Die wunderschöne Garteninsel Garinish Island in der Bucht unseres Dorfes hat seit zwei Wochen wieder geöffnet! Viele von euch waren bereits mit mir dort. Es war unglaublich befreiend und berührend, wenn auch seltsam, die diesjährige erste Begehung statt kurz nach Ostern erst Ende Juli machen zu dürfen. Sehr eigenartig war es auch, ganz ohne eine Gästegruppe durch die Pflanzenpracht zu schreiten! Dafür mit der lieben Kollegin Sibylle Broggi-Läubli und ihrem sehr fleißig die kurzweiligen Aroma-Freitags-Videos filmenden Ehemann (sehr zu empfehlen, perfekt für kleine Aromatherapie-Einheiten, dazu kostenlos).

Die Seehund-Babys, wie immer Sommer auf dem Weg zur Insel zu sehen, sind keine drei Wochen alt

Die Insel war auch nicht, wie in der Hauptsaison üblich, überfüllt, mit einem neu eingerichteten Einbahn-Wege-System sind alle wesentlichen Plätze gut zu besichtigen und man konnte sich gut aus dem Weg gehen. Leider bleibt das schöne kleine Museum bis auf Weiteres geschlossen, wie gut dass ich meine vielen laminierten Fotos zur spannenden über 100-jährigen Geschichte dieses faszinierenden Ortes dabei hatte. Vieles davon erzähle ich auf meinem eigens dafür eingerichteten Garinish-Island-Blog.

Wir bewunderten an einem (in diesen Sommer eher seltenen) Mega-Sonnen-Tag die momentan überall blühenden Chilenischen Myrten (Myrtus luma, neu: Luma apiculata). Die Früchte reifen gerade, wenn sie so richtig dunkelrot-schwarz sind, werden sie in meiner Geburts-Heimat Chile zu Kompott verarbeitet. Roh wirken sie sehr zusammenziehend auf die Mundschleimhaut, schmecken herb, nicht allzu süß.

Diese Pflanze wurde erstmals von einem in Vergessenheit geratenen, einst sehr einflussreichen Schweizer Botaniker aus Genf beschrieben: Augustin-Pyrame de Candolle (1778-1841). Im Jahr 1818 wurde er Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina, der ältesten naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum. Sie existiert noch heute und ist somit die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.

Blüten von Myrtus lechleriana

Viel kleiner und dazu umso leckerer schmecken derzeit die „Miniatur-Pflaumen“ der eher unbekannten Lechler-Myrte (Myrtus lechleriana), sie blüht bereits im zeitigen Frühling (März). Selbst wenn die winzigen cremeweißen winzigen Blüten abfallen, sieht sie noch blühend aus, denn die Kelchblättchen bilden winzige, oft rosa-farbene Sternchen. Die Kernchen sehen aus wie kleine Schneckenhäuser.

Myrtus bullata

Ebenfalls auf Garinish Island wachsen noch zwei super-seltene Myrten-Raritäten aus Neuseeland: Myrtus obcordata [Synonyme: Lophomyrtus obcordata (Raoul) Burret oder Eugenia obcordata Raoul]. Sie hat niedliche herzförmige Blättchen und ähnliche Blüten, nur wesentlich kleiner, als die Brautmyrte. Sie stammt aus Neuseeland, wo sie rohutu or tutuhi heißt. Gerne kreuzt sich dieser Baum mit der Blasen-Myrte (Myrtus bullata, neu: Lophomyrtus bullata). Diese lustig aussehende Spezies heißt in ihrer fernen Heimat ramarama 😉 .

Myrtus obcordata

Über 600 wissenschaftliche Myrten-Namen sind im Laufe der letzten zwei bis drei Jahrhunderte vergeben worden, in den letzten Jahren, durch die Erkenntnisse mit Hilfe von genetischen Untersuchungen, sind nur noch drei echte Myrten (inkl. eine Unterart) übrig geblieben:

  • Myrtus communis ssp communis: Die mediterrane Brautmyrte
  • Myrtus communis ssp tarentina: Auch am Mittelmeer zu Hause, bis ins Ex-Jugoslawien-Gebiet
  • Myrtus nivellei – Die nordafrikanische Sahara-Myrte
  • Myrtus phyllireaefolia

Myrtus ugni

„Myrten“, die nun nicht mehr zu dieser Gattung gezählt werden: Eugenia, Lophomyrtus, Luma, Rhodomyrtus, Syzygium, Ugni. Diesen Myrtus ugni-Strauch (neu: Ugni molina) habe ich vielfach in meinem Garten, seine leckeren rot-glänzenden Früchte sind „die Erdbeeren des Winters“ (ich muss immer hoffen, dass die Vögel mir welche übrig lassen!). Sie schmecken wunderbar nach frischen Erdbeeren, dazu bilden diese kälteempfindlichen Mini-Bäume in unserer sauren Erde viele Ausläufer, darum haben ich inzwischen etliche, allesamt wunderbar gedeihende Sträucher davon. Königin Victoria liebte dieses Obst und ließ es im großen Stil anbauen.

Myrtus communis ssp. tarentina ©Sabrina Herber

Im alten Griechenland war die Myrte der Göttin Aphrodite geweiht, der Göttin der Liebe und Schönheit. Im 16. Jahrhundert wurde dieser Hochzeitsbrauch dann auch in Deutschland verbreitet. Der Bräutigam und die Trauzeugen steckten sich die zarten Zweige an. Es entwickelte sich der Brauch, dass die junge Ehefrau einen aus dem Brautkranz stammenden Zweig in die Erde setzte und bewurzeln ließ. Die grünende Pflanze wurde als Indikator für das beständige Eheglück angesehen und besonders gehegt.

Königin Victorias Myrtenzweig zur Hochzeit wurde mehrfach vermehrt und ist auf diese Weise immer noch bei den diversen modernen britischen Hochzeiten anwesend. Myrtenzweige gelten als Symbol für den Neuanfang, für Jungfräulichkeit, Lebenskraft und viele gesunde Kinder, aber auch der über den Tod hinausgehenden Liebe. So fand die Myrte Einzug in die Wohnstuben und gilt als eine der ältesten Zimmerpflanzen.

Drei unterschiedliche ätherische Öle

Nun zu den ätherischen Ölen: Aus den aromatischen Blättern der Brautmyrte werden unterschiedliche ätherische Öle destilliert, auf dem deutschsprachigen Markt sind drei Varianten erhältlich. Sie duften sehr unterschiedlich, bei der einen Variante ist es fast nicht zu glauben, dass es sich um dieselbe Stammpflanzen handelt! Die drei Chemotypen der ätherischen Öle von Myrtus communis L. sind:

Werden die Blätter im angetrockneten Zustand destilliert, wie in Nordafrika üblich, duftet und wirkt das ätherische Öle besonders mild. Dieser entspannende wirksame ester-reiche Naturduft ist im deutschsprachigen Gebiet nicht allzu häufig erhältlich. Das bekanntere türkische Öl, das aus den frischen Blättern gewonnen wird, enthält mehr Eucalyptol (1,8-Cineol) und tut Erwachsenen mit allerlei HNO-Beschwerden besonders gut.