnlich klein waren. Erst in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts war man in der Lage, durch die Erfindung des Elektronenmikroskops mit seiner mehr als 20000fachen Vergrößerungsmöglichkeit, Viren sichtbar zu machen. Die damals entdeckten unterschiedlichen Strukturen der Viren werden auch heute noch zur Unterscheidung und Klassifizierung der Viren herangezogen. Es gibt ovale und runde Viren, langgestreckte, helixförmige, stäbchenförmige und solche, die wie eine Projektilkugel aussehen. Polyederförmige Strukturen, wie zum Beispiel Ikosaeder, findet man oft. Zudem weisen sie sehr unterschiedliche Oberflächenstrukturen auf, manche Viren weisen zum Beispiel kleine antennenartige Gebilde aus Eiweißstrukturen auf.

Bei der Herstellung von Medikamenten gegen Viren führen diese unterschiedlichen Formen und Strukturen zu kaum überwindbaren Hindernissen, zudem lassen sich Viren nicht ohne weiteres außerhalb des „Wirtes“ heranzüchten, da sie sich ja nur mit seiner Hilfe vermehren können. So können die Mittel nur schwer in vitro getestet werden. Deshalb ist man auf Versuche mit Tieren angewiesen und selbst hier stellen sich Probleme, da die meisten Viren jedoch auf bestimmte Wirte spezialisiert sind.

Viren bestehen aus mindestens einem Strang einer Nukleinsäure sowie aus einigen Eiweißverbindungen. Die Nukleinsäure trägt die Erbinformation und bildet den Kern, der Core genannt wird. Die den Kern umgebenden Eiweißverbindungen (Proteine) bilden einen schützenden Mantel, der Mantel oder Kapsid genannt wird. Manche Viren sind darüber hinaus noch mit einer Schicht aus Lipiden (Fettsubstanzen) verkleidet, sie wird Envelope genannt. Aus diesen wenigen Bauelementen entstehen sehr vielfältige Strukturen, die auf die unterschiedlichen Zellarten des Wirtes spezialisiert sind.

Viren verursachen Erkrankungen wie Masern, Mumps, Röteln, Grippe, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Pocken, Gelbfieber, Hepatitis, Darmgrippe (virale Gastroenteritis), Gürtelrose, Genitalherpes, Windpocken, FSME (Frühsommermeningoenzephalitis), Tollwut, AIDS und viele andere. Zunehmend weiß man, daß auch an der Entstehung von bestimmten Krebsarten Viren beteiligt sind.

Viruzid – unkorrekt gebrauchter Begriff, dessen Bedeutung „Viren abtöten“ nicht den heutigen Möglichkeiten entspricht, deshalb sprechen wir korrekterweise von antiviral.

Die Wirksamkeit von ätherischen Ölen kann man nicht mittels Aromatogramm feststellen. Dafür ist ein wesentlich aufwändigerer Test nötig, der Plaquereduktionstest. Als besonders antivirale Einzelstoffe in ätherischen Ölen gelten die Monoterpen-Aldehyde und die aromatischen Aldehyde. Professor Jürgen Reichling und sein Team forschen an der Uni Heidelberg an der antiviralen Wirkung von ätherischen Ölen.

Antiviral wirksame ätherische Öle
Backhousia citriodora
Cinnamomum camphora Ct. 1,8-Cineol (Ravintsara)
Cistus ladanifer
Citrus limon & bergamia
Cymbopogon flexuosus (Foto links)
Cymbopogon martinii
Eucalyptus globulus, smithii & radiata
Hyssopus officinalis
Lavandula latifolia
Leptospermum scoparium (Foto rechts)
Leptospermum petersonii
Melaleuca sp.
Melissa officinalis (v.a. Hydrolat)
Origanum compactum
Pimenta racemosa
Thymus vulgaris ct. Thujanol

Antiviral wirksames fettes Öl
Calophyllum inophyllum

Mehr Informationen finden Sie in meinem Aroma-Blog (klick!) unter der Kategorie ‚Viren’ und ‚Studien‘ (Suchfeld in der rechten Spalte) und im Fachbuch „Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe“, Haug Verlag, 6. Auflage 2018, dort befinden sich auch die Quellenhinweise.