Ich liebe das Internet (wenn weder Leitung noch Computer verrückt spielen). Vor Kurzem ‚unterhielten‘ sich Cristina von Aromandina in den USA und ich per Facebook und E-Mail. Am 29.12. kündigte sie mir Öleproben ihrer Firma an. Heute wurden sie bereits vom Postboten – trotz Glatteis auf unserem abschüssigen Sträßchen – geliefert. Er muss sie gerochen haben, denn bereits beim Öffnen kam mir ein balsamisch-eukalyptischer Duft entgegen.

Cristina stammt aus Ecuador, besuchte dort zwischen Kolumbien und Peru die deutsche Schule (so dass sie das hier gut lesen kann!!! 😉 und lebt nun in den USA, wo sie ätherische Öle aus der Andenregion vertreibt. Da ich auch in den Anden geboren wurde, kamen wir ins ‚elektronische Gespräch‘.

 

Sie fragte, ob ich das ätherische Öl von Palo Santo kenne. Ich habe natürlich schon öfters davon gehört, es ist als Räucherware bekannt. Doch das Öl kannte ich bis heute nicht. Es gibt in der spanischsprachigen Welt viele unterschiedliche Bäume mit dem Volksnamen Palo Santo, so dass wir uns erst mal über den wissenschaftlichen Namen der von ihr gemeinten Pflanze verständigen mussten.
Der Baum Bursera graveolens ist mit dem Weihrauch- und dem Linaloebaum verwandt (Abb: wiki commons by Haplochromis). Für die Herkunft des Gattungsnamens Bursera gibt es zwei Erklärungen: Höchstwahrscheinlich ist er eine Ehrung für den Lausitzer (östliches Deutschland) Arzt und Botaniker Joachim Burser (auch Burscher), er galt als der bedeutendste ‚Florist‘ im Europa des 17. Jahrhunderts, sein Geburtsjahr lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, es wird 1583 angenommen (+/- ein Jahr), er verstarb am 26. August 1639 in Sorø in Dänemark, wo er eine Professur für Medizin und Naturwissenschaften inne hatte. Nicht nur die Gattung Burseraceae ist nach ihm benannt, sondern auch zahlreiche Pflanzen (circa 18) [Quelle]. Manchmal liest man auch, dass der Name von dem lateinischen Wort für Tasche/Beutel ‚bursa‘ stamme und sich auf die Behälter in der Pflanze, in denen sich die aromatischen Substanzen befinden, beziehe. Diese Annahme ist vermutlich nicht korrekt. Graveolens, diesen beschreibenden Artnamen kennen wir beispielsweise auch von Pelargonium, der Duftgeranie, er bedeutet „stark riechend/duftend“ (gravis=stark/schwer/heftig und olere=riechen, Eselsbrücken: Gravitation, die Schwerkraft, Odol gegen Mundgeruch ;-).
 

Er wächst in eher trockenen Wäldern und sieht etwas knorrig und gabelig aus. Die beiden Fotos stammen von den Galapagos-Inseln, welche zu Ecuador gehören und durch Charles Darwin berühmt wurden. Das ätherische Öl aus dem zerkleinerten Holz hat eine ungewöhnliche Zusammensetzung: Limonen,β-Bisabolen, Carvon, trans- und cis-Carveol. Dazu vier bislang recht unbekannte Substanzen: (-)-Juneol, Dihydrojuneol, sowie eine seltene Eudesmen-Verbindung und eine ebenso seltene Eudesman-Verbindung (Sesquiterpenoide).

Monoterpene

  • 69 % D-(+)-Limonen
  • in Spuren α-Phellandren, α-Pinen, β-Myrcen, β-Phellandren, p-Cymen

Sesquiterpene

  • 1,16 % Germacrene D
  • jeweils unter 1 %: α-Cedrene, α-Farnesen, β-Bisabolen, β-Cubenen, β-Elemen, γ-Cadinen, γ-Muurolen, α-Cubeben, α-Copaen, α-Muurolen, β-Selinen, Thujopsen, Ylangen

Monoterpenole

  • 6,91 % α-Terpineol
  • in Spuren jeweils von:
  • cis-Carveol, cis-β-Terpineol, Linalool, trans-Carveol

Monoterpenketone

  • 1,37 % Carvon
  • 0,85 % Pulegon
  • 0,22 % cis-Dihydrocarvon

Andere

  • 8,2 % Menthofuran

Quelle: Stillpoint Aromatics

Der Duft ist irgendwie unbeschreiblich, er erinnert mich an südamerikanische Gerüche in Häusern, vermutlich war ein Teil der Inneneinrichtung sie aus diesem begehrten Möbelbau-Holz hergestellt: etwas Pfefferminze, ein Hauch Lavendel, etwas Sandelholz, etwas Kümmel, etwas Zeder (Abb: wiki commons by balabiot). Maienfelser Naturkosmetik bietet unterschiedliche (in Deutschland aus dem Holz destillierte) Palo Santo-Öle an und auch die dazu passenden Hydrolate.