Heute Mittag hat mein Web-Designer, der fleißige und überaus fähige Herr Schönemann, vergessen, ein Häkchen zu setzen. Oder eines zu viel gesetzt, oder es an falscher Stelle platziert. Jedenfalls ein klitzekleines Fehlerchen gemacht. Solche Häkchen-Fehler können schon mal weit reichende Folgen haben… Darum haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, die meine Blog-Beiträge abonniert hatten, einen Link ins NICHTS erhalten, also „error-Meldungen“ und 404-Meldungen. Alles Mögliche erreichte Sie, bloß kein Blog-Beitrag. Solche Dingen können eben passieren, wenn eine Website regelmäßig aktualisiert, gewartet und erweitert wird. Für das Kuddelmuddel möchte ich mich entschuldigen und Ihnen versichern, dass es sich weder um Hacker-Alarm noch um Spam-Versuche gehandelt hat. Und ich bedanke mich auch für die unglaublich vielen Rückmeldungen, ich hätte nie mit so viel aktiver „Mitarbeit“ gerechnet. Doch nun zum Artikel, der durchaus bereits vorbereitet in der virtuellen Schublade lag.

In regelmäßigen Abständen werde ich um Rat gefragt, nach welchen Kriterien ein wirklich hilfreiches Buch über ätherische Öle ausgesucht werden kann. Auch Fragen nach Kursen oder Schulen, in denen die Kunst und die Wissenschaft im verantwortungsvollen Umgang mit ätherischen Ölen gelernt werden kann, erreichen mich nicht selten.

Ich erinnere mich gut, dass auch ich einst genau so überfordert mit der Auswahl meiner Lektüre war, denn in den späten achtziger Jahren gab es schon einmal eine wahre Flut von Aromatherapie-Büchern. Damals handelte es sich zunächst vorwiegend um Übersetzungen aus England, wo die seriöse Aromaterapie mit Madame Maury, Micheline Arcier, Patricia Davis, Shirley Price und dem immer noch aktiven Robert Tisserand sowie der nicht minder aktiven Danièle Ryman in den 70er Jahren so richtig durchstartete.

Recht bald erschienen dann die Bücher der immer noch so einmalig kreativen Pionierin Susanne Fischer-Rizzi und das Buch von Martin Henglein erschien fast zeitgleich mit dem Welt-Bestseller Das Parfüm von Patrick Süßkind. Dann folgten bald erste Bücher von Monika Werner, Ruth von Braunschweig und von Inge-Lore Andres.

Ich hatte das Glück, an der Schule von Shirley Price meine Grund-Ausbildung absolvieren zu können (1989 handelte es sich allerdings mehr um Aroma-Massage und Physiologie als um detaillierte – geschweige denn wissenschaftliche – Kenntnisse über ätherische Öle). Irgendwann durfte ich einen kurzen Buchbeitrag für eine der mehreren Auflagen ihres Standardwerkes schreiben und vor drei Jahren konnte ich die überaus fitte Shirley samt ihrem Mann Len auf der Botanica2016-Konferenz in  Brighton treffen.

Gute Auswahl an seriösen Büchern

Inzwischen gibt es viele gelungene, rundum informative und schön illustrierte Bücher über die verantwortungsvoll durchgeführte Aromapflege und Aromatherapie. Doch seit einigen Jahren findet auch ein regelrechtes „bombing“ des duften Büchermarktes statt: Schnelle, oberflächliche und vor allem preiswerte, teilweise von Öleanbietern mit gigantischen Umsätzen gesponserte Werke überbevölkern nun die Seiten von guten Bücher-Anbietern. Wie können Einsteiger in die dufte Materie nun die „Spreu vom Weizen“ unterschieden?

Einst beantwortete die Autorin von mehreren guten Aromatherapie-Büchern, Monika Werner, die Frage nach einem Aromatherapiebuch mit verantwortungsvollen Informationen so kurz wie genial: „Suchen Sie sich die Seite(n) über Inhalation und mit Inhalations-Rezepten heraus. Sind mehr als 2 Tropfen ätherisches Öl pro Inhalation empfohlen, legen Sie das Buch bitte wieder weg.“ Genau so ist es, exakt auf den Punkt gebracht! Und das war viele, viele Jahre, bevor geradezu gemeingefährliche „Empfehlungen“ in Büchern und auf „sozialen“ Medien verbreitet wurden.

Vor allem Kinder scheinen immer mehr die Leitragenden von teilweise grauenhaften Tipps und Rezepturen zu sein: Wohlmeinende Mütter/BetreuerInnen überschütten die Kleinen im Namen der Natur mit Mengen an ätherischen Ölen, dass uns Profis wirklich schlecht werden könnte. Ich bekam vor geraumer Zeit höchstpersönlich und im Brustton der Überzeugung berichtet, wie toll jeweils ein bis zwei Tropfen unverdünnten Zimtöles auf den schmerzenden Schienenbeinen eines Kindes gewirkt haben sollen….

Also macht es Sinn, den Ratschlag von Monika Werner in die Moderne zu übertragen und darauf aufmerksam zu machen, dass Rezepturen mit deutlich mehr als 3-4 Tropfen ätherischen Öles auf einen Esslöffel fetten Öles ganz laute innere Alarmglocken erklingen lassen sollten! Insbesondere wenn es um Empfehlungen für die Schwächsten geht, also um Kinder, sehr alte Menschen und auch auf irgendeine Weise beeinträchtigte Menschen. Inhalationen mit 3 oder gar 10 Tropfen ätherischer Öle können statt Linderung bei Hautproblemen und Erkältungen zu schweren Reizungen führen.

Hoch konzentrierte Anwendungen

Denn immerhin steckt in so einem einzigen Tröpflein ätherischen Öles eine ganze Salatschüssel, wenn nicht gar ein ganzer Sack, einer Heilpflanze. Kein Mensch, der einmal an einer Destillation teilnehmen durfte, würde mit solchen Mengen an Heilkräutern baden lassen, Einreibungen machen, Inhalationen empfehlen oder Massagen durchführen. Schon gar nicht, wenn es sich um Öle handeln sollte, welche phenolische Verbindungen enthalten, wie beispielsweise Zimtöl, Gewürznelkenöl, Thymian Ct. Thymol-Öl oder Oreganoöl. Wer anderes behauptet hat schlichtweg keine (seriöse) Ausbildung genossen, sondern steht unter Geldverdien-Druck und will Umsatz machen.

Darum möchte ich Sie ermutigen, liebe Leserinnen und Leser: FRAGEN Sie immer nach den Ausbildungs-Hintergründen Ihrer in die engere Wahl gezogenen Schulen. Haben Sie den Mut genau herauszubekommen, ob Ihr(e) potenzielle(r) Lehrer(in) bereits einige Jahre selbst und möglichst oft mit ätherischen Ölen arbeitet. Idealerweise hat so ein(e) Dozent(in) mindestens 5 Jahre PRAKTISCHE Erfahrungen nachzuweisen und sich selbst von Fachleuten in der Branche ausbilden lassen.

Auf einer ernst meinenden Website werden Sie ohnehin ausreichend Informationen zum Werdegang dieser Lehrenden finden, diese haben nichts zu verstecken! Wer keinerlei Infos über sich preisgibt, oder nur sehr allgemeine und irgendwie etwas mysteriös-nebulös klingende Sätze, ist sicherlich nicht nur schüchtern. Und wer sich in den allerhöchsten Tönen lobt und seine fabelhaften Fähigkeiten mehrfach heraus stellt, hat möglicherweise auch etwas zu verbergen. In jedem Fall: Vertrauen Sie bitte Ihrem Bauchgefühl!

Angelesenes „Wissen“ bedeutet nicht Können

Zu viele „Ausbilder(innen)“ (und auch BuchautorInnen) haben sich ihr Wissen lediglich angelesen. „Ist ja nur Natur, das funktioniert alles ganz einfach, das kann ich in wenigen Stunden lernen“ wird oft gedacht. Es gibt zudem einige einschlägige Websites, die durch geschicktes und gekonntes SEO (Suchmaschinen-Optimierung) immer ganz weit oben, wenn nicht sogar als erstes bei der Online-Suche erscheinen. Die Inhalte lassen jedoch oft sehr zu wünschen übrig. Allerdings bemerken Einsteiger in die Materie meistens gar nicht, wie lückenhaft solche Seiten sein können.

Sie glauben, dass wer zuoberst mit kostenlosen Infos aufscheint ja durchaus seriös sein muss. Und sie belohnen dann diese oberflächliche Art der „Wissensvermittlung“ mit Weitergabe der Links auf „sozialen“ Plattformen. Durch den regelmäßigen und zahlenmäßig großen Besuchsverkehr dieser Zeiten bleiben diese Schein-Informierer dann auch immer schön gut auffindbar. Werden Sie auch bei an vielen Stellen platzierten Affiliate-Links zu Produkten und Dienstleistungen durchaus misstrauisch! Solche Seiten sollen nur einen einzigen Zweck erfüllen: als Cash-Maschinen zu fungieren.

Gut gemachte Blogs und Informationsportale sind auch auf Einnahmen angewiesen, d.h. wir müssen inzwischen jeden Monat nicht wenig Geld bezahlen, um unsere Websites sicher und mit entsprechenden Zertifikaten versehen laufen zu lassen. Darum sind eine maßvolle Menge an Verweisen zu gewerblichen Einnahmen durchaus okay und auch nötig, um gute Seiten „am Leben“ zu erhalten.

Doch es gibt inzwischen zu fast jedem Thema angeblich spezialisierte Seiten: Sei es, dass sich www.fusspilz-natur.kom als absoluter Spezialist für diese Beschwerde präsentiert, oder www.kopfschuppen.kom und www.pickel.kom als die absoluten Problemlöser präsentieren. Auch in solchen Fällen kann ich nur empfehlen: Vertrauen Sie ihrem gesunden Menschenverstand und Ihrer Intuition! Glauben Sie nicht alles, was diese vermeintlichen Spezialisten zusammen getragen haben. Schauen Sie vor allem mal auf das Impressum, sofern überhaupt vorhanden (das ist inzwischen Pflicht!): Oft werden Sie ein „Redaktionsbüro“ dort vorfinden, nicht selten sogar befindet es sich nicht im Bereich der verwendeten Landessprache…

Kritisch hinterfragen – statt zu glauben

Wer lebendiges Wissen, echte und ehrliche Erfahrungen in seiner/ihrer Ausbildung wünscht, sollte darauf bestehen, dass authentisches Wissen und gelebte Erfahrungen weiter gegeben werden und nicht ausschließlich Theorie (diese ist freilich auch nötig!). Scheuen Sie sich also nicht, nachzufragen und vertrauen Sie bitte bei den Antworten Ihrem Bauchgefühl!

Teure „Fern-Lehrgänge Aromatherapie“ sind manchmal auch ein Trauer-Beispiel für abstraktes, totes und oft sogar arg veraltetes Wissen. Sowas zu buchen ist in den meisten Fällen rausgeschmissenes Geld, wenn ich nach den Unterlagen gehen kann, die gelegentlich den Weg zu mir finden. Für das an solche Institute überwiesene Geld bekommen Sie zwei oder drei hervorragende Fachbücher, dazu noch einige Ratgeber-Bücher und dazu sogar noch ein Set an feinsten Bio-Ölen wie bei Feeling oder bei Ronald Reike oder bei Maienfelser!

Apopros Bücher: Mir fällt auf, dass bis auf eine Ausnahme bei den wunderbaren alt bewährten Büchern, inzwischen die Werke, die auf das schnelle Geld abzielen, innerhalb von wenigen Wochen Dutzende an schwelgendsten 5-Sternchen-Lobeshymnen bekommen, oft sehr ähnlich klingend. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Man könnte fast meinen, dass da immer eine „Gemeinde“ mobilisiert wurde/wird, damit das ach so tolle Werk möglichst schnell in die ersten Ränge gebombt wird.

Ich bin ja nun bereits seit vor der Jahrtausendwende Buchautorin und staune immerzu, wie unbekannte Neu-AutorInnen innerhalb von wenigen Wochen zu 60 „Rezensionen“ kommen, oder in gut 3 Jahren zu über 100 „Besprechungen“. Währenddessen muss sich unsereins – die alten Hasen und Häsinnen mit 30 und mehr Jahren praktischer und tagtäglicher Aromatherapie-Erfahrung – mit 10, manchmal 20 und seltenst auch mit 30 Feedback-Texten zufrieden geben. Honi soit, qui mal y pense – Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Eine solche Neu-Autorin beispielsweise hat es kürzlich wundersamerweise trotz ihrer unter 35 Lebensjährchen geschafft, vom 3.8. bis zum 3.10. ganze 56 „Rezensionen“ zu bekommen, freilich fast alle mit voller Sternchenzahl. Und das bei einem unschlagbaren Preis von unter 10 Euro. Da möchte man fast wieder an den guten alten Weihnachtsmann glauben… Der absolute Klassiker unter den schönsten und umfangreichsten Ätherische-Öle-Büchern dagegen, das wunderbare „Himmlische Düfte“ von Pionierin Susanne Fischer-Rizzi, hat in „ewigen“ dreißig Jahren bislang „nur“ 33 Besprechungen erhalten! Was übrigens gar nicht wenig auf dem Gebiet der ernst gemeinten Rezensionen ist.

Rezensionen gut studieren und vergleichen

Nehmen Sie sich also die Zeit, und lesen Sie sich die Rezensionen genau durch! Reine Lobeshymnen, die sich auch noch im Wortlaut ähneln, bedeuten bei Ratgebern und Fachbüchern nicht unbedingt einen wahrhaftigen und guten Inhalt (bei Romanen dagegen kann die Begeisterung durchaus echt und ansteckend sein). Versuchen Sie auch unsachliche Kritik aufzuspüren! Wenn sich jemand von einem Buch überfordert fühlt, möglicherweise branchenfremd ist oder in einem Kochbuch Anleitungen zur Reparatur von Motorrädern sucht und deswegen nur ein Sternchen oder Herzchen vergibt, heißt das noch lange nicht, dass es sich um ein schlechtes Buch handelt.

In unserer Branche wird neuerdings auch mal durchaus gehässig angemerkt, dass das eine oder andere Produkt aus Rezepturen eines Buches  ja „nirgendwo“ erhältlich sei. Starten Sie selbst eine Online-Suche! In der Regel werden Sie die von deutschsprachigen AutorInnen empfohlenen Öle bei mindestens drei, wenn nicht sogar bei allen seriösen Anbietern finden und bestellen können (eine Liste mit seriösen deutschsprachigen Anbietern finden Sie hier)!

Sie sind dann jedoch immerhin um die Erkenntnis reicher, dass die manchmal wirklich hässlich formulierte Hetzerei aus einer Ecke stammt, die nur aus den USA importierte Öle kennt und meint verfügbar zu haben. In den USA sind uns so geläufige Produkte wie Bio-Rosenhydrolat beispielsweise fast gänzlich unbekannt. Sanddornfruchtfleischöl, das ja fast nur aus unseren Breiten stammt, ist dort kaum erhältlich. Auch werden in den USA eher lokal wachsende Kiefern- und Tannen-Öle verwendet, dort kennt man nicht unsere alpinen Zirbelkiefer- und Latschenkiefernöle und exportiert sie dann logischerweise auch nicht nach Europa.

Statt drei oder vier unbefriedigender Billig-Bücher könnten Sie bei gründlicher Recherche vermutlich ein umfassendes und glücklich machendes Buch erwerben. Ihre Bücherregale quellen nicht mit Eintagsfliegen, die sie nie mehr in die Hand nehmen werden, über – und Sie werden in ihren wenigen, jedoch hochkarätigen Büchern immer (oder fast immer) Antworten auf Ihre Fragen finden. Fallen Sie übrigens auch nicht auf „gesponsorte“ Empfehlungen beim Bücher-Riesen oder bei der Online-Suche rein! Ladenhüter oder dubiose Objekte haben es eher nötig gesponsort an die oberste Konsum-Linie gebombt zu werden! Authentische Produkte haben diesen Marketing-Trick selten nötig.

Gute Bücher sind niemals billig

Qualität hat Ihren Preis, dessen müssen Sie sich zu guter Letzt auch bewusst sein. 15 Euro, eher 20 Euro, sind ein absolutes Minimum, wenn Sie ein rundum informatives und firmen-unabhängiges Buch mit 150 Seiten und mehr erwarten. Für gute Fachbücher müssen Sie sogar jeweils 50 bis 60 Euro berappen, wenn nicht noch mehr. Und seien Sie sich sicher: Die AutorInnen erhalten in der Regel gerade mal 1 bis 2 Euro von diesem Preis, nicht selten weniger (für mein „rosa Buch“ erhielt ich in den ersten Jahren des Verkaufs sage und schreibe ganz 70 Cent pro verkaufte Ausgabe!!!!! – ErstautorInnen im Ratgeber-Bereich erhalten in Deutschland circa 5-7 Prozent vom Netto-Einkaufspreis, also von einem Buch, das um 20 Euro im Laden kostet, werden die paar Prozente aus circa der Hälfte, also aus 10 Euro heraus berechnet…) Beispiele und Besprechungen von seriösen Büchern finden Sie auf dieser Seite (sie wird demnächst erweitert und aktualisiert). Eine große Menge an grundlegendem Wissen samt nützlicher Tipps finden Sie auf Sabrina Herbers Blog und bei Margarete Ahrers 1×1 Aroma, ein Dosierkärtchen und ein Lesezeichen (evtl zum Ausdrucken) mit den wissenschaftlichen Namen der wichtigsten Duftpflanzen finden Sie hier auf dieser Seite.

PS. Demnächst gebe ich zwei Kurse in Bern und Wien, in denen es um Destillation und um Hydrolate gehen wird, im einen werden die TeilnehmerInnen sogar einen ganzen Vormittag selbst destillieren, Termine sind hier zu finden.

PPS. Da hier auf diesem Blog etliche französischsprachige Leserinnen geradezu seit Jahren zu Hause sind [salut Denise, Jacqueline, Josiane, 2x Claudia, Vera 😉 ]: Übermorgen, am 10. Oktober, erscheint Sabrinas und mein „Aromatherapie für Kinder“ auf französisch! Ihr könnt es beispielsweise bei FNAC bestellen und wir freuen uns über Rezensionen!!!

WERBUNG :: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu befreundeten Öle-Anbietern und zu Buchhändlern. Abbildungen: Canva