So lautet eine Zwischenüberschrift in der Naturkostfachzeitschrift Eve (2|09) über eines meiner Lieblingsöle. Es handelt sich um Leinöl, welches für meine Mutter eine Erinnerung an ihre verlorene Heimat birgt und welches ihre Eltern einmal pro Woche mit Pellkartoffeln und Quark aßen. Selbst der oft bereits leicht bittere Geschmack hat mich nie gestört, denn ich lernte frühzeitig, dass es sich um eines der gesundesten LEBENSmittel handelt. Heute schätze ich weiterhin daran, dass es nicht aus Ländern, die meilenweit entfernt von Europa liegen, herbei gekarrt werden muss und natürlich schätze ich auch die neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse, die es zum Thema „pflanzliche Omega-3-Fettsäuren“ inzwischen gibt. Zusammen gefasst hat sie der herrlich gut verständlich zu lesende Wissenschaftsautor Hans-Ullrich Grimm in seinem Buch Leinöl macht glücklich.


Und das Buch ist auch noch überaus ästhetisch: Es ist in blauem Leinen gebunden! Ein paar Beispiele für die gesundheitliche Unterstützung dieses einheimischen Öles:

  • die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäure (Alpha-Linolensäure) kann Herz und Kreislauf stabilisieren und den Cholesterinspiegel regulieren helfen
  • Störungen mit hormonellem Hintergrund wie PMS (prämenstruelles Syndrom), klimakterische Beschwerden und sogar nicht organisch bedingte Unfruchtbarkeit können nach regelmäßiger Einnahme über einige Wochen deutlich reduziert werden, da diese Fettsäure ein Grundbaustein für die Sexualhormone ist
  • raue und überempfindliche Haut profitiert von den enthaltenen Fettmolekülen, da gesunde und elastische Zellmembranen diese für ihre rasche Entwicklung unbedingt benötigen
  • depressive Zustände müssen nicht sein, denn unsere „grauen Zellen“ brauchen genau die im Leinöl reichlich enthalten Fettsäuren, um besser zu interagieren (Nervenzellen brauchen gute Fette)
  • vieles scheint darauf hin zu deuten, dass manche Krebsarten durch eine Regulierung der Omega-3-Zufuhr zumindest eingedämmt werden können

Die Omega-3-Erkenntnisse führten in den letzten 10 Jahren zu einer Fischessen-Hysterie, die zur unnötigen Überfischung unserer labilen Meere beitrug. Die zierliche Leinpflanze wächt viel schneller nach als eine bedrohte Fischpopulation, sie ist nicht anspruchsvoll im Anbau, sie ist seit Urzeiten mit dem Leben des Menschen verbunden (zB als Stoff-Faser, als Mal- und Schutzartikel), sie passt auch zu einer streng vegetarischen Ernährungsweise, sie sieht im Garten hübsch aus, sie schmeckt im Müsli gut und schlussendlich schmeckt – zumindest frisch gepresstes – Leinöl auch noch lecker. Und genau das ist das Problem. Man bekommt leider oft nur minderwertige Ware, denn dieses ist eines der empfindlichsten Lebensmittel. Man kann es nur wenige Wochen (kühl) lagern. Es wird extrem schnell ranzig und das ist in unserer Konsumwelt nicht erwünscht. Lebensmittel und Kosmetik sollten mindestens drei Jahre haltbar sein – und spottbillig. Beide Kriterien kann Leinöl nicht erfüllen. Es muss mit Sorgfalt und Respekt gehandhabt werden. Dann aber kann es oft bessere und gesundheitserhaltende Wirkung entfalten als so manche teure Medizin.

Nun höre ich die Schreie, dass hier ein scheinbares Wundermittel angepriesen wird. Ich bin eine Vertreterin der Abwechslung und der Vielfalt und ich glaube nicht an die Wirkung eines einzelnen „Wunder-Produktes“. Ich will hier auch nicht behaupten, dass die regelmäßige Einnahme von Leinöl dich von allen körperlichen und seelischen Sorgen befreit. Aber ich finde, es handelt sich um ein wirkliches LEBENSmittel, das wir vergessen und fast verloren haben, dem eine höhere Aufmerksamkeit gebührt. Damit wir länger gesund bleiben, damit wir froher sind, damit wir die einheimische Pflanzenvielfalt mehr würdigen. Im Bioladen bekommen Sie eine gute Qualität, die nahe an die frisch gepresste Ware, die inzwischen wieder auf einigen Wochenmärkten angeboten wird, heran kommt, beispielsweise bei Topfruits oder von der Ölmühle Solling. Sparen Sie nicht an falscher Stelle: Ich habe kürzlich ein Leinölfläschchen in einem bekannten Supermarkt gekauft und es war bereits beim Öffenen bitter und schmeckte tranig. Man kann übrigens auch jeden Tag einen Esslöffel Leinsamen ausführlich kauen, dh man speichelt sie einige Minuten ein, damit die gut verschlossenen Inhaltsstoffe dem Körper leichter zur Verfügung stehen.

Eng verbunden mit dem Thema „Leinöl und Krebs“ ist übrigens der Name der Chemikerin Johanna Budwig (1908-2003), sie hat bereits in den 60er Jahren ein Nahrungsergänzungsmittel aus Quark und Leinöl empfohlen und ist dafür von der pharmazeutisch-wissenschaftlichen Eminenz gehasst worden (es ist nach wie vor interessant, dass Menschen, die „kleine aber wirkungsvolle“ Dinge herausfinden und darüber berichten, oft als „Quacksalber“ angeprangert werden). Ihr Buch Öl-Eiweiß-Kost ist so etwas wie ein geheimer Bestseller, wenn auch man heute dazu sagen muss, dass diese Diät alleine sicherlich nicht Krebs heilen kann, wie sie anscheinend bisweilen behauptete. Doch kann diese Diät bei bestimmten Krebsarten die sonstigen Therapieansätze sicherlich unterstützen. Es gibt inzwischen eine Dr. Johanna Budwig GmbH & Co. KG sowie ein Info-Portal über die Öl-Eiweiß-Kost.

Die auf der Website von Esowatch (in der Optik von Wikipedia layoutet und reißerisch-überheblich von Anonym geschrieben) angeprangerten Mikroorganismen, die laut Johanna Budwig im Blut von an Krebs erkrankten Personen nachweisbar seien, werden übrigens inzwischen sogar von einigen aufgeschlossenen Ärzten mit Interesse studiert. Doch darüber aber an anderer Stelle mehr.

PS Nochmals zum Klarstellen: Frisch gepresstes Leinöl schmeckt ganz zart nussig, fast milder noch als die zerkauten Leinsamen; so mild, dass ich es meinen sehr peniblen Kindern unbemerkt ins Müsli geben konnte!